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(GZ-5-2018) 
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► Stadtwerke 2030:

 

Kompetenter Partner für Kommunen

 

PwC-Studie zu kommunalen Energieversorgern mit Unterstützung des VKU

Die großen Herausforderungen kommunaler Energieversorgungsunternehmen (EVU) in Deutschland – mehr Regulierung, fortschreitende Digitalisierung, zunehmender Wettbewerb und sinkende Gewinne – können sie am besten durch neue Kooperationen lösen. Das ist eines der wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie „Stadtwerke 2030“, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) mit Unterstützung des Verbands kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) erstellt hat. Für das umfassende Meinungs- und Stimmungsbild wurden Vorstände, Geschäftsführer und andere Topmanager von 300 kommunalen EVU befragt. Im Fokus standen das aktuelle Marktumfeld sowie strategische Handlungsoptionen. 

82 % der Befragten sehen die integrierte Wertschöpfungskette – also Bündelung der Medien und der Geschäftsfelder Erzeugung, Netz und Vertrieb – nach wie vor als einen wesentlichen Erfolgsfaktor an, um die wachsenden Herausforderungen zu bewältigen. Gerade weil sich der Ergebnisbeitrag in allen Wertschöpfungsstufen reduziert, sieht man in der Bündelung von Aktivitäten aufgrund der noch nicht ausgeschöpften Rationalisierungspotenziale einen strategischen Vorteil. Dies deckt sich mit der Aussage von über der Hälfte der Befragten (51 %), die Rationalisierungen als zwingend notwendig ansehen, um im Wettbewerb erfolgreich zu sein.

Strategische Zukunft Eine weitere Option ist die Konzentration der Wertschöpfung auf die Kernkompetenz in weniger wettbewerbsintensiven Bereichen. So sehen 49 % der Teilnehmer in der Fokussierung auf den reinen Infrastrukturdienstleister rund um die Netze eine sinnvolle strategische Alternative. 48 % der Teilnehmer sehen dagegen ihre strategische Zukunft als (digitaler) Serviceprovider und planen folglich, den Anteil von Dienstleistungen an der Wertschöpfung deutlich zu erhöhen.

Neue Geschäftsfelder erschließen Neben Kostensenkungen, der Erhöhung des Dienstleistungsanteils an der Wertschöpfung und dem Austritt aus unrentablen Wertschöpfungen kann die Erschließung neuer Geschäftsfelder eine weitere strategische Option für EVUs sein. Da die Kommunen mitunter überlastet sind und (kommunale) Energieversorger die Bereitstellung der öffentlichen Daseinsvorsorge vielfach zu ihrem Aufgabengebiet zählen, können sich knapp 45 % der Teilnehmer vorstellen, künftig vermehrt Aufgaben der Kommunen zu übernehmen. Eine weitere strategische Option kann sein, mit ggf. branchenfremden Partnern neue Möglichkeiten der Wertschöpfung zu erschließen (zum Beispiel Elektromobilität, Smart Energy) und dabei die Chancen des technischen Fortschritts vollständig auszunutzen.

Regulatorische Hürden

Bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder und dem Aufbau von Kooperationen erweisen sich zunehmend das Gemeinderecht sowie die unterschiedlichen Ausprägungen in den einzelnen Ländern als Hürde. Daneben bestehen weitere regulatorische Hürden, die Kooperationen behindern. So scheitern Kooperationen im Netzbereich regelmäßig am Regulierungsrahmen, da dieser Effizienzsteigerungen nicht langfristig vergütet oder bei der Auslagerung von Netzpersonal aufgrund der Nicht-Anerkennung dauerhaft nicht beeinflussbarer Kostenanteile Nachteile mit sich bringt.

Dass die befragten Stadtwerke-Topmanager in der konventionellen Energieerzeugung keine aussichtsreiche strategische Option mehr sehen, ist ein weiteres Ergebnis der Studie. Dieses Geschäftsfeld wird ihrer Ansicht nach am ehesten von Rückgängen betroffen sein, da hier die Ergebnisse in allen klassischen Wertschöpfungsstufen zunehmend unter Druck geraten. Da Schließungen oder Verkäufe kaum möglich sind, erhoffen mehr als 75 % der Befragten eine staatlich regulierte Lösung für die Netz- und Kraftwerksreserve.

Motor der Energiewende

Bei Ausschreibungen im Bereich der erneuerbaren Energien geraten klassische Energieversorger vielfach ins Hintertreffen. Eine realistische Chance besteht für denjenigen, der regional agiert und einen signifikanten Teil der Wertschöpfung erbringen kann. Insgesamt bestätigen 82 % der Befragten, im Bereich der regenerativen Erzeugung tätig zu sein. Dieses Geschäftsfeld bleibt somit Motor der Energiewende, wobei der Raum für Wachstum durch Anlagenzubau in einigen Bundesländern derzeit kritisch diskutiert wird.

Regenerative Erzeugung als Motor

Für rund 51 % bleibt dieses Geschäftsfeld trotz sinkender Renditen weiterhin attraktiv, Risiken werden lediglich von 7 % gesehen. Investitionen können aufgrund der niedrigen Finanzierungskosten infolge der anhaltenden Niedrigzinsphase trotz niedriger Margen attraktiv sein. Fast drei Viertel der Befragten erwarten künftig einen Rückgang der Margen aufgrund der steigenden Wettbewerbsintensität im Privatkundenvertrieb. Auch wenn 60 % Risiken im Vertrieb sehen, gehen wiederum nur 16 % der Befragten davon aus, den Vertrieb künftig aufgeben zu müssen.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass neue Wettbewerber Marktanteile übernehmen werden, indem sie günstiger sind und/ oder ihr Leistungsangebot ergänzen. Dies kann zu einer Verschiebung in den Kundensegmenten führen. Die Beziehung zum Kunden wird dabei zunehmend über digitale Schnittstellen gestaltet. Den daraus resultierenden drohenden Verlust an direkten Kundenbeziehungen bewerten 35 % der Befragten als große Herausforderung, 40 % der Befragten erwarten eine sinkende Loyalität der Konsumenten zu ihren Lokalversorgern.

Im Energiehandel sehen die Teilnehmer künftig mehr Risiken als Chancen. Lediglich 4 % bewerten die Geschäftschancen positiv. Folglich sind (Teil-)Rückzüge aus dem Energiehandel zu erwarten, was Chancen für Dienstleister eröffnet. Ob die Anwendung der Blockchain-Technologie langfristig die Wertschöpfungsstufe bedroht, wird z. B. von dem Grad der Autarkie der Endverbaucher abhängen, der künftig erreicht wird.

Risiko Regulierungsdruck

Die Energiewende führt zu einer veränderten Netzinfrastruktur. Fast alle Befragten (92 %) sehen aufgrund des politischen Willens, Verbraucherpreise nicht ansteigen zu lassen, den Regulierungsdruck und dadurch sinkende Netzrenditen als zentrales Risiko. Darüber hinaus führen die Sektorenkopplung, die zunehmende Dezentralität sowie der Anschluss neuer Erzeuger und Nutzer zu komplexeren Netzen.

In der Folge stehen die Energienetze vor großen technischen Herausforderungen, was von 40 % der Befragten als Risiko im Netzgeschäft gesehen wird. Um den Verlust des Ergebnisbeitrags im Netz zu begrenzen, halten 64 % der Teilnehmer eine Ausweitung der Wertschöpfung, beispielsweise im Bereich Speicher, Elektromobilität (Sektorenkopplung) und Telekommunikation, für sinnvoll.

DK

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