Aus den Kommunenzurück

(GZ-24-2018)
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► „Haus der Begegnung“ in Kirchanschöring:

 

Musterbeispiel für gelebtes Gemeinwohl

 

Freude bei Bürgermeister Hans-Jörg Birner: Kirchanschöring im Landkreis Traunstein ist als erste Gemeinwohl-Gemeinde Deutschlands ausgezeichnet worden. Erstmals hatte sie eine Bilanz nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) erstellt. Im Rahmen eines Festakts mit Kommunalpolitikern und GWÖ-Vertretern, bei der Landtagspräsident a.D. Alois Glück eine Impulsrede hielt, bekam der Rathauschef die Testatsurkunde überreicht.

Die beiden GWÖ-Beratenden Dr. Isabella Klien und Kurt Egger aus Salzburg hatten in einem elfmonatigen Prozess das Team der Gemeinde bei der Bilanzierung und Erstellung des Gemeinwohl-Berichtes begleitet und sämtliche Verwaltungs-und Betriebsabläufe auf ihre Verträglichkeit mit den GWÖ-Zielen hin überprüft und abgeklopft.

Höhepunkt des Abends waren die Berichte der Mitarbeitenden der Gemeinde. Ob beim Pelleteinkauf, bei der Geldanlage, Gebäudereinigung oder Seniorenbetreuung – in allen Bereichen spielt das wertebasierte Handeln eine zentrale Rolle. Das Engagement und die Begeisterung waren spürbar: So wird Gemeinwohl-Orientierung tagtäglich in der Gemeinde gelebt.

Moderierte Dialogplanung

Ein Musterbeispiel hierfür ist das im Mai 2018 eröffnete „Haus der Begegnung“, für das es eine extern moderierte Dialogplanung gab. Die Bürger waren bei allen Besprechungen der Kommune mit den Planern anwesend und konnten eigene Ideen einbringen.

Kirchanschöring hat sich zum Ziel gesetzt, den Flächenverbrauch einzudämmen und die vorhandenen Potenziale der Innenentwicklung zu nutzen. Aufbauend auf das durch das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern geförderte Gemeindeentwicklungskonzept und den Zielen aus dem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept hat sich die Gemeinde auf den Weg gemacht, nicht nur ihre Bauleitplanung zu überdenken, sondern auch Alternativen zu den oft üblichen Einfamilienhaussiedlungen zu entwickeln.

Sie will die flächenintensive Außenentwicklung eindämmen und zum Beispiel leerstehende Hofstellen in der Ortsmitte für das Wohnen wiederbeleben. Mit dem „Haus der Begegnung“ konnte hier ein erster Impuls gesetzt werden.

Drei Säulen

Das Haus der Begegnung ist freilich viel mehr als die bloße Beschaffung von Wohnraum. Drei Säulen verbinden nunmehr die gesamte Gemeinde: Ein Sozialbüro mit Beratungsstelle für alle Bürger, Gemeinschaftsräume für Veranstaltungen sowie ein Angebot für barrierefreies Wohnen und eine ambulant betreute Wohngemeinschaft.

Das sei auch die ursprüngliche Idee aus dem Jahr 2002 gewesen, die vollständig umgesetzt werden konnte, erklärt Bürgermeister Birner. Hinzu kamen noch eine Arztpraxis und attraktive Außenanlagen, die zum gemütlichen Beisammensein einladen. Somit wurde ein Modell geschaffen, wodurch ältere Menschen im gewohnten Umfeld ihren Lebensabend verbringen können.

Erbpachtvertrag mit günstigen Konditionen

Wie der Rathauschef erläutert, verfolgten alle Beteiligten das große Ziel mit einem immensen Stehvermögen. Die Baufläche in dieser Lage und Qualität sei der örtlichen Kirche zu verdanken. Mit deren Hilfe konnte die Gemeinde einen Erbpachtvertrag mit günstigen Konditionen auf Basis einer sozialen Nutzung der Fläche aushandeln.

Trotz der intensiven Auseinandersetzung der Gemeinde mit dem Projekt war spezieller Sachverstand nötig, um die zahlreichen Ideen in eine konkrete Planung umzusetzen. Hierzu nahm die Gemeinde das Team der CaraVita GmbH mit ins Boot. Sie begleitete das Projekt im letzten Teil.

Kommunalunternehmen „Wohnbaugesellschaft Kirchanschöring“

Neben allen technischen und konzeptionellen Überlegungen lag das Augenmerk auch darauf, das Projekt in die kommunale Struktur einzubinden. Gemeinsam mit Rechtsanwalt Dr. Stefan Detig wurden die Vorbereitungen für das Kommunalunternehmen „Wohnbaugesellschaft Kirchanschöring“ getroffen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt. Ende Januar 2016 wurde mit der Installation der Wohnbaugesellschaft der finale Beschluss zur Umsetzung des Projekts „Haus der Begegnung“ gefasst.

Seither wurde das Projekt von der Wohnraumförderung Bayern begleitet. Rund 4 Millionen Euro betrugen die Baukosten, 2,5 Millionen Euro übernahm die Wohnraumförderung. Davon waren 700.000 Euro Zuschüsse und der Rest zinsgünstige Darlehen. Mit diesen Fördermitteln können die Mieten für Einkommensschwache bis zu vier Euro pro Quadratmeter abgesenkt werden.

Bezahlbaren Wohnraum für Senioren zu schaffen, kombiniert mit Gemeinschaftseinrichtungen: ein wirkungsvoller und zukunftsorientierter Ansatz.

DK

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