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(GZ-22-2017) 
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 ► Klimatag 2017 in Garmisch-Partenkirchen:

 

Der Klimawandel ist real

 

GZ 22 2017 GAP

Landrat Anton Speer (vorne rechts) begrüßte zahlreiche Besucher beim diesjährigen Klimatag im Garmischer Landratsamt. RED

Ganz im Zeichen der Umweltbildung stand der diesjährige Klimatag des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Neben Mitgliedern des Kreistages nahm erstmals auch eine ganze Reihe von Rathauschefs an der Informationsveranstaltung teil. Auf freiwilliger Basis sollen die einzelnen Kommunen künftig Maßnahmen zum Klimaschutz selbstständig definieren und umsetzen. 

„Klimaschutz geht uns alle an“, betonte Landrat Anton Speer in seinem Grußwort, ehe er die Wanderausstellung Klima.Faktor. Mensch des Landesamts für Umwelt Bayern (LfU) eröffnete. Bis 20. Dezember ist sie für Schulklassen ab der sechsten Jahrgangsstufe sowie für alle interessierten Bürger im Foyer des Landratsamtes zu besichtigen.

Wirbelstürme, Hitzerekorde im Sommer, verheerende Fluten – weltweit ändert sich das Klima dramatisch. Welche Folgen jetzt schon in Bayern spürbar sind und wie die nahe Zukunft unserer Heimat aussehen könnte, erfährt der Besucher an vielen interaktiven Stationen. „Hierdurch soll das Bewusstsein gestärkt werden, dass jeder Verantwortung für die Zukunft tragen muss“, unterstrich der Landkreischef.

Messbarer Nachweis

„Der Mensch gemachte Klimawandel ist Realität“, unterstrich Dr. Andreas Otto vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Die vergangenen drei Jahre seien gemessen an den globalen Durchschnittstemperaturen die wärmsten seit Menschengedenken gewesen. Auch in der Region um Garmisch-Partenkirchen sei der Klimawandel messbar und bereits vielerorts nachweisbar. Während die Temperaturen weltweit durchschnittlich um 0,07 Grad pro Jahr steigen, sei dieser Wert mit 0,3 Grad im Landkreis deutlich höher.

Gefahr regionaler Dürren und Überschwemmungen

Otto zufolge „rechnen wir stärker mit regionalen Dürren, heftigeren regionalen Überschwemmungen und auch mit dem Anstieg des Meeresspiegels, was für zahlreiche Regionen bereits Land unter bedeuten würde“. Soziale Spannungen, Hungersnöte und Flüchtlingsströme seien Folgen auch des Klimawandels. Ein Ausweg besteht aus Ottos Sicht in der Reduktion der Treibhausgasemissionen.

Als gerade noch beherrschbar werde ein maximaler Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 2 Grad angesehen. Konkret bedeute dies, dass im Jahr 2050 bei einer Weltbevölke- rung von 10 Milliarden nur noch höchstens 1,5 Tonnen CO2 pro Kopf ausgestoßen werden dürfen.

Auch für Martin Kainz, Forstdirektor im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim, steht die Klimaampel auf dunkelrot. Bei weitem reichen seiner Ansicht nach die derzeitigen Schutzmaßnahmen nicht aus, um den allgemeinen Trend umzukehren.

Flora und Fauna ändern sich

Auf den Wald habe der Klimawandel folgende Auswirkungen: Wegen der langen Lebenszeit der Bäume seien Wälder besonders anfällig und für eine natürliche Anpassung der Wälder laufe der Klimawandel viel zu schnell. Der einzelne Baum könne sich nicht anpassen. An das Klima nicht angepasste Wälder seien gefährdet. Vegetationszonen würden sich verschieben und auch Flora und Fauna änderten sich.

Während in Bayern auf vielen Flächen der Anbau von Buche mit ihren Begleitern die Option für die Zukunft sein werde, „wird die Fläche, auf der sich die Fichte wohl fühlt, sich im Laufe des Klimawandels verkleinern“, prognostizierte Kainz. Die Mischung mit anderen Baumarten werde zunehmend wichtiger, um das Risiko zu senken.

