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(GZ-3-2019)
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► Der Münchner Trinkwassergewinnung auf der Spur:

 

Herzstück Mangfalltal

 

Das Münchner Trinkwasser (M-Wasser) gehört zu den besten in Europa. Beliefert wird die Landeshauptstadt von den Stadtwerken München (SWM) mit Quellwasser überwiegend aus dem Mangfalltal, aber auch aus dem Loisachatal und der Münchner Schotterebene, die allerdings nur als Reserve-Gewinnungsgebiet dient. Passend zum Thema Trinkwasser haben die Stadtwerke München den M-Wasserweg entwickelt. Der Wasserweg startet am Deutschen Museum in München und zieht sich mit 20 Stationen über 82 Kilometer bis nach Gmund am Tegernsee.

Hans Niggl, langjähriger Leiter der SWM Wassergewinnung in Thalham. rHans Niggl, langjähriger Leiter der SWM Wassergewinnung in Thalham. r

Bei den Wassergewinnungsanlagen handelt es sich im Wesentlichen um die Mühltaler Hangquellfassungen im Gemeindegebiet Valley, die Reisacher Grundwasserfassung auf dem Gebiet der Stadt Miesbach und die Gotzinger Hangquellfassung im Gebiet der Gemeinde Weyarn. Diese liefern heute gut 80 Prozent des benötigten Wassers: etwa 2.800 Liter pro Sekunde, ca. 100 Mio. Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr.

Bei einem Ortstermin mit dem ehemaligen Leiter des Betriebshofs der SWM Wassergewinnung in Thalham (Weyarn), Hans Niggl, konnte sich die GZ ein präzises Bild vom Aufbau der zentralen Münchner Trinkwasserversorgung machen.

Pettenkofers Weitsicht

1883 floss das erste Trinkwasser aus der Mühlthaler Hangquellfassung nach München. Bereits im Jahr 1900 verfügte die Stadt über das modernste Wasserversorgungs- und Kanalisationssystem Deutschlands. Verantwortlich hierfür war in besonderem Maße der bayerische Chemiker und Hygieniker Max von Pettenkofer.

Er erkannte, dass die damals schlechten hygienischen Verhältnisse in München – die Stadt wurde immer wieder von Seuchen wie Cholera und Typhus heimgesucht – vor allem auf verunreinigtes Trinkwasser und eine fehlende Kanalisation zurückzuführen waren. Pettenkofer forderte daher, für das Trinkwasser neue Quellen außerhalb der Stadt zu erschließen, wo die Böden nicht verunreinigt waren, und eine Kanalisation zu bauen. Unter seinem direkten Einfluss startete die Landeshauptstadt den Umbau der Trinkwasserversorgung. Herzstück hierbei war die Fassung der Quellen aus dem Mangfalltal.

Vorläufer der modernen Horizontalfilterbrunnen

1902 wurde die Gotzinger Hangquellfassung in Betrieb genommen und entschieden, das Gewinnungsgebiet mit dem Bau der Grundwasserfassung Reisach zu erweitern. Diese wurde 1913 in Betrieb genommen. Bei beiden Gewinnungsanlagen handelt es sich um sogenannte Freispiegelwerke, bei denen das Wasser ohne Einsatz von Pumpen in freiem Abfluss gewonnen wird.

Der 520 Meter lange Quellsammelstollen der „Hangquellfassung Gotzing“ deckt ein Viertel des Trinkwasserbedarfs der Landeshauptstadt. In der Grundwasserfassung Reisach, verborgen in einem der imposantesten Bauwerke der Münchner Trinkwasserversorgung, dem sog. Reisacher Wasserschloss, wird das Wasser durch im Grundwasser liegende Sammelkanäle gefasst. Diese liegen in rund neun Metern Tiefe, haben einen Durchmesser von etwa zwei Metern und eine Länge von insgesamt ca. 1,8 Kilometern. In ihrer Bauweise gilt die Fassung als Vorläufer der modernen Horizontalfilterbrunnen.

Am „Spiralschacht Thalham“ wiederum macht die weitläufige Plastik „Tränen der Erde“ des Bildhauers Karl Jakob Schwalbach auf die hier beginnende, neue Zuleitung aus dem Wasser-Gewinnungsgebiet nach München aufmerksam. Imposant ist auch der Spiralschacht Thalham selbst, der sich in einem eher unscheinbaren Holzstadel verbirgt. In einem runden Becken fließt hier das kristallklare Wasser spiralförmig in den Mühlthal-Mangfallstollen zur Verteilung.

