Fachthemazurück

(GZ-13-2017)
gz fachthema
► Bayerischer Sparkassentag 2017 in Erlangen:
 
Modernes Banking. Erfolgreiches Geschäftsmodell  
 

Bayerischer Sparkassentag

Ministerpräsident Horst Seehofer (links) überreichte gemeinsam mit Staatssekretär Johannes Hintersberger (rechts) dem Präsidenten des Sparkassenverbands Bayern Dr. Ulrich Netzer (Mitte) in Erlangen das Signet „Bayern barrierefrei – Wir sind dabei“. Bild: Anja Prestel / StMAS

Das Ringen um eine angemessene Bankenregulierung stand im Mittelpunkt des Bayerischen Sparkassentags 2017 in Erlangen. Wie Dr. Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, darlegte, „unterscheidet die Flut an neuen Regulierungsmaßnahmen nur unzureichend zwischen den großen, systemrelevanten und international aktiven Banken auf der einen Seite und kleinen, mittleren und regional verankerten Kreditinstituten auf der anderen Seite. Sie werden deutlich stärker belastet als Großbanken. Das ist wettbewerbsverzerrend!“

Um „Proportionalität in der Regulierung“ zu gewährleisten, schlagen die Sparkassen ein eigenständiges Regelwerk für Regionalbanken vor, das sich vor allem hinsichtlich aufwändiger Melde- und Offenlegungspflichten von der Regulierung für systemrelevante Banken unterscheidet. Für welche Kreditinstitute diese ‚Small and Simple Banking Box‘ Anwendung findet, sollte aus Netzers Sicht primär vom Geschäftsmodell abhängen. Alle Sparkassen hätten das gleiche risikoarme Geschäftsmodell, ganz unabhängig davon, wie groß sie sind. „Es sollten sich also alle – mit Ausnahme der wenigen größenbedingt systemrelevanten – in der Box wiederfinden und Entlastungen erfahren“, so der SVB-Präsident.

Kundenorientierung

Mit Blick auf das Tagungsmotto meinte Netzer: „Modernes Banking heißt für uns Sparkassen, unseren Kunden Orientierung zu geben. Orientierung durch spürbare Präsenz vor Ort genauso wie auf digitalen Kanälen und durch kompetente Beratung, wie Ersparnisse auch in zinslosen Zeiten aufgebaut werden können.“

Die bayerischen Sparkassen zeigten dabei auch selbstbewusst auf ihr Geschäftsmodell, so der Präsident und betonte: „Wir bleiben Sparkasse, nah an den Menschen. Wir sind berechenbar, langfristig ausgerichtet und als Finanzierungspartner Nr. 1 des Mittelstands mit dem regionalen Geschäftsgebiet ‚verheiratet‘.“ Freilich, so Netzer, „brauchen die Sparkassen dafür eine angemessene, verhältnismäßige Regulierung, d. h. keinen Knebel im Mund, sondern den Atem, um Finanzpartner gerade auch an den schwächeren Standorten Bayerns sein zu können. Gerade dort wird unser dezentrales Geschäftsmodell gebraucht.“

Sehr gutes Kreditgeschäft

Nach Netzers Angaben verzeichnen die bayerischen Sparkassen für die ersten fünf Monate 2017 ein sehr gutes Kreditgeschäft: Das Kreditvolumen stieg um 1,7 Milliarden Euro (+1,3 Prozent) auf nunmehr 128 Milliarden Euro. Dieser Anstieg wird besonders durch das sehr dynamische Unternehmenskreditgeschäft getragen (+2,1 Prozent). Die starke Entwicklung der Firmenkredite spiegelt sich auch in den Zusagen für künftige Darlehen wieder: Bisher wurden 2017 11,5 Prozent mehr Kredite an Unternehmen und Selbstständige als im gleichen Zeitraum 2016 zugesagt.

