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(GZ-21-2017)
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► Der Friedhof wird digital:

 

Mit dem Smartphone zur letzten Ruhestätte

 

Weil sich immer mehr Menschen eine Beisetzung in der Natur wünschen und schon zu Lebzeiten wissen wollen, wo sie ihre letzte Ruhe finden, hat ein Naturfriedhof bei Regensburg eine eigene Internet-Applikation entwickelt.

Nittenau (obx) - Es ist eine Frage, die viele zu Lebzeiten umtreibt: Wo werde ich einmal begraben sein? Ein Naturfriedhof in Nittenau (Kreis Schwandorf) in der Oberpfalz eröffnet bei der Suche nach der letzten Ruhestätte seit zwei Jahren neue Möglichkeiten: Per Smartphone können sich Interessenten dort genauestens informieren über den Baum, an dessen Fuß sie ihre ewige Ruhe finden wollen. Möglich wird das im Freistaat einzigartige Modell durch eine spezielle Internet-Applikation, in der rund 200 Bäume des Nittenauer Schlosswalds katalogisiert sind.

Neue Chancen

An jedem Baumriesen ist eine kleine Metalltafel angebracht, auf der sich ein Code befindet, den man mit dem Smartphone scannen kann. Langfristig könnte der „digitale Friedhof“ völlig neue Möglichkeiten der Erinnerungskultur eröffnen, glaubt Geschäftsführer Jürgen Kölbl. „Angehörige können in der Datenbank auch ein Bild und den Lebenslauf eines Verstorbenen hinterlegen, den dann Besucher des Grabes komfortabel auf ihrem Handy abrufen können, wenn sie den entsprechenden Code scannen und die Berechtigung haben“, so der Betriebsleiter des Naturfriedhofs im Regental bei Stefling, rund 30 Kilometer nördlich von Regensburg.

Bereits zu Lebzeiten können sich Interessenten auf dem Naturfriedhof inmitten des Naturparks Vorderer Bayerischer Wald ihren Wunschbaum aussuchen - beispielsweise bei einem Spaziergang durch das Areal oder auch im Internet. Dort gibt es einen virtuellen Rundgang. So steht beispielsweise bei Baum Nummer 12 geschrieben: „Buche - maximal buchbar für 90 Jahre - Familiengrabstätte möglich: Ja.“ Vermerkt ist außerdem die Zahl der noch freien Plätze sowie Infos über die Baumart: „Die Buche ist die weise Großmutter des Waldes. Sie ist mitfühlende Trösterin und in Krisen eine weise Ratgeberin. Die Buche beruhigt uns, stärkt uns, schenkt uns emotionale Energie und fördert unser Durchsetzungsvermögen“, heißt es dort. 

Für eine Baumgrabstelle mit einer Nutzungsdauer von 30 Jahren fallen Kosten von rund 1.200 Euro an. Das sind rund 40 Euro jährlich - und damit im Vergleich zu den meisten herkömmlichen Friedhöfen sehr günstig. Je nach Exklusivität des Standorts und des Baums kann die Ruhestätte inmitten alter Baumriesen auch mehr kosten. Laufzeiten von bis zu 99 Jahren sind möglich. Das Interesse ist groß: Allein im ersten Jahr nach Eröffnung im Herbst 2015 sind nach Worten des Geschäftsführers 30 Beisetzungen erfolgt. Weitere 30 Ruheplätze reservierten Menschen in den ersten zwölf Monaten nach dem Start für ihren eigenen Tod.
Beisetzungen, bei denen die Natur die Grabpflege übernimmt, liegen im Trend: Knapp zwei Dutzend eigenständige Naturfriedhöfe haben in Bayern in den vergangenen zehn Jahren eröffnet. Sie alle eint eines: Dort können Verstorbene inmitten der Natur ihre letzte Ruhe finden. Ihrer Eröffnung geht meist ein langwieriger, zum Teil mehrjähriger Genehmigungsprozess durch die Behörden voraus.

Gedenktafel möglich

„Bei der Beisetzung selbst wird eine biologisch abbaubare Urne im Wurzelbereich eines Baumes vergraben“, erklärt Schlosswald-Geschäftsführer Kölbl. Auf Wunsch werde die Grabstelle mit einer Gedenktafel gekennzeichnet. „In jedem Fall wird per GPS exakt festgehalten, wo die Urne begraben ist“, erläutert er. So will es auch der Gesetzgeber. Die Pflege des extra für diesen Zweck gewidmeten Waldstückes übernimmt der Waldeigentümer. Im Falle des Schlosswalds ist das die Familie der Grafen von Drechsel. Diese ist seit hunderten Jahren im Regental zu Hause und pflegt den Baumbestand aus Eichen, Buchen, Fichten, Kiefern, Hainbuchen, Tannen, Birken, Lärchen, Bergahornen und Linden bereits seit Generationen.

RED

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