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(GZ-1/2-2019)
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► RENEXPO Interhydro in Salzburg:

 

Versorgungssicherheit durch Wasserkraft

 

Über den Stand der Technik, die Rahmenbedingungen auf EU- und nationaler Ebene, aktuelle Entwicklungen sowie über Wirtschaftlichkeit und die ökologischen Aspekte der Wasserkraft informierte die Kongressmesse RENEXPO Interhydro 2018 in Salzburg. Erneut  bot die Veranstaltung eine Plattform für Präsentation, Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch sowie für die Knüpfung neuer Kontakte. Von Anlagenkomponenten über Kraftwerksteuerung bis hin zum Stromhandel und Direktvermarktung: Auf der Messe präsentierten Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette der Wasserkraft.

Informativer Energie-Talk im Rahmen der RENEXPO Interhydro. Von links: Günther Rabensteiner, Dr. Nicolaus Römer, Anne-Marie von Hassel, Hermann Steinmaßl, Christoph Wagner, Sebastian Schönauer. r
Informativer Energie-Talk im Rahmen der RENEXPO Interhydro. Von links: Günther Rabensteiner, Dr. Nicolaus Römer, Anne-Marie von Hassel, Hermann Steinmaßl, Christoph Wagner, Sebastian Schönauer. r

Das 3. Europäische Verbände-Treffen sowie das 2. Osteuropa-Forum und das 2. Afrika Kleinwasserkraft-Forum brachten auch in diesem Jahr die internationale Vernetzung der Branche voran. Die Vorteile der Wasserkraft deutlicher zu kommunizieren und herauszustellen, sowie ihre Bedeutung im politischen Umfeld zu stärken, war zentrales Thema beim 3. Europäischen Verbände-Treffen. Beim EREF Kleinwasserkraft Verbändetreffen wurden die neue Gesetzgebung und die denkbaren Auswirkungen auf den Anlagenbetrieb und auf mögliche neue Geschäftsmodelle diskutiert.  

Bessere Vernetzung vonnöten

Konsens der anwesenden Verbände aus insgesamt rund 20 europäischen Ländern war, dass eine bessere Vernetzung, mehr Kommunikation in Öffentlichkeit und Medien sowie eine stärkere Vertretung der europäischen Wasserkraft in Brüssel zwingend notwendig sind.

Mit 125 Ausstellern, 467 Kongressteilnehmern und 2.500 internationalen Besuchern hat die RENEXPO INTERHYDRO ihren Status als Treffpunkt Nr. 1 der Wasserkraft in Europa erneut bestätigt. „Es freut uns sehr, dass es uns zum wiederholten Male gelungen ist, die Branche in Salzburg zusammenzubringen und drängende Themen anzusprechen. Die Wasserkraft muss weiter gestärkt werden - vor allem auch im Hinblick auf die immer deutlicher sichtbaren klimatischen Veränderungen mit extremer Trockenheit auf der einen und katastrophalen Überschwemmungen auf der anderen Seite!“, unterstrich Johann-Georg Röhm, Geschäftsführer der REECO Austria GmbH, bisherige Veranstalterin der RENEXPO INTERHYDRO. 

Michael Wagner, Geschäftsführer im Messezentrum Salzburg dazu: „Wir freuen uns dass wir den großen Wissensschatz, den wir uns in zehn Jahren rund um diese Veranstaltung aneignen konnten, nun in Begleitung von Herrn Röhm vertiefen können. Begleitet vom jetzigen Projektteam fühlen wir uns für die neue Rolle als Veranstalter der RENEXPO INTERHYDRO bestens gerüstet.“

Bei der diesjährigen RENEXPO INTERHYDRO stand das Thema „Versorgungssicherheit durch Wasserkraft“ im Fokus. In seiner Eröffnungsrede stellte der Schirmherr, Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Heinrich Schellhorn, die Bedeutung der Wasserkraft für das Land Salzburg sowie die Bedeutung der Wasserkraftmesse als wichtigem Treffpunkt für Austausch und Diskussion besonders heraus. Nur mit vereinten Kräften seien Klimaschutz und Energiewende in ganz Europa zu schaffen, so Schellhorn. Es brauche gemeinsame Handlungen sowie einen breiten Austausch von Wissen, Information und Erfahrungen.

Auf den Aufbau dezentraler Energiestrukturen in ländlichen Regionen setzt nach den Ausführungen von Josef Göppel, Energiebeauftragter des BMZ für Afrika, MdB a.D., das Programm „Grüne Bürgerenergie für Afrika“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Dies geschehe mit Hilfe von Kommunen, Genossenschaften und privatwirtschaftlichen Investitionen. Außerdem würden die afrikanischen Kommunen gestärkt. Somit könnten Sie bezahlbare, verlässliche und nachhaltige Energie bereitstellen und die berufliche Bildung im Energiesektor ausweiten. Die Wasserkraft nehme in diesem Konzert einen äußerst wichtigen Platz ein, betonte Göppel.