Die Einlagen bei den bayerischen Sparkassen nehmen derzeit ab. Seit Jahresbeginn ist der Einlagenbestand um 0,7 Prozent auf knapp 156 Milliarden Euro gesunken. Dies resultiert aus Abflüssen bei Unternehmenskunden und öffentlichen Haushalten. Während etwa die Sichteinlagen unserer Privatkunden auch weiterhin zunehmen (+2,7 Prozent), werden sie überkompensiert vom Mittelabzug vieler Firmen und Kommunen. Hier scheinen erstmalig Verschiebungseffekte infolge der bei einigen Sparkassen neu eingeführten Verwahrentgelte auf. Normale Sparer sind von Verwahrentgelten nicht betroffen und parken, sofern sie freie Mittel haben, diese weiterhin bevorzugt in täglich fälligen Anlagen. Für die Sparkassen bedeutet der Einlagenrückgang laut Netzer „einerseits Entlastung von Verwahrentgelten, die sie sonst ihrerseits entrichten müssten. Allerdings sieht es kein Kreditinstitut gerne, wenn ihre Kunden sich nach fremden Anlagemöglichkeiten umsehen.“

Bittere Wahrheit

Doch die Rentabilitätsrechnung präsentiere derzeit eine bittere Wahrheit „und zwingt uns auch zu unpopulären Maßnahmen“, so der SVB-Präsident. Das Betriebsergebnis bilde infolge der Niedrigbis Negativzinsen den Markterfolg der Sparkassen immer weniger ab. Der Zinsüberschuss der bayerischen Sparkassen als eine der Hauptertragsquellen sinke bei den derzeitigen Niedrigzinsen weiter deutlich. Auch ein gesteigerter Provisionsüberschuss fange diese Einbußen nicht auf, zumal auch der Verwaltungsaufwand leicht steige. Das Betriebsergebnis vor Bewertung 2017 werde deshalb deutlich unter dem des Vorjahres liegen. „Wir rechnen derzeit damit, dass es um knapp 9 Prozent sinken wird. Unterstellt man, dass Europa auf dem niedrigen Zinsniveau bleibt, wird sich dieses Verhältnis im Lauf der Zeit weiter verschlechtern“, prognostizierte Netzer.

Marktführerschaft ausbauen

Die Sparkassen stünden damit vor großen Aufgaben, wenn sie die Kollateralschäden aus der Niedrigzinsphase und der Bankenregulierung anständig verarbeiten wollen. Sie wüssten aber gleichzeitig, dass sich die Zukunft im Wettbewerb entscheidet. „Deshalb arbeiten die bayerischen Sparkassen weiterhin mit voller Kraft daran, der Finanzierungs- und Vertrauenspartner Nr. 1 der Kunden in Bayern zu bleiben und ihre Marktführerschaft konsequent auszubauen.“

Aus Sicht der Bankenaufsicht beleuchtete Dr. Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank das Motto des diesjährigen Sparkassentages. Er machte deutlich, dass Erleichterungen in der Aufsicht kleinerer Banken und Sparkassen sinnvoll seien. Das vielfältige Bankensystem in Deutschland sei „der beste Garant für Stabilität“ und müsse erhalten werden.

Small Banking Box

Um mehr Verhältnismäßigkeit herzustellen, biete sich die „anfangs als höchst unrealistisch eingeschätzte Small Banking Box“ an, betonte Dombret. Seiner Auffassung nach sollten sich Institute jenseits einer „Bilanzsumme im niedrigen einstelligen Milliardenbereich“ vereinfachten Regeln unterwerfen. Zudem sollte ein Institut nicht größer sein als ein bestimmter Teil des Bruttoinlandsprodukts oder des Bankenmarkts des betreffenden Mitgliedstaates.

Darüber hinaus plädierte der Bundesbankvorstand dafür, eine Reihe „harter Nebenbedingungen“ zu erfüllen: Nur solche Institute dürften Teil der Box werden, die im Abwicklungsfall einem Insolvenzverfahren unterliegen, sie dürften nicht nennenswert auf dem Kapitalmarkt oder grenzüberschreitend aktiv sein, sie sollten allenfalls kleine Handels- und Derivatebücher aufweisen und sie sollten schließlich keine internen Modelle verwenden, sondern nur den Standardansatz nutzen.

