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(GZ-6-2019)
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► Bilanzpressekonferenz der bayerischen Sparkassen:

 

Erneuter Erfolg am Markt

 

Den bayerischen Sparkassen ist es auch vergangenes Jahr gelungen, ihren Kurs stabil fortzusetzen. Wie Dr. Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, bei der Bilanzpressekonferenz in München feststellte, schlossen sie das Geschäftsjahr 2018  erfolgreich ab, obwohl sich der Druck aus Niedrigzinspolitik, Regulierungsfülle und Digitalisierung weiter verdichtet habe.

V.l.: SVB-Vizepräsident Roland Schmautz, Präsident Dr. Ulrich  Netzer und Pressesprecherin Eva Mang.
V.l.: SVB-Vizepräsident Roland Schmautz, Präsident Dr. Ulrich Netzer und Pressesprecherin Eva Mang.

Aufgrund der Zinssituation findet das Wachstum im operativen Geschäft laut Netzer abermals wenig Niederschlag im Ertrag der bayerischen Sparkassen. Im Jahresergebnis zeigten sich die Belastungen aus erneut rückläufigen Zinsüberschüssen. Dass sich die Spuren der EZB-Geldpolitik nicht tiefergraben, konnten die Sparkassen durch wirksame Maßnahmen in Vertrieb, Kundenbindung und Kostenmanagement verhindern.

Kondition und Anpassungsfähigkeit

„Die Sparkassen-Finanzgruppe zeigt Kondition und Anpassungsfähigkeit in diesem finanzwirtschaftlichen Langstreckenlauf“, betonte Netzer. „Wir sind fest entschlossen, unseren Kunden auch künftig erster Ansprechpartner in finanziellen Fragen zu bleiben. Dabei verbinden wir das klassische Bankgeschäft in den bayerischen Regionen mit der modernen Plattformökonomie.“

Höheres Kreditvolumen

Das Kreditvolumen der bayerischen Sparkassen konnte 2018 wieder deutlich gesteigert werden und lag am Jahresende bei insgesamt 135,9 Milliarden Euro (+4,1 Prozent). Überdurchschnittlich stieg dabei der Bestand an Unternehmenskrediten: Er wuchs um 5,6 Prozent auf 72,1 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen von Unternehmen und Selbstständigen wächst seit Jahren stärker als andere Kredite, so dass der Anteil der Mittelstandskredite an den Gesamtausleihungen zunimmt. Die immer weiter wachsende Verwurzelung im mittelständischen Firmenkundengeschäft macht laut Netzer die zentrale Stellung der Sparkassen für die bayerische Wirtschaft deutlich.

Schwung zeigte sich auch im Markt für Immobilienkredite. Der Bestand wuchs 2018 um 5,0 Prozent auf 73,7 Milliarden Euro. Fast 70 Prozent davon entfallen auf Immobilienkredite für Privatpersonen (50,4 Milliarden Euro; +3,7 Prozent). Dieser Bestand wächst allerdings inzwischen langsamer als der von Bauträgern und anderen Wohnungsunternehmen (+9,9 Prozent). Gleiches gilt für das Neugeschäft mit Privaten.

Zuwächse im Bauspargeschäft

Im Bauspargeschäft verzeichneten die bayerischen Sparkassen erfreuliche Zuwächse. Nach einem bereits guten Jahr 2017 konnten die Sparkassen 2018 noch einmal 9,8 Prozent mehr Bausparverträge ausgeben, so dass am Ende eine Bausparsumme von über 6,9 Milliarden Euro zu verzeichnen war.

