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(GZ-19-2017)
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► Geothermiekongress 2017 in München:

 
Aus Forschung und Praxis
 

Die Region München ist mit ihren vielen, erfolgreichen Projekten bundesweit der aktuelle Hotspot der Tiefen Geothermie. Rund die Hälfte der tiefengeothermischen Anlagen befindet sich in dieser Region. Zudem arbeiten die Stadtwerke München daran, als erste Großstadt ihre Fernwärme bis 2040 vollständig aus umweltfreundlichen Quellen wie der Tiefen Geothermie bereitzustellen. Über oberflächennahe Geothermieanlagen verfügen zudem beispielsweise die Neue Pinakothek und das Deutsche Marken- und Patentamt. Ausreichend Gründe also, um in der Landeshauptstadt den Geothermiekongress 2017 zu veranstalten.

An zwei Kongresstagen wurde in der BMW Welt ein umfangreiches Programm für Wissenschaftler, Kommunalvertreter und Unternehmer dargeboten. Dabei war das gestiegene Interesse an der deutschlandweit zentralen und auch europaweit beachteten Wissensplattform deutlich spürbar. Der zentrale Branchentreffpunkt bot an einem Workshoptag und zwei Kongresstagen über 150 Vorträge zu aktuellen Themen der Oberflächennahen und Tiefen Geothermie. Veranstaltet wurde der DGK 2017 vom Bundesverband Geothermie gemeinsam mit Bayern Innovativ.

Konkret ging es um Praxiserfahrungen und Forschungsarbeiten aus dem Bereich der oberflächennahen Erdwärmenutzung ebenso wie der Tiefen Geothermie. Zusätzlich fanden am Auftakttag Workshops zu aktuellen Themen wie „Mikroseismizität im Molassebecken“, „Erfahrungsaustausch EEG“, „Statistik“, und „Innovative Anlagen“ statt.

Bei der offiziellen Kongresseröffnung wies SWM Geschäftsführer Dr. Florian Bieberbach auf die Vorreiterrolle Münchens bei der Umstellung auf Fernwärmenetze, die mit Erdwärme versorgt werden, hin. Die Stadtwerke München (SWM) sehen in der Geothermie die Ressource, die Landeshauptstadt langfristig mit erneuerbarer, CO2-freier Wärme zu versorgen. „Durch die langfristige Umstellung der Fernwärmeversorgung auf Geothermie in München wollen wir ganz Europa zeigen, dass die Wärmewende in Großstädten möglich ist“, erklärte Bieberbach.

Patricius Medaille

Im Rahmen der Eröffnungsfeier wurden Dr. Christian Pletl und posthum Dr. Christian Hecht von den Stadtwerken München mit der Patricius Medaille geehrt. Sie erhielten die höchste Auszeichnung des Bundesverbandes Geothermie für ihren engagierten Einsatz für die Erdwärmenutzung, besonders für den Umbau der Münchner Fernwärmeversorgung auf Geothermie. „Mit wegweisenden Großprojekten wie GRAME, mit dem der gesamte südliche Untergrund der Stadt München mittels 3D-Seismik erfasst wurde, haben sie die Geothermie in Deutschland maßgeblich mitgeprägt“, betonte Laudator Prof. Dr. Rüdiger Schulz, emeritierter Leiter des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik.

Für die gesamte Bandbreite geothermischer Energieversorgung will sich auch in Zukunft der auf der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Geothermie (BVG) einstimmig wiedergewählte Präsident Dr. Erwin Knapek einsetzen. „Unseren Verband zeichnet die Kombination von Wissenschaft und Wirtschaft aus, um die junge Technologie Geothermie erfolgreich im Markt zu verankern“, unterstrich Knapek. Er freute sich besonders darüber, dass inzwischen die GeothermieAllianz Bayern (GAB) gegründet wurde – ein Zusammenschluss kompetenter Institute der Technischen Universität München, Universität Erlangen und Universität Bayreuth mit Sitz an der Munich School of Engineering am Campus Garching.

Die GAB ist damit Ansprechund Kooperationspartner für das gesamte Spektrum der Geothermie in Bayern. „Wir haben bereits jetzt hervorragende Forschungseinrichtungen für geothermische Wärme im gesamten Bundesgebiet, wie das Geothermie Zentrum an der Hochschule Bochum, das Karlsruher Institut für Technologie oder das GeoForschungsZentrum Potsdam. Nun ist im Molassebecken die Geothermie-Allianz Bayern entstanden.“

Sinnlose Benachteiligung

Besonders das Standortauswahlgesetz (StandAG), die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sowie die Verbesserung der Bedingungen für den Ausbau oberflächennaher Geothermieanlagen sind aus Knapeks Sicht die Herausforderungen für die Zukunft. „Die sinnlose Benachteiligung der Geothermie durch das Standortauswahlgesetz muss beseitigt werden. Besonders Bohrungen bis zu einer Tiefe von 200 Metern sind ohne nachteiligen Einfluss auf die Sicherheit eines atomaren Endlagers umsetzbar. Es ist unser Anliegen, die Genehmigungsbehörden dafür zu sensibilisieren, dass die Prüfungen zumindest zügig erfolgen. Schließlich gibt es genügend Daten, um zu identifizieren, welche Standorte für Geothermie freigegeben werden können. Das Prinzip der weißen Landkarte ist widersinnig“, erläuterte der BVG-Präsident.

Außerdem müsse das EEG den Degressionsmechanismus für Tiefe Geothermie deutlich verändern, da insbesondere durch das StandAG wieder signifikante Zeitverzögerungen für die Umsetzung anstehender Projekte hervorgerufen werden, so Knapek weiter. Die Degression solle sich am Ausbau orientieren, beispielsweise 5 % pro 200 Megawatt installierter elektrischer Leistung.

DK

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