Energie-Talk

Beim anschließenden EnergieTalk diskutierten unter der Moderation von Anne-Marie von Hassel, Chefredakteurin der Bayerischen GemeindeZeitung, hochkarätige Referenten der Branche: Nicolaus Römer, Technischer Vorstand der Firma Schluchseewerk, Laufenburg, stellvertretender Präsident des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Alpine Wasserkraft, Wien, Günther Rabensteiner, Vorstandsmitglied des österreichischen Unternehmens Verbund, Christoph Wagner, Präsident des Verbands Kleinwasserkraft Österreich, Altlandrat und MdL a.D. Hermann Steinmaßl, 3. Vorsitzender der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern und Sebastian Schönauer, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern und Sprecher des Arbeitskreises Wasser im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

„Wasserkraft ist die oft vergessene erneuerbare Energiequelle bei der Diskussion um die Zukunft der Versorgung in Europa. Dabei ist sie jedoch das Rückgrat der regenerativen Erzeugung“, bekräftigte eingangs Dr. Günther Rabensteiner, VERBUND AG, Wien, dem mittlerweile zweitgrößten deutschen Wasserkraftbetreiber am Inn. Die Konzentration auf die bereits bestehenden Kraftwerke sei hierbei vorrangiges Ziel. Effizienzsteigerungsmaßnahmen stünden – trotz des bereits hohen Wirkungsgrades – im Vordergrund. Es gelte Maßnahmen zu ergreifen, um die Wasserkraft hocheffizient zu nutzen.

Letztlich geht es Rabensteiner zufolge nicht nur um die Produktion der erneuerbaren Energieträger, sondern auch um das Thema intelligente Speicher. Da Wasserpumpspeicherkraftwerke nicht beliebig ausbaubar seien, „werden sie ergänzt werden müssen durch Batterieanlagen, die diesen Ausgleich sicherstellen“.

Biodiversität sichern

VERBUND investiert laut Rabensteiner in den Umweltschutz sowie in ökologische Maßnahmen, um Biodiversität zu sichern oder zu verbessern. Von Fischwanderhilfen oder Fischaufstiegshilfen profitierten nicht nur Fische, sondern alle Organismen in und um den Lebensraum Wasser. Biotope und Maßnahmen zum Vogelschutz werteten Lebensräume entlang von Leitungstrassen auf. Versehen werden diese Maßnahmen mit Begleitprogrammen durch unabhängige Institutionen. Allein in den kommenden fünf bis acht Jahren werden dafür allein 280 Mio. Euro investiert. „Daran sieht man, dass die Wasserkraftunternehmen durchaus umgedacht haben und authentisch in der Nachhaltigkeit Maßnahmen setzen, die auch für einen Generationenschutz herhalten können“, betonte das Vorstandsmitglied.

Positionen des Bund Naturschutz

„Natürlich ist Wasserkraft, so wie sie betrieben wird, auf der einen Seite auch degenerativ“, stellte Sebastian Schönauer vom BUND Naturschutz in Bayern (BN) fest. Er sprach sich für „eine unbedingte Einhaltung der gegebenen Regeln“ aus. Die Umweltverträglichkeitsprüfung dürfe nicht umgangen werden.

Der BN-Vertreter verwahrte sich dagegen, Naturschutzverbände „mit dem Siegel der Störer zu behaften“. Vielmehr seien sie Sachwalter für jene, die für die Zukunft kämpfen. „Wir als Bund Naturschutz sind mitten in der Gesellschaft. Es geht uns um den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und dazu zählt auch das Wasser. Es ist der besonderen Fürsorge jedes Einzelnen und des Staats anvertraut.“

Schönauer plädierte für eine größere Durchgängigkeit der Flüsse. Neue Wasserkraftanlagen, sogar die energetische Nutzung der aus Umweltschutzgründen benötigten Querbauwerke, hält er für unnötig. Insbesondere Kleinwasserkraftanlagen lehnt er ab, weil sie aus seiner Sicht keinen relevanten Beitrag zum Klimaschutz leisteten. „Wir haben die Verantwortung für die kommenden Generationen. Wir dürfen die Menschen nicht verschrecken“, machte der Vize-Landesvorsitzende deutlich. Ihnen müsse vermittelt werden, dass ein Mehr an Ökologie zwingend erforderlich für eine gute Zukunft ist. „Nicht jedes einzelne Kilowatt ist wichtig, sondern das Überleben der Menschheit“, stellte Schönauer abschließend fest.