Systemische Risiken

Dombret zufolge führt dieser Vorgabenkatalog dazu, dass Institute mit riskanteren Geschäftsmodellen von vornherein ausgeschlossen werden. Darüber hinaus dürfe man auch systemische Risiken, die sich aus der Vernetzung vieler kleiner Institute ergeben können, nicht vergessen – Stichwort „too many to fail“. Und schließlich sollte die letzte Entscheidung immer der Aufsicht vorbehalten bleiben. „Sollte diese schwerwiegende Einwände haben, kann sie davon absehen, ein Institut unter vereinfachten Regeln zu beaufsichtigen“, erklärte Dombret. Seine Positionen wurden im Anschluss mit SVB-Präsident Ulrich Netzer, Landesobmann Walter Strohmaier und Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender der Versicherungskammer Bayern, angeregt diskutiert.

Zum Abschluss des Bayerischen Sparkassentags würdigte Ministerpräsident Seehofer die Sparkassen als zukunftsstarkes Erfolgsmodell: „Die Sparkassen in Bayern sind Erfolgsmodell und Zukunftsmacher. Feste Verankerung in den Kommunen, verlässlicher Finanzpartner des Mittelstands, Schutzschild der Sparer – das sind die Grundpfeiler soliden Wirtschaftens. Die Bayerischen Sparkassen halten Kurs mit ihrem soliden Geschäftsmodell und ihrer langfristigen Kundenbindung.“

„Die Staatsregierung steht fest an ihrer Seite“, fuhr Seehofer fort. „Wir bekennen uns ganz klar zum Drei-Säulen-Modell der deutschen Bankwirtschaft und wir werden uns in Brüssel weiterhin mit aller Macht dafür einsetzen. Gefragt ist eine Bankenregulierung mit Vernunft und Augenmaß, die die Besonderheiten auch unserer Sparkassen ausreichend berücksichtigt. Denn unsere Mittelständler und Existenzgründer brauchen weiterhin eine vernünftige Finanzierung!“

Der Ministerpräsident unterstrich besonders das Engagement der Bayerischen Sparkassen bei der Initiative „Bayern barrierefrei“: „Unser Ziel ist es, Bayern bis 2023 barrierefrei zu machen. Dafür investiert der Freistaat fast 430 Millionen Euro. Gesellschaftliches Engagement als Stifter und Spender unmittelbar in der Region und vor Ort hat bei den Sparkassen lange Tradition. Ich freue mich, dass wir die Sparkassen jetzt auch als Partner von „Bayern barrierefrei“ gewinnen konnten.“

„Bayern barrierefrei“

Die Sparkassen in Bayern stellen mit derzeit über 2.400 Geschäftsstellen die geld- und kreditwirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft in ihrem Geschäftsgebiet sicher. Wie Seehofer betonte, „leisten die Sparkassen in Bayern beim Abbau von Barrieren auch im Onlinebanking Beachtliches“. In Anerkennung der Leistungen für die Inklusion in Arbeitsleben und Gesellschaft überreichte der Ministerpräsident dem Sparkassenverband in Erlangen das Signet „Bayern barrierefrei – Wir sind dabei“.

Eine ausführliche Dokumentation des Bayerischen Sparkassentags erscheint in Ausgabe 17 der GZ.

DK

 

GemeindeZeitung

Fachthema

AppStore

facebookTwitterGoogle+YouTube

Google Play

© Bayerische GemeindeZeitung

Hinweis zu Cookies

Die Bayerische GemeindeZeitung möchte Ihnen den bestmöglichen Service bieten. Dazu speichern wir Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Sie können Cookies blockieren und löschen, indem Sie Ihre Browsereinstellungen entsprechend ändern. Weitere Informationen finden Sie im Impressum.

Weiter