Grundsätzlich sind die Quellgebiete im Mangfalltal durch Gesteinsschichten bestens geschützt. Da die Wasservorkommen aus dem regenreichen Rand des Gebirges gespeist und ständig nachgebildet werden, sind sie außerdem sehr ergiebig und unerschöpflich. Auch eine sichere Zuleitung ist von hoher Bedeutung. Durch mehrere unterirdische Leitungen wird das frisch gewonnene Wasser aus den Gewinnungsgebieten in die Hochbehälter im Süden der Stadt geleitet. Dabei kommt es darauf an, dass immer die richtige Wassermenge am richtigen Ort ist.

Versorgungssicherheit

Sowohl die Gewinnungsanlagen als auch die Wasserleitungen sind so ausgerichtet, dass sie sich jederzeit gegenseitig ersetzen können. Ein möglicher Ausfall einer Anlage kann kurzfristig durch eine Anlage an anderer Stelle aufgefangen werden. Somit ist die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet. 

Die Wasserqualität zeichnet sich besonders durch ihren hohen Mineralstoffgehalt aus. Beim Versickern durch die einzelnen Erd- und Gesteinsschichten wird das Wasser gefiltert und mit zahlreichen Mineralien angereichert. M-Wasser kann man direkt aus dem Wasserhahn genießen. Denn das Münchner Trinkwasser hält nicht nur alle Grenzwerte der Trinkwasserverordnung ein, es unterschreitet diese sogar um ein Vielfaches.

Unter dem Motto „Vorausschauender Wasserschutz ist sinnvoller als aufwändige Reinigung und Aufbereitung“ soll die Münchner Trinkwasserqualität langfristig gesichert werden. Die Flächen im Besitz der Stadtwerke und im Einzugsgebiet der Trinkwassergewinnung werden nach den Anforderungen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Auf ihnen werden keinerlei chemisch-synthetische Dünge- oder Pflanzenschutzmittel verwendet, sondern ausschließlich betriebseigene Naturdünger, die boden-und pflanzenverträglich aufbereitet worden sind.

Gülle aus konventioneller Tierhaltung wird nicht eingesetzt, Düngehöchstmengen sind flächenbezogen festgelegt. Auf diese Weise konnte sich im Mangfalltal eine beeindruckende Flora und Fauna entwickeln. Seltene Pflanzen- und Tierarten haben hier einen Rückzugsraum gefunden.

SWM-Initiative „Ökobauern“

Eine Vorbildfunktion über die Grenzen Deutschlands hinaus hat die SWM-Initiative „Ökobauern“. Seit dem Start des Förderprogramms im Jahr 1992 haben rund 150 Bauern ihre Betriebe von traditioneller auf boden- und gewässerschonende Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung umgestellt – mit positiven Auswirkungen auf das Grundwasser und auf die dort produzierten Lebensmittel. Dafür erhalten die Landwirte – je nach Zone im Einzugsgebiet – eine Vergütung in Höhe von bis zu 300 Euro pro Hektar und Jahr. Gemeinsam bewirtschaften sie eine Fläche von rund 3.500 Hektar. Das ist die größte, zusammenhängende, ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland.

Neufassung des Wasserschutzgebietes

Damit das Grundwasser auch in Zukunft entsprechend der gesetzlichen Anforderungen geschützt ist, führt das Landratsamt Miesbach gegenwärtig ein Wasserschutzgebietsverfahren durch. Aus bislang 8,5 Quadratkilometern Schutzzone, die im Landkreis Miesbach allein rund um Thalham, Reisach und Gotzing liegen, sollen 15,9 Quadratkilometer werden. In diesem Einzugsbereich aber liegen die Höfe von 30 Landwirten und Grundstücke von insgesamt rund 60 Bauern in der Region.

Um die Neufassung des Wasserschutzgebietes zu stoppen, haben sich betroffene Landwirte, Anwohner und Gemeinderäte im Sommer 2018 in der überparteilichen Initiative „Heimatwasser Mangfalltal“ zusammengeschlossen. Zu gravierend sind ihrer Meinung nach die negativen Auswirkungen auf Bürger und Gemeinden. Nach wie vor sind die Fronten in diesem langjährigen Streit verhärtet, eine Klärung ist nicht in Sicht.

DK

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