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(GZ-21-2017)
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► Dorferneuerung und Baukultur:

 

Staatspreise für Wiederbelebung alter Gebäude

 

Private und kommunale Bauherren aus ganz Bayern wurden in der Münchner Residenz für die herausragende Erneuerung und Wiederbelebung denkmalgeschützter und ortsbildprägender Gebäude von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner mit Preisen ausgezeichnet. Bei einem Festakt überreichte der Minister an insgesamt 14 Projekte den mit 2.000 Euro dotierten Staatspreis „Dorferneuerung und Baukultur“. Zwei Bauherren erhielten einen in gleicher Höhe dotierten Sonderpreis.

Laut Brunner sind die ausgezeichneten Projekte beispielgebend für den Erhalt der Baukultur und von entscheidender Bedeutung für die Innenentwicklung der Dörfer. „Mit außerordentlichem großen Engagement haben Sie als Bauherren dafür gesorgt, dass für Ortsbild und Baukultur charakteristische Gebäude erhalten und zeitgerecht genutzt werden“, betonte der Minister in seiner Laudatio. Die prämierten Bauvorhaben seien damit „gelungene Investitionen in die Baukultur Bayerns“.

Die Sieger wurden von einer Fachjury aus Architekten, Heimatpflegern und Fachleuten der Verwaltung für Ländliche Entwicklung aus über 4.000 Projekten ausgewählt, die in den vergangenen fünf Jahren im Zuge der Dorferneuerung umgesetzt und staatlich gefördert wurden.

Zu den sechs öffentlichen Bauherren, die sich um die Identität und die Innenentwicklung von Dörfern verdient gemacht haben, zählt die Gemeinde Fellheim (Landkreis Unterallgäu) mit dem Projekt „Ehemalige Synagoge wird nach umfangreicher Sanierung zum Kulturzentrum gegen das Vergessen“. Der prägnante Bau der 1786 erbauten Synagoge erlangte nach der Verwüstung 1938 und der Zweckentfremdung als Wohnhaus seit den 1950er Jahren seine historische Erscheinung und Bedeutung zurück und prägt heute als öffentlicher Begegnungsort (Ausstellungen zum Judentum in Schwaben, Feiern, Feste, Vorträge und Konzerte) den Ortskern von Fellheim. Besonders überzeugen auch die baulichen Ergänzungen in Reminiszenz an den ursprünglichen Zustand. Die historisch herausragende Stellung des Einzeldenkmals mitten im denkmalgeschützten Ensemble „Judenviertel Fellheim“ ist nun wieder offensichtlich.

Gemeinde Oberdachstetten

Ein weiterer Preisträger ist die Gemeinde Oberdachstetten (Landkreis Ansbach). Die Renovierung und Umgestaltung des historischen Schulhauses in ein multifunktional nutzbares Dorfgemeinschaftshaus, das energetisch und funktional heutigen Anforderungen gerecht wird, erhält die zentrale und identitätsstiftende Bedeutung des alten Schulhauses und macht es zum Treffpunkt des Dorfes. Dabei wird das äußere Erscheinungsbild des Altbaus denkmalgerecht saniert und die Situation im Inneren den neuen Funktionen angepasst und räumlich aufgewertet. Das denkmalgeschützte historische Schulhaus wird als Dorfgemeinschaftshaus für vielfältige Veranstaltungen genutzt. Aufgrund des stark sanierungsbedürftigen Zustandes im Altbau wurde eine Instandsetzung und Umgestaltung für die neuen Funktionen vorgenommen.

Ebenfalls prämiert wurde die Gemeinde Bundorf (Landkreis Haßberge). Dort hat das eingeschossige Fachwerkgebäude nach vielen unsachgemäßen Eingriffen und langem Leerstand sein historisches Erscheinungsbild zurück erlangt. Durch die Lage unmittelbar an der Hauptstraße bedeutet die vorbildliche Sanierung und die mit ihr einhergehende Anlage eines bisher fehlenden Dorfplatzes eine erhebliche städtebauliche Aufwertung an zentraler Stelle. Das Gemeindeprojekt ist beliebter Treffpunkt aller Generationen und hat als Vorbild bereits zahlreiche weitere private Sanierungen in der Nachbarschaft ausgelöst. Mit dem Dorfgemeinschaftshaus ist ein weiterer Baustein in den beispielhaften Aktivitäten des Hofheimer Landes zur baulichen, funktionalen und sozialen Innenentwicklung umgesetzt worden.