Gestiegene Einlagen

Die Einlagen der Sparkassenkunden sind 2018 trotz niedrigster Zinsen noch kräftiger angestiegen als im Vorjahr: Sie nahmen um 7,3 Milliarden Euro auf 167,2 Milliarden Euro (+4,5 Prozent) zu. Der Zuwachs resultiert mengenmäßig in erster Linie aus Sichteinlagen von Privatkunden. Doch auch Unternehmen und öffentliche Haushalte haben ihre Einlagen 2018 – nach einem Rückbau in 2017 – sogar wieder überproportional erhöht. 2018 war ein Jahr der Geldvermögensbildung: Die privaten Kunden der bayerischen Sparkassen legten 8,8 Milliarden Euro neu auf ihren Konten, Depots, in Bausparverträgen und Lebensversicherungen an. Das sind 28 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Das Wertpapiergeschäft der bayerischen Sparkassen hat sich nach dem Rekordjahr 2017 stabilisiert. Die Käufe nahmen zwar leicht ab, die Verkäufe lagen aber um 20 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dabei übersteigen zum sechsten Mal in Folge die Wertpapierkäufe wieder die -verkäufe, der Nettoabsatz stieg auf 2,73 Milliarden Euro (+58 Prozent). Dies ist der höchste Wert seit sechs Jahren.

Niedrigeres Betriebsergebnis

Im vergangenen Jahr erzielten die bayerischen Sparkassen ein Betriebsergebnis vor Bewertung von rund 1.670 Millionen Euro. Es liegt um 5,0 Prozent bzw. 87,6 Millionen Euro unter dem Vorjahresergebnis. Maßgeblich für diese Entwicklung war, dass der Rückgang des Zinsüberschusses (-142,5 Millionen Euro) auch durch große Anstrengungen nicht einmal zur Hälfte aufgefangen werden konnte. Eine Steigerung der Provisionsüberschüsse (+35,9 Millionen Euro) und gesunkene Verwaltungsaufwendungen (-16,4 Millionen Euro) reichten nicht aus, um der Entwicklung die Stirn zu bieten. Dementsprechend hat sich auch die Cost-Income-Ratio der bayerischen Sparkassen von 63,3 Prozent in 2017 auf 64,3 Prozent in 2018 verschlechtert. Um einen Euro zu verdienen, mussten die bayerischen Sparkassen im vergangenen Jahr also 64 Cent aufwenden.

Nach den noch vorläufigen Berechnungen wird nach Steuern am Ende ein Jahresüberschuss von 343 Millionen Euro (2018: 360 Millionen Euro) stehen. Die bayerischen Sparkassen nutzen diesen Gewinn, um ihr Eigenkapital weiter zu stärken. Auf das gute Ergebnis führen die bayerischen Sparkassen 446 Millionen Euro, davon 203 Millionen Euro Gewerbesteuern, an gewinnabhängigen Steuern ab.

Gemäß ihrem öffentlichen Auftrag übernehmen die Sparkassen auch eine besondere Rolle als Förderer in der Gesellschaft des Freistaats: Neben Sponsoring & shy und Spenden haben die 65 bayerischen Sparkassen und der Sparkassenverband 2018 insgesamt 114 Stiftungen unterhalten, mit denen sie soziale Zwecke, Umwelt, Kultur und Sport in ihren Geschäftsgebieten fördern. Insgesamt wurden über 46 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke und Einrichtungen bereitgestellt – das ist fast 1 Million pro Woche.

Niedrigzinspolitik und Bankenregulierung

Die bayerischen Sparkassen entwickeln sich erfolgreich, stehen aber unter internationalem Druck – sei es durch die Geldpolitik, die Bankenregulierung oder die digitalen Entwicklungen. Wie Netzer erläuterte, „scheint die international ausgerichtete EZB-Niedrigzinspolitik kein Ende zu nehmen – die regionalen Sparkassen schultern die bitteren Auswirkungen. Die Bankenregulierung schießt über das Ziel hinaus – die Privatkunden der Sparkassen verzweifeln am gut gemeinten Verbraucherschutz, die Firmenkunden müssen durch die Finalisierung des Regelwerks Basel III verteuerte Finanzierungskonditionen fürchten. Die Internetgiganten aus USA und China sind aufgebrochen, um auch die europäischen Märkte zu erobern – die regionalen Sparkassen müssen sehen, wie sie ihre Marktposition angesichts der globalen Monopolisten verteidigen.“

Dass die Sparkassen angesichts dieser Herausforderungen für die Zukunft viele Energien durch die extrem detaillierte und im Ursprung an die internationalen Großbanken gerichtete Bankenregulierung verlieren, bedauerte Netzer sehr. „Regulatorik und Aufsicht binden seit Jahren unglaublich viele Kräfte in unseren Sparkassen. Die zeitliche Dichte und die Detailtiefe von Regulierungsmaßnahmen lässt die Mitarbeiter angesichts einzuführender Maßnahmen und Meldepflichten oftmals atemlos zurück.“ Auch die Kunden der bayerischen Sparkassen brächten oft wenig Verständnis für manche überschießende Maßnahmen im Verbraucherschutz auf.

