Fachthemazurück

(GZ-7-2017)
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Deutscher Pflegetag 2017 in Berlin:
 
Die Pflege hat die Wahl

Ganz im Zeichen der bevorstehenden Bundestagswahl stand der diesjährige Deutsche Pflegetag in Berlin. Unter dem Motto „Die Pflege hat die Wahl“ trafen sich Experten, Entscheider und Multiplikatoren aus Politik, Wirtschaft, Pflege und Gesellschaft zum intensiven Erfahrungsaustausch.

Das vielseitige Programm mit hochkarätig besetzten Fachvorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops und Aktionsbühnen, umrahmt von einer großen Fachausstellung, informierte über die neuesten Themen und Trends im Pflegebereich. Erweitert wurde der Pflegetag in diesem Jahr um die Programmsäule „Digitale Pflege“.

Die Pflegebranche braucht massive Unterstützung

Zu wenig Personal, zu viel Belastung, schlechte Bezahlung: Die Pflegebranche braucht massive Unterstützung – vor allem durch die Politik. Das ist ein zentrales Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter Pflegekräften, die u. a. der Deutsche Pflegerat als Mitveranstalter des Kongresses in Auftrag gegeben hat. Das Thema Pflege hat im Wahljahr höchste Relevanz – die Pflegenden selbst fühlen sich von der Politik allerdings kaum wahrgenommen und schreiben selbst dem Thema Maut höhere politische Beachtung zu als der Pflege. Ein Großteil der Pflegenden fühlt sich von den etablierten Parteien nicht vertreten und traut ihnen keine Kompetenz in Sachen Pflegepolitik zu – Rechtspopulisten haben in der Pflege keinen Platz. Eine Mehrheit wünscht sich die Vertretung durch eine Selbstverwaltung.

Arbeitsbedingungen verbessern

Wie Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates, bei der Eröffnung betonte, werden im Herbst fast 3 Millionen Pflegebedürftige und 4,5 Millionen pflegende Angehörige die Wahl haben. Seine Forderung: „Mit höchster Priorität muss von der nächsten Bundesregierung die Schaffung bestmöglicher Arbeitsbedingungen in der Pflege angegangen werden. Das ist eine entscheidende Zukunftsaufgabe.“

Kein Verständnis zeigte Westerfellhaus für die politische Hängepartie in Sachen Pflegeberufegesetz: „Ein Jahrzehnt lang haben wir für eine qualitative Neuordnung der Pflegeausbildung gerungen, unzählige Modellvorhaben haben klare Ergebnisse gebracht. Jetzt muss Schluss sein mit der unsäglichen Diskussion. Wer Pflege ernst nimmt, muss jetzt handeln und das im Kabinett bereits verabschiedete Pflegeberufegesetz im Bundestag verabschieden.“

Folgt man der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), werden laut Westerfellhaus bis zum Jahr 2050 rund 1,5 Millionen Vollzeitkräfte in der Pflege mehr benötigt. Im Vergleich zu heute wäre das eine Verdopplung des Personalbedarfs. Das Statistische Bundesamt wiederum geht bis 2025 von einem zusätzlichen Bedarf an ausgebildeten Pflegekräften in Höhe von 135.000 bis 214.000 Pflegevollzeitkräften aus. „Steuern wir dem nicht mit einer deutlich verbesserten Attraktivität des Berufes, wesentlich besseren Arbeitsbedingungen und enormen Anstrengungen in der Frage, wie Pflegebedürftigkeit verzögert wer-den kann, entgegen, dann müssen wir uns warm anziehen“, mahnte der Präsident. 

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe wies darauf hin, dass mit der Pflegereform die Unterstützung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mit zusätzlich rund 5 Mrd. Euro pro Jahr verbessert worden sei. Durch die Pflegestärkungsgesetze seien die  Leistungen der Pflegeversicherung um mehr als 20 Prozent erhöht worden. Die Hilfsangebote könnten passgenau auf die konkrete Pflegesituation zugeschnitten werden. Auch Demenzkranke hätten nunmehr einen gleichberechtigten Zugang zu allen Leistungen der Pflegeversicherung.

Persönlicher Pflegeberater

Pflegebedürftige und ihre Familien haben Gröhe zufolge einen Anspruch darauf, von einem persönlichen Pflegeberater bei Ihrer Pflegekasse betreut zu werden. Um die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zu verbessern, hätten pflegende Angehörige jetzt einen Rechtsanspruch auf eine Familienpflegezeit und auf eine bezahlte Auszeit von bis zu zehn Tagen.

Pflegepersonaluntergrenzen

Eine gute Versorgung im Krankenhaus setzt eine angemessene Personalausstattung voraus. Deshalb, so der Minister, sollen Krankenhäuser und Krankenkassen verpflichtet werden, Pflegepersonaluntergrenzen in Krankenhausbereichen festzulegen, in denen dies aus Gründen der Patientensicherheit besonders notwendig ist – etwa in Intensivstationen oder im Nachtdienst. Diese Grenzen dürften dann nicht unterschritten werden. Die Vereinbarung soll zum 1. Januar 2019 wirksam werden. Gröhe: „Dies stärkt die Pflege am Krankenbett, verbessert die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte und damit auch die Patientenversorgung.“

Kommunalisierung der Pflege

Bestandteil des umfangreichen und informativen Vortragsprogramms war das Thema „Kommunalisierung der Pflege“. Selbständige Lebensführung und Teilhabe im Alter sind von kommunalen Strukturen und den sozialen Netzwerken geprägt. Die gesellschaftliche Aufmerksamkeit richtet sich jedoch hauptsächlich auf Leistungen für pflegebedürftige Menschen im Sinne des SGB XI. Angebote der Prävention und Gesundheitsförderung zur Erhaltung und Förderung eines guten und selbstbestimmten Lebens im Alter sind noch nicht selbstverständlicher Teil der kommunalen Sorge- und Unterstützungskultur. Welchen Beitrag präventive Hausbesuche zur Innovation kommunaler Seniorenarbeit leisten können, wurde im Vortrag von Anne Gebert, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V., aufgezeigt.

Profilierungschancen

Neue Wege müssen beschritten werden, um dem oft komplexen Bedarf älterer Menschen mit chronischen Gesundheitseinbu-ßen zu begegnen. In lokalen Gesundheitszentren werden präventive, medizinische, pflegerische und rehabilitative Leistungen gebündelt. In ihrem Vortrag stellte Prof. Dr. Doris Schaeffer, Institut für Pflegewissenschaft Universität Bielefeld, die mit lokalen Gesundheitszentren verbundenen zahlreichen Profilierungschancen für die Pflege dar und diskutierte sie mit dem Publikum.

DK

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