Stadt Karlstadt

Ausgezeichnet wurde auch die Stadt Karlstadt (Landkreis MainSpessart). Im Stadtteil Wiesenfeld schloss der letzte Lebensmittelladen im Jahr 2012. Aus einem Kreis von ansässigen Bürgern entwickelte sich die Idee zur Schaffung eines Dorfladens. Aus verschiedenen Leerständen hat sich das ehemalige Raiffeisenlager als idealer Ort für einen Dorfladen herausgestellt: zentrale Lage bei der Kirche, Parkplätze vorhanden, aber vor allem ein Gebäude mit Charakter, das außen wie innen das Einkaufen zu einem ganz besonderen Erlebnis macht.

Das Projekt zeigt eindrücklich, wie die Umnutzung von Leerständen bestehende Identitäten in neue überführen kann, gerade bei Nutzungen, die als Neubauten leider oft kaum baukulturelle Identitäthervorbringen. Beim Dorfladen mit Café und Bankfiliale in Wiesenfeld passen die neue Nutzung und das bestehende Gebäude so gut zusammen, dass die doch erheblichen Eingriffe den grundsätzlichen Charakter des raumbildenden schlanken Langbaus erfreulicherweise nicht aufheben.

Mit Sonderpreisen bedacht wurden Projekte der Teilnehmergemeinschaft Finsterau und der Gemeinde Mauth (Landkreis Freyung-Grafenau) sowie der Stadt Seßlach mit dem Brautraditionsverein Unterelldorf (Landkreis Coburg).

Das Projekt „Umbau des ehemaligen Schulhauses zum ‚Haus der Generationen‘“ zeigt, wie in strukturschwachen Regionen unter intensiver Mitwirkung der Bevölkerung ein Angebot für Gemeinde, Dorfgemeinschaft und Pfarrei, für Seminare, Feiern, Kultur und Sport unter einem Dach in einem leer gefallenen Schulhaus geschaffen werden kann.

Das nur sporadisch genutzte Schulhaus aus den 1960er Jahren wurde 2012 bis 2014 in Kubatur und Erscheinung für die Nutzung als „Haus der Generationen“ umgebaut. Auch wenn die baukulturellen Potenziale nicht bei allen baulichen und freiräumlichen Maßnahmen voll ausgeschöpft wurden, ist das Projekt laut Jury in der Ausnutzung vorhandener Ressourcen vorbildhaft. Als ruhiger Baukörper im neuen Holzkleid ist die ehemalige Schule zusammen mit der weitgehend entsiegelten Vorfläche nun der kulturelle Mittelpunkt des Dorfes.

Mit der Sanierung und Weiterentwicklung des alten Bürgerbrauhauses zu einer Bürgersolarbrauerei in Seßlach sind wesentliche Beiträge zur Erhaltung der örtlichen Baukultur, der gemeinschaftlichen und sozialkulturellen Traditionen sowie zum Klimaschutz geleistet worden.

Bauliche und technische Mängel stellten die Weiterführung der Brautradition in Frage. Im Rahmen der Dorferneuerung wurde die Generalsanierung des Kommun-Brauhauses in die Wege geleitet, wobei der hohe Anteil an Eigenleistung der Bevölkerung besonders hervorzuheben ist. Im Zuge der Dachsanierung wurde eine Fotovoltaikanlage installiert, die von einer Bürgersolargesellschaft betrieben wird. Die historische Brauanlage konnte weitgehend erhalten werden. Das ortsbildprägende Gebäude trägt als Treffpunkt für die Dorfbewohner zur Belebung der Ortsmitte bei und hat einen hohen Wert als Identifikationsmerkmal der Dorfgemeinschaft.

DK

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