Kundennutzen und Marktchancen maximieren

Die Sparkassen und ihre Verbundpartner mit zinsabhängigen Geschäftsmodellen stehen gerade in Zeiten der Niedrig- bis Negativzinsen besonders unter Druck. Sie richten auch deshalb ihr Augenmerk auf alle Möglichkeiten zur Hebung von Effizienzvorteilen. Der Verbandspräsident forderte daher auch die eigene Finanzgruppe auf, brachliegende Potenziale bald zu heben: „Die heutigen Strukturen reichen nicht in die weite Zukunft. Es gilt, sich so aufzustellen, dass wir Kundennutzen und Marktchancen maximieren.“

Netzer zufolge ist mit der Nord/LB zum wiederholten Male eine Landesbank in Schieflage geraten: „Die bayerischen Sparkassen tragen ihren Anteil von bis zu 68 Millionen Euro an der Deckung des Kapitalbedarfs der Nord/LB. Sie sind sich bewusst, welche Rolle eine starke Sparkassen-Finanzgruppe für Deutschland und für den Freistaat spielt. Deshalb sind sie konstruktiver Partner bei allen Weiterentwicklungen, die die Strukturen der Sparkassen-Finanzgruppe zukunftsfest machen.“

Bei allen anstehenden Strukturfragen bleibe aber unumstößlich, dass im Mittelpunkt aller Anstrengungen der Sparkassen immer ihre Kunden und deren Wünsche stehen, so der Präsident. Alle Maßnahmen dienten dem Ziel, das Vertrauen und die Partnerschaft mit den Kunden in den bayerischen Regionen zu festigen. Sparkassen seien verlässliche, zukunftstüchtige Finanzdienstleister und regionale Partner - das mache ihren Erfolg aus.

Digitale Anwendungen

Über die neu etablierten digitalen Anwendungen der Sparkassen informierte Roland Schmautz, Vizepräsident des Sparkassenverbands Bayern. Mehrere Anwendungen, die im Jahr 2018 gestartet sind, würden bei immer mehr Sparkassen und ihren Kunden zu festen Bestandteilen des täglichen Bankings.

4,7 Millionen (73,7 Prozent) der Girokarten von bayerischen Sparkassen sind bereits heute für das kontaktlose Bezahlen ausgerüstet, 2018 wurden damit bereits rund 23 Millionen Kontaktlos-Transaktionen ausgeführt. Die Sparkassen bringen damit eine neue Variante des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in die Breite. Mitte 2018 haben die Sparkassen den nächsten Schritt in Angriff genommen und bieten ihren Kunden jetzt auch das mobile Bezahlen per Smartphone an. Händler, die „kontaktlos-fähige“ Terminals einsetzen, können ohne weiteren Aufwand Smartphone-Zahlungen von Sparkassen-Kunden akzeptieren. Derzeit steht die App für Nutzer von Android-Smartphones zur Verfügung. Sie wurde in der zweiten Jahreshälfte 2018 bundesweit 400.000 Mal auf Kunden-Smartphones installiert, der Einsatz im Alltag steigt.

Instant Payment

Ein Erfolgsmodell der Sparkassen ist auch das zur Jahresmitte 2018 flächendeckend eingeführte europäische Echtzeit-Überweisungsverfahren „Instant Payment“, das parallel zur SEPA-Standardüberweisung eingesetzt wird. Innerhalb von zehn Sekunden werden dabei Transaktionen ausgeführt, die sonst durch Zeitverzug auch Verzögerungen im gegenläufigen Warengeschäft bedingen.

