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(GZ-19-2017) 
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 ► Jahrestagung und Mitgliederversammlung der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern:
 
Hohe Wertschätzung für die Wasserkraft
 

Vereinigung Wasserkraftwerke

Von links: Fritz Schweiger, Michael Müller, Stefan Pastötter, Helmut Brunner, Hermann Steinmaßl, Dr. Josef Rampl, Ulrich Freiherr von Ribaupierre.RED

Auf die enorme Leistungsfähigkeit der kleinen Wasserkraft hat der 1.Vorsitzende der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern e.V. (VWB), Fritz Schweiger, anlässlich der Jahrestagung der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern e.V. (VWB) in München hingewiesen: „Wenn es insbesondere darum geht, bestmögliche Lösungen zur Umweltverträglichkeit bei der Wasserkraftnutzung zu finden, so leisten die Betreiber der kleinen Wasserkraftanlagen ihren Beitrag, um die Wasserkraft im Einklang mit gewässerökologischen und naturschutzfachlichen Anforderungen zu bringen“, stellte Schweiger fest. 

Aus seiner Sicht trägt auch die Weiterentwicklung der Technik maßgeblich zu ökologischen Verbesserungsmaßnahmen an Wasserkraftanlagen bei. Viele Mitglieder der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern e.V. hätten bereits einen Fischpass und zeigten sich für notwendige ökologische Verbesserungen sowie die Leistung ihres Beitrages zur Ökologie aufgeschlossen.

Auch die Bayerische Staatsregierung stehe zur Wasserkraft und deren bestmöglicher Umweltverträglichkeit. Hierzu habe die Staatsregierung bereits 2012 einen 10-Punkte-Fahrplan beschlossen, der Schritte aufzeigt, wie die Wasserkraftnutzung in Einklang mit gewässerökologischen und naturschutzfachlichen Anforderungen gebracht werden kann.

Schweiger zufolge verfügen Wasserkraftanlagen über einen hohen sozio-ökonomischen Zusatznutzen mit folgenden Kriterien: heimische Energienutzung, lokale Wertschöpfung im eigenen Land (z.B. Mühlen, Sägewerke), lokaler Hochwasserschutz, Sohl-, Ufer- und Wehrstabilisierung sowie Reinigung der Gewässer von Wohlstandsmüll. „Gerade bei der Neuregelung des Restwasserleitfadens kommt es im Ansatz vor allem auf das richtige Augenmaß an, damit die Struktur der kleinen und mittleren Betriebe, kurze Wege, kooperative Zusammenarbeit sowie das Energiemixangebot insgesamt zu einer erfolgreichen Energiewende beitragen können“, erläuterte der VWB-Vorsitzende.

Nach seinen Ausführungen ist Bayern mit 144.000 Hektar Wasserfläche das wasserreichste Bundesland. 73 Prozent aller deutschen Teichbetriebe befinden sich hier, viele Teiche sind über 500 Jahre alt und trieben einst Lohmühlen, Pulvermühlen oder Hammerwerke an.

Nutzungskonflikt

 Heutzutage gebe es vor allem bei Fließgewässern eine Konkurrenzsituation mit äußerst komplexem Nutzungskonflikt. Während Naturschutz und Fischerei möglichst viel Restwasser forderten, verhält es sich in der Teichwirtschaft und der Wasserkraft eher umgekehrt. Eine weitere Herausforderung ergibt sich laut Schweiger aus der geforderten Durchgängigkeit der Fließgewässer. Hier habe die EU anhand der Wasserrahmen-Richtlinie klare Vorgaben gegeben. Allerdings könnten die notwendigen Maß- nahmen von den betroffenen Akteuren zum Gelingen des Gesamtkonzepts der Energiewende am besten nur gemeinschaftlich erarbeitet werden.

In Bayern tragen aktuell 4.200 Wasserkraftwerke zu etwa einem Drittel zur bayerischen Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien bei. Nach den Worten von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner leisteten insbesondere auch kleine Wasserkraftanlagen, die unter anderem Sägewerke und Getreidemühlen antreiben, einen wichtigen Beitrag zur regenerativen Stromerzeugung und zu regionalen Wertschöpfungskreisläufen.

Aber auch bei der Getreideverarbeitung bestehe ein direkter Zusammenhang zur Wasserkraft. Zum Beispiel wird knapp ein Fünftel des deutschen Getreides, d.h. rund 9 Mio. Tonnen jährlich, von 150 bayerischen bzw. 500 deutschen Mühlen vermahlen, betonte Brunner und brachte damit seine große Wertschätzung für die Wasserkraft zum Ausdruck.

Kräfte bündeln

Mit Blick auf die vielschichtigen Konflikte zwischen Wasserkraft und Fischerei – z. B. in der Frage des Restwassers oder der Durchgängigkeit der Fließgewässer – meinte Brunner: „Mit Wegschauen oder gar ideologischen Grabenkämpfen werden wir die vielschichtigen Konflikte nicht lösen. Fakt ist: Die Bayerische Staatsregierung steht auch in Zukunft zur Wasserkraft und will diese so umweltverträglich wie möglich gestalten.“ Letztlich gehe es darum, miteinander zu reden, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und Kräfte zu bündeln, erklärte der Minister. Diesen Grundsatz verfolge er auch beim landwirtschaftlichen Gewässerschutz.