Wie Dr. Nicolaus Römer, Schluchseewerk AG, Laufenburg, darlegte, bietet der Alpenraum ein breites Wasserkraftportfolio: Laufwasserkraftwerke als Grundlast, Pumpspeicherkraftwerke für Flexibilität, sowie kurze und mittelfristige Speicherung und Speicherkraftwerke als mittel- bis langfristige Speicher. „Trotzdem“, so Römer, „nehmen wir im immer stärker werdenden Wettbewerb keine faire Behandlung wahr.“ In Deutschland, Österreich und der Schweiz belaufe sich der Stromverbrauch auf insgesamt ca. 720 TWh, davon werden 166 TWh aus Wasserkraft generiert – Tendenz fallend.

Keine faire Behandlung für die Große Wasserkraft

Römer wies auf standortbedingt unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen für die Wasserkraft hin. So gebe es an der deutsch-schweizerischen Grenze sowohl den Wasserzins als auch Wassernutzungsentgelte; einzelne Anlagen würden so an den Rand ihrer Wirtschaftlichkeit gedrängt. Zudem würden Pumpspeicherkraftwerke unterschiedlich entlohnt. „Kein Mensch verliert ein Wort darüber, dass die Große Wasserkraft seit Jahrzehnten keine Unterstützung bekommt. Und auch auf der Abgabenseite gibt es noch Optimierungspotenzial“, monierte der Vorstand.

Mit Blick auf Schwierigkeiten seines Unternehmens beim Genehmigungsverfahren für ein Pumpspeicherkraftwerk äußerte Römer auch den Wunsch nach positiver Begleitung durch die Umweltverbände. Hierzulande neige man allerdings aktuell dazu, Probleme zu exportieren. Dies sei grundfalsch. Es gelte, Fragen und Probleme im eigenen Land zu lösen und die Bürger darüber aufzuklären, dass jegliche Form der energetischen Nutzung zwangsläufig einen ökologischen Fußabdruck hinterlässt.

Ehrliche Kompromisse schließen

Traunsteins Altlandrat Hermann Steinmaßl forderte: „Wir brauchen den Mix aus den verschiedensten Energieträgern, die dazugehörigen Speicher und ein vernünftiges Verteilnetz!“ Die Energiewende sei auch „eine Wende vom Dezentralen zum Regionalen“. Jede Region müsse ihre Stärken nutzen.

Die Energiewende sei eine Gemeinschaftsaufgabe. Dabei sei klar, dass jede Energieform die Landschaft verändere, die Natur beanspruche und stellenweise vom Menschen beeinflusst werde. Dies müsse ausgesprochen werden. Wenn der Klimaschutz ernsthaft in Angriff genommen werden soll, so muss nach Steinmaßls Ansicht dafür Sorge getragen werden, „dass jedes zu vermeidende Kilowatt CO2 auch vermieden wird“. Es gelte, ehrliche Kompromisse zu schließen und die bestehenden Anlagen zu sichern und zu optimieren. Gemeinsamkeit und Ausgewogenheit lauteten die Maxime.

Allein die Tatsache, dass in Bayern nahezu 50 Wasserkraftanlagen in Naturschutzgebieten und 100 Anlagen in FFH-Gebieten vorzufinden sind, zeige, dass ein Miteinander möglich ist. Die zentrale Frage laute: „Hilft man wirklich den Kindern und Enkeln, wenn man sich jeglicher Entwicklung und Veränderung verweigert?“

Nach den Ausführungen von Christoph Wagner, Kleinwasserkraft Österreich, Wien, ist Kleinwasserkraft nicht nur eine ökonomische und umweltschonende Energiequelle, sondern hat auch positive Auswirkungen auf den Lebensraum von Mensch und Tier. Die Kleinwasserkraft habe Zukunft, weil sie kulturell gewachsen ist.

Kleinwasserkraft

Insgesamt gibt es in Österreich 4.000 Kleinwasserkraftwerke. Diese speisen 6 TWh in das Stromnetz ein und versorgen mehr als 50 Prozent der Haushalte. Diese Zahlen bewiesen, wie hoch damit die Versorgungs- und damit auch die Krisensicherheit verbunden sei, so Wagner. Kleinwasserkraft produziere keine Emissionen und sei somit zu 100 Prozent klimaneutral. Um die Klimaziele zu erreichen und eine emissionsfreie heimische Energieerzeugung zu schaffen, sei der Beitrag von Wasserkraft unerlässlich.

Jedes neue Wasserkraftwerk an einem der rund 30.000 aktuell ungenutzten Querbauwerke würde nach Wagners Überzeugung zu einer ökologischen Verbesserung führen. Mit den aktuellen Standards, die in Österreich gelten, sei daher ein weiterer Ausbau jedenfalls möglich und sinnvoll.

 DK

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