Instant Payments funktionieren auch bei Geldsendungen von Handy zu Handy per „Kwitt“. Überweisungen werden auch hier in Echtzeit durchgeführt – auf dem Empfängerkonto kommt sofort Geld an, nicht nur eine Ankündigung. Nach gut zwei Jahren am Markt hat Kwitt inzwischen rund 1,2 Millionen Nutzer, wächst weiter dynamisch und ist damit eines der erfolgreichsten Angebote im mobilen Bezahlverkehr in Deutschland.

Seit Sommer 2018 präsentiert sich außerdem das Online-Banking bei bereits vier von fünf bayerischen Sparkassen neu: Konten anderer Kreditinstitute können integriert werden, die Sparkassen öffnen die Fenster zu Konten außerhalb der Finanzgruppe. Denn wie bisher die Sparkassen-App ist jetzt auch das klassische Online-Banking mit Schnittstellen ausgerüstet, die es erlauben, mit Zustimmung des Kunden Daten aus seinen Konten bei anderen Kredit-
instituten einzuspielen.

Wie Schmautz unterstrich, „eröffnet die europäische Finanzmarktregulierung PSD II (Payment Service Directive) also auch Spielräume. Durch die zu öffnenden Schnittstellen können wir unsere Internet-Filiale als Drehscheibe etablieren, auf der Kunden alle ihre Finanzgeschäfte im Blick behalten, auch wenn sie bei anderen Kreditinstituten geführt werden.“ Dazu werden perspektivisch nicht nur Leserechte genutzt, es können dann auch Zahlungen bei anderen Kreditinstituten ausgelöst werden. „Das ist der Grundstein für eine Finanz-Plattform, mit der unsere Kunden all ihre Finanzgeschäfte und noch mehr am gleichen Ort erledigen.“

Mittelstand im Visier

Wo von digitaler Transformation im Banking gesprochen wird, ist meist vor allem das Privatkundengeschäft gemeint. Die Sparkassen richten ihren Fokus aber verstärkt auch auf die mittelständische Wirtschaft, um den Kundenanforderungen an Qualität, Effizienz und Komfort bestmöglich zu entsprechen. Auch im Firmenkundengeschäft gilt dabei, dass digitale Instrumente die persönliche Beratung nie vollständig ersetzen können. „Doch die Trennlinie zwischen Online- und Offline-Welt verschwimmt auch hier zusehends, auch Firmenkunden wählen für jedes Vorhaben den jeweils passenden Servicekanal“, hob der Vizepräsident hervor.
Mit der digitalen Transformation hat sich die Struktur der Sparkassen in den vergangenen Jahrzehnten Schritt für Schritt verändert. Während Standard-Servicetätigkeiten in den Filialen immer mehr in den Hintergrund treten, steigt gleichzeitig die sehr konkrete Kundennachfrage nach hochwertiger Beratung. Hatte eine Sparkasse in den 1980er Jahren noch manchmal den Charakter eines Verwaltungs- und Servicebüros mit vielen Abwicklungsaufgaben, so wird sie demnächst ihre Transformation zur schlanken, kundenzentrierten Einheit, die sich individuell den speziellen Beratungsanliegen ihrer Kunden widmet, durchlaufen haben.

Gestiegene Kundenerwartungen

Weil immer mehr Kunden ihre Standard-Bankgeschäfte online abwickeln, haben viele bayerische Sparkassen ihr Geschäftsstellennetz umgebaut und die Kompetenz in Filialen zusammengezogen, berichtete Schmautz: „Die gestiegenen Kundenerwartungen an die Qualität der Beratung erfordern meist ein Team von Fachleuten. Das können Kleinstfilialen nicht leisten.“

Dennoch betreiben die 65 bayerischen Sparkassen ein dichtes Netz von 2.260 Geschäftsstellen (2017: 2.349), 572 Selbstbedienungs-Geschäftsstellen (2017: 531) und 3.679 Geldautomaten (2017: 3.713; zusätzlich über 3.500 Cash-back-Stellen im bayerischen Einzelhandel). Damit bleiben sie stark in der Fläche präsent.

DK

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