Neben 2. VWB-Vorsitzendem Dipl.-Ing. Michael Müller, der die Auswirkungen eines neuen geplanten Mindestwasserleitfadens auf die Wasserkraft darlegte und über den Stand der derzeitigen Diskussion informierte, stellte Rechtsanwalt Leopold Thum, Beirat der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern, die Neuerungen des EEG 2017 in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Otto Mitterfelner (SRW Mitterfellner, Forstinning) wiederum berichtete anschaulich über seine praktischen Erfahrungen zur Sicherheit und Wirtschaftlichkeit von Wartungsmaßnahmen an Wasserkraftwerken.

Energiedreieck

„Ziele benötigen Hierarchien“, machte Traunsteins Altlandrat und MdL a.D., Dipl.-Ing. Hermann Steinmaßl deutlich. Beim Aufeinandertreffen von Zielen sei abzuwägen, welchen man den Vorzug gibt. Politik müsse hier Entscheidungen treffen, sonst berufe sich jeder auf ein ihm genehmes Ziel als das wichtigste. Im vielzitierten Energiedreieck gilt aus seiner Sicht folgende Reihung: Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit.

Tatsache sei, dass durch den volatilen Strom aus Wind und Sonne die Versorgungssicherheit schlechter geworden ist, bemerkte Steinmaßl. Zudem seien durch den hohen Anteil von EEG und Netzentgelten die Kosten ständig gestiegen. Man habe es hier mit einer Wettbewerbsverzerrung zu tun, die die wirtschaftlichen Energien benachteilige. Mit Verweis auf die Nachhaltigkeit wies Steinmaßl darauf hin, dass durch die Abschaltung der Kernkraftwerke der CO2-Ausstoß in Bayern ab 2022 erheblich zunehmen werde, wenn der Strom von der Braunkohle importiert werden muss.

„Die Ziele bleiben, die Herausforderungen aber steigen mit dem Abschalten der Kernkraftwerke, dem Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen und dem Einstieg in die Elektromobilität“, hob Steinmaßl hervor. Gefordert sei ein „konzeptionelles und konsequentes Handeln“, das den Zielen inhaltlich wie zeitlich gerecht wird.

Konzeptionell handeln

Konzepte zur Eindämmung der Strompreise sehen laut einem Gutachten des Bayerischen Wirtschaftsministeriums eine flexible Stromsteuer, die Einführung eines Streckungsfonds, einen Systemwechsel sowie eine verbesserte Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr vor. Der Streckungsfonds sieht vor, die EEG-Umlage auf 6,5 Cent/kWh einzufrieren. Der kreditfinanzierte, staatliche Streckungsfonds soll dann Fehlbeträge finanzieren.

Wie Steinmaßl darlegte, „wird das EEG in irgendeiner Form bleiben, aber perspektivisch einen Systemwechsel bekommen. Zudem gilt der Bestandsschutz bestehender Anlagen und die Ausschreibung wird zur Regel.“ Zur Diskussion über einen Systemwechsel gehöre auch, „dass man vermutlich wegkommen wird von der Bezahlung der eingespeisten Kilowattstunden“. Stattdessen tendiere die Politik wohl dahin, die installierte Leistung künftig zu vergüten. Für die Wasserkraft wäre dies aus Steinmaßls Sicht freilich eine „fatale Geschichte“. Ebenso in der Diskussion sei die Einspeisung nach Börsenpreis, d.h. dem Erzeuger bleibe es überlassen, wann er einspeist.

Bayerische Lobby

Wasserkraft als preiswerteste erneuerbare Energie erfülle alle Kriterien der Energiewende, weshalb sie eine Lobby, vor allem aus Bayern, benötige, unterstrich Steinmaßl. Die Wasserkraft habe viele Vorteile: Sie sei kontinuierlich verfügbar und damit grundlastfähig, gut regelbar, speicherfähig, schadstoff- und CO2-frei. Wasserkraft sei die effizienteste Art, regenerative Energie rund um die Uhr, wetterunabhängig und in größerer Menge bereitzustellen. Zudem habe sie als Ausgleich zur schwankenden Einspeisung von Sonnen- und Windstrom das Potenzial, einen Beitrag zur Stabilisierung des Stromversorgungsnetzes und damit zur Versorgungssicherheit zu leisten.

„Wir müssen prüfen, was in einer Region technisch auch über Grenzen hinweg möglich ist. Erst dann sollten - im Gegensatz zum EEG - Gesetze und Marktdesigns entwickelt werden, die eine gewollte Entwicklung unterstützen“, betonte Steinmaßl und forderte eine „Lobby aus Bayern für die Wasserkraft“. Es gelte, die Stärken der Heimat zu schützen. „Und Wasserkraft ist eine Energie unserer Heimat.“

DK

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