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(GZ-23-2017) 
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Global denken, lokal handeln

 

GZ 23 Muell

Gibt es keine Infrastruktur zur Erfassung der Plastikabfälle, geht früher oder später alles ins Meer. Bild: Umweltbundesamt

Unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“ verfolgten über 100 Teilnehmer das 9. Forum Grüner Punkt in Köln. Angesichts der Tatsache, dass Plastik ein Imageproblem hat, wurde in Vorträgen und Diskussionen erörtert, wie Innovationen dem Kunststoff eine Zukunft geben können.

Dr. Markus van Halteren, Geschäftsführer des Grünen Punkts, verwies darauf, dass das im Juli 2017 verkündete Verpackungsgesetz Impulse durch höhere Quoten und für die ökologische Lenkungswirkung bringen werde. Die Branche benötige funktionierende Übergangslösungen, bindende Vorschriften und gleiche Marktbedingungen für alle.

Ideen für den Kunststoff

Nach Darstellung von Michael Wiener, CEO des Grünen Punkts, meinten zahlreiche Verbraucher, „Plastik ist zur Pest geworden“. Wichtig sei es nunmehr, das Problem anzugehen. Ideen für den Kunststoff der Zukunft gebe es zwar viele, jedoch habe die Industrie hier eine Verweigerungshaltung eingenommen.

Nach Einschätzung von Helmut Schmitz (Grüner Punkt) nimmt die Produktion von Kunststoff deutlich zu. Gebe es keine Infrastruktur zur Erfassung der Abfälle, gehe früher oder später alles ins Meer. Dazu trage die verbreitete Meinung bei, Plastikabfälle hätten keinen Wert. Ein wirksames Mittel gegen den Eintrag ins Meer sei eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, so Schmitz. Die Finanzierungsgrundlage könnte eine erweiterte Produzentenverantwortung, wie sie auch Verpackungsverordnung und -gesetz zugrunde liegt, bilden.

„Die Fortsetzung des privatwirtschaftlichen dualen Systems durch das Verpackungsgesetz ist ein wichtiger Erfolg. Damit lassen sich die ökologischen Ziele des Gesetzes am ehesten erreichen“, stellte Dr. Thomas Rummler vom Bundesministeriums für Umwelt, Bau, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMUB) fest. Dies bedeute aber auch eine Verpflichtung, verdeutlichte Rummler den Forumsteilnehmern: „Industrie und duale Systeme sind gefordert, das nicht wieder leichtfertig aufs Spiel zu setzen.“

Der Ministerialdirigent spielte damit auf die aktuellen Auseinandersetzungen der dualen Systeme um die Clearingverträge an. Das Bundeskartellamt hatte den Systembetreibern kürzlich mitgeteilt, dass derzeit keiner der verschiedenen Verträge kartellrechtlich freigestellt werden kann. Rummler kann das sehr gut nachvollziehen: „Das Amt hat deutlich die Leitplanken aufgezeigt: Es muss ein funktionierendes Clearing her. Und ein Vertrag muss sich an der Bund/ Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall und deren Mitteilung „Umsetzung der Verpackungsverordnung“ (M37) orientieren. Wer eine Einigung über ein Clearing-Regelwerk verweigert, gefährdet seine Feststellung als duales System.“

Klar sei damit auch, dass die alten Clearingverträge, an denen nur noch drei duale Systeme festhalten, nicht mehr freistellungsfähig seien, berücksichtigten sie doch die M37 nur in einer veralteten Fassung, so Rummler. Ein Zurück zu den alten Verträgen funktioniert aus seiner Sicht nicht.

Einen weiteren wichtigen Meilenstein des Verpackungsrechts stellen die neuen, deutlich höheren Recyclingziele dar. Um diese zu erreichen, investieren die Betreiber von Sortieranlagen bereits in neue Technik, weshalb die Kosten in diesem Bereich zunächst steigen könnten. Gleichwohl, so Christoph Heller, Leiter Supply Chain beim Grünen Punkt, ließen sich Kosten auch über intelligente Ausschreibungen, die das wirtschaftliche Optimum herausholen, reduzieren. In den vergangenen Jahren habe der Grüne Punkt gezielt mit Betreibern von Sortieranlagen für Leichtverpackungen kooperiert. Anreize seien gesetzt worden, damit die Betreiber in Anlagen investieren, um bereit für die neuen Anforderungen zu sein.

Auch führten diese Kooperationen dazu, dass die Kapazität der Sortieranlagen immer etwas höher sei als die Nachfrage, was wiederum den Wettbewerb fördere, betonte Heller. Zudem gingen große Unternehmen von sich aus mit neuen Anlagen auf den Markt. Das Verpackungsgesetz gebe die Sicherheit, dass die Leistung auch nachgefragt werde. Die neuen Quoten sorgten dafür, dass allein der Grüne Punkt künftig jährlich 140 bis 160 Kilotonnen mehr Kunststoff recyceln wird. Dies bedeute, dass man beispielsweise schwarze Kunststoffverpackungen und PET-Schalen sowie flexible Verpackungen aus Mischkunststoffen recyceln müsse.

Technikum entwickelt Verfahren

Diese Recyclingkunststoffe benötigten die entsprechenden Märkte, die bereit sind, sie aufzunehmen und in der Produktion von neuen Kunststoffprodukten einzusetzen. Auch wenn Kunststoffe aus Siedlungsabfällen schon recycelt werden – diese Märkte müssen weiterentwickelt werden. Nach den Worten von Dr. Markus Helftewes, Geschäftsführer Renewing beim Grünen Punkt, gehört die Ressourcenfrage zu den globalen Herausforderungen. Bei fast allen Materialien ließen sich die Kreisläufe schließen, warum nicht auch beim Kunststoff, fragte Helftewes. Die Rohstoffbasis sei hier gemischter Abfall und nach der Aufbereitung ein bunter Haufen aus Kunststoffschnipseln. Daraus gelte es, einen reinen Kunststoff praktisch ohne Eigengeruch herzustellen. Extrem wichtig für den Grünen Punkt sei dafür das eigene Technikum in Köln, in dem die nötigen Prozesse und Verfahren entwickelt und erprobt würden. 

DK

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