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(GZ-1/2-2018) 
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 ► Einzigartiges Konzept in Neuötting:

 

Erneuerbarer Strom und Lärmschutz als ideale Symbiose

 

PV-Lärmschutzwand

In Kommunen und Energiegenossenschaften kann dieses Pionierprojekt Schule machen: 2016 wurde in der oberbayerischen Stadt Neuötting entlang der Staatsstraße 2550 eine Lärmschutzwand mit integrierter Photovoltaik-Anlage installiert. Das Konzept für Gestaltung und Finanzierung gilt als beispielhaft.

Blick zurück: Die Stadt Neuötting wollte an der „alten B12“ ein neues Baugebiet ausweisen. Auch war der Neubau einer Schule an diesem Standort geplant. Eine Voraussetzung für die Ausweisung des Baugebietes war der Bau einer Lärmschutzwand auf kleinem Grund mit einer Höhe von immerhin knapp 5 Metern. Laut Bauamtsleiter Alois Schötz „wäre die günstigste Lösung eine blickdichte, graue Lärmschutzwand aus Beton gewesen, die in Neuötting aber keiner haben wollte“.

Parallel zu den Planungen der Stadt wurde die EnergieGenossenschaft Inn-Salzach eG (EGIS eG) auf das Neubauprojekt aufmerksam. Gemeinsam mit der Stadt wuchs der Gedanke, das Zweckmäßige (Lärmschutzwand) mit dem Sinnvollen (Photovoltaik-Anlage) zu verbinden. Schnell war klar, dass Neuötting selbst nicht in die Photovoltaikanlage investieren wollte, da das Fachwissen für Planung, Betrieb und Wartung solcher Anlagen fehlte. So entschloss man sich zur Zusammenarbeit mit der EGIS eG, die fortan eine auf Photovoltaikanlagen spezialisierte Firma mit ins Boot nahm und gemeinsam mit der Stadt schließlich auch einen geeigneten Partner für Lärmschutzkonzepte fand.

Von der Idee bis zur Umsetzung des mit dem Sparkassen-Energiepreis des Landkreises Altötting und dem Bürgerenergiepreis Oberbayern ausgezeichneten Projekts vergingen insgesamt knapp 2,5 Jahre. Die vorbereitenden Arbeiten begannen im August 2016. Die Lärmschutzwand selbst war binnen von sechs Wochen installiert und die PV-Modulreihe innerhalb von drei Tagen.

Das Besondere an dieser Lärmschutzwand ist die Kombination aus Lärmschutz und Stromerzeugung. Zusätzlich zu diesen zwei Eigenschaften kommt noch eine durchsichtige Mittelschicht, die die Wand optisch deutlich aufwertet. Das Kombinieren von Lichtdurchlässigkeit, Lärmschutz sowie Stromerzeugung ist in dieser Form einmalig und nimmt eine Vorreiterrolle ein.

Die PV-Lärmschutzwand ist 234 Meter lang und 5 Meter hoch, die installierten PV-Module besitzen eine Gesamtleistung von 64,4 kWp. Pro Jahr werden knapp 51.000 kWh Strom erzeugt, was einer CO2-Einsparung von ca. 30.000 kg/Jahr entspricht. Ein großer Vorteil des Standorts dieser PV-Lärmschutzwand ist, dass die neu gebaute Montessori-Schule knapp 40 Prozent des erzeugten Stroms direkt vor Ort selbst verbraucht. Somit kann die Schule das Thema Strom aus Erneuerbaren Energien praxisnah in ihren Unterricht integrieren. Die restlichen 60 Prozent des Strombedarfs der Montessori-Schule werden über den Öko-Strom-Tarif der EGIS gedeckt. Der überschüssige Strom aus der PV-Lärmschutzwand wird in das Netz eingespeist und nach EEG auf 20 Jahre vergütet. 

Der erwartete Gewinn nach Steuern liegt bei diesem Projekt im ersten vollen Jahr bei knapp 2.600 Euro, nach 20 Jahren bei knapp 63.000 Euro. Abzüglich Abschreibungen, laufende Kosten wie Versicherungen, Zählermiete, Rückstellungen für Wartungen/Reparaturen und Steuern kann über die gesamte Anlagenlaufzeit von 20,3 Jahren (20 Jahre + das Jahr der Inbetriebnahme) eine Dividende aus der Anlage auf das eingesetzte Kapital von 5-6 % erwartet werden.

Die Nutzung der Lärmschutzwand zur Stromgewinnung mittels Photovoltaik durch die EGIS eG ist in Form eines Gestattungsvertrags mit der Stadt Neuötting geregelt. Entgelte für die Nutzung fallen für die Genossenschaft nicht an. Dafür hat die Genossenschaft anteilig die Kosten für den oberen Teil der Lärmschutzwand übernommen. Die Kosten der Stadt Neuötting reduzierten sich somit um knapp 15.000 Euro. Die gesamte Lärmschutzwand kostete der Stadt 450.000 Euro brutto.

Die EnergieGenossenschaft investierte knapp 76.000 Euro netto in die Photovoltaikanlage. Sie finanzierte die Investition über die Ausgabe von Genossenschaftsanteilen und über frei verfügbare liquide Mittel.

Viele Genossenschaften suchen derzeit nach ertragreichen Photovoltaik-Projekten. Mit solchen hochwertigen PV-Lärmschutzwänden können attraktive Renditen erzielt werden und sind somit für eine Umsetzung durchaus interessant. Vor allem aber auch unter dem Aspekt der Eigenversorgung ortsnaher Verbraucher, was die Rentabilität der Anlage zusätzlich steigert. Daneben spielt das Thema Erzeugung erneuerbarer Energien mit breiter Akzeptanz in der Bevölkerung eine große Rolle.

„Die Nachfrage von anderen Genossenschaften bei uns über dieses Projekt ist sehr groß und dies verdeutlicht, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden“,  freut sich Pascal Lang, Vorstandsvorsitzender der EGIS eG, die ihr Anlagen-Portfolio mit einem weiteren Leuchtturmprojekt erweitern konnte. „Der Weg von der ersten Idee bis zur Umsetzung war mit vielen Hürden und Hindernissen versehen. Nicht zu vergessen die viele ehrenamtlich investierte Zeit. Aber jetzt sind alle beteiligten Partner und wir stolz auf das Erreichte.“

DK

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