Gefahren für den Wald

Grundsätzlich nähmen die Gefahren für den Wald eindeutig aufgrund von Trockenheit und Dürre, Schädlingsbefall, Sturmwurf, Hochwasser, Waldbrand und Schneebruch zu. Für Waldbesitzer könne dies u. a. einen Holzpreisverfall von bis zu 30 Prozent nach sich ziehen, bemerkte Kainz. Er plädierte deshalb für eine Abkehr von unnatürlichen (Fichten-) Reinbeständen hin zu standortgerechten und klimatoleranten Mischwäldern, der Risikostreuung durch Verwendung mehrerer Baumarten, der Stärkung der Widerstandskraft durch frühzeitige Pflege und eine rechtzeitige Verjüngung gerade im Gebirge.

Keine Glaubensfrage

„Der Klimawandel ist keine Glaubensfrage mehr, sondern eine nachweisbare Tatsache“, stellte auch Prof. Dr. Harald Kunstmann, stellvertretender Institutsleiter der Klimaforschungsstation Campus Alpin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), fest. Zwar könne es auch im Werdenfelser Land immer wieder kalte Winter geben, aber insgesamt sei der Trend eindeutig: „In der Jetztzeit sind die Durchschnitts–Sommer die Winter der Zukunft.“

Wie Kunstmann ausführte, bildet das aus dem Fraunhofer Institut für Atmosphärische Umweltforschung hervorgegangene Institut für Meteorologie und Klimaforschung IMK-IFU in Garmisch-Partenkirchen seit 2002 eines von vier Departments des IMK am Campus Alpin.

Atmosphäre und Klima

Im Programm „Atmosphäre und Klima“ werden die Rolle der Atmosphäre im dynamischen Klimasystem und deren zugrunde liegenden Prozesse untersucht. Das Programm trägt zum Verständnis der langfristigen Veränderung der Zusammensetzung der Atmosphäre und des damit verbundenen Klimawandels, der Verschlechterung der Luftqualität, verursacht durch die zunehmenden anthropogenen Antriebe (Emissionen, Landnutzungsänderungen), die in Bio- und Atmosphäre auftretenden Klimarückkopplungen und den Wechselwirkungen im Zusammenhang mit den Veränderungen im Wasserkreislauf bei.

Ambitioniertes Ziel

„Die Planungsregion Oberland mit den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden und damit eine Vorreiterrolle im Klima- und Ressourcenschutz einzunehmen. Damit setzt auch die die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen ein mutiges und ehrgeiziges Ziel und spielt eine Vorreiterrolle“, hob Kunstmann hervor.

In den Südhang des Zugspitzgipfels hineingesprengt, 2.650 Meter über dem Meer, befindet sich Deutschlands höchst gelegene Forschungseinrichtung, die „Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS)“, benannt nach dem nahegelegenen Gletscher. Neun Etagen hoch und mit zwei Stockwerken fest im Fels verankert, ist sie Höhenforschungsstation, Observatorium und Kommunikationseinrichtung zugleich, wie Dr. Inga Beck, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, darlegte. Daneben ist sie auch das weltweit einzige Ausbildungszentrum für Atmosphärenforscher aus Entwicklungsländern. Die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus wird im Rahmen des „Klimaprogramms Bayern 2020“ vom Freistaat unterstützt. Zudem ist der Landkreis Garmisch-Partenkirchen Mitgesellschafter der UFS.

Einzigartige Plattform

Deutschlands höchst gelegene Forschungsstation auf der Zugspitze bildet eine weltweit einzigartige Plattform für die kontinuierliche Beobachtung physikalischer und chemischer Eigenschaften der Atmosphäre sowie die Analyse wetter- und klimawirksamer Prozesse – Grundlagen für die Beschreibung von Zustand und künftiger Entwicklung des weltweiten Klimas. Die UFS wird unter Federführung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz als „Virtuelles Institut“ geführt, dem zehn renommierte deutsche Forschungseinrichtungen angehören.

Nach Becks Ausführungen sind die drei Zugspitz-Gletscher von 300 Hektar im 19. Jahrhundert auf derzeit 39 Hektar zusammengeschmolzen. Trete keine Änderung ein, werden sie bis zum Jahr 2030 wohl vollkommen verschwunden sein. Auch der Permafrost, eine gefrorene Gesteinsschicht unter der Erdoberfläche, die die verschiedenen Bodenschichten wie Kitt zusammenhält, werde in absehbarer Zeit auftauen und die Gefahr von Felsabgängen drastisch erhöhen.

DK

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