Aus den Kommunenzurück

(GZ-12-2017) 
Aus den Kommunen
 HerrschaftsZeiten in der Cadolzburg eröffnet:
 
Zeitreise ins Mittelalter mit der Technik des 21. Jahrhunderts
 

Cadolzburg

„Das Mittelalter fühlen, schmecken, hören und riechen“ kann man laut Bayerns Schlösserverwaltung ab sofort in der Cadolzburg in der gleichnamigen Marktgemeinde im Landkreis Fürth. In den letzten 30 Jahren hat der Freistaat Bayern dafür insgesamt 36,8 Mio. Euro investiert und ein 1.500 Quadratmeter großes „Burgerlebnismuseum“ geschaffen. Fotos: BILDTEXT.DE HEINZ WRANESCHITZ

Dass zu der Eröffnung auch noch Georg Friedrich von Preußen erschienen war, einer aus dem Stammbaum jener Habsburger, denen früher das Schloss jahrhundertelang gehörte,  freute den bayerischen Burgchef, Finanz- und Heimatminister Markus Söder offenbar so, dass er den Gast mit „königliche Hoheit“ hofierte.

Doch auch die restlichen Gäste des Staatsempfangs im „Palas“ des „Neuen Schlosses“, das eigentlich das ältere der beiden großen Gebäude im Innenhof der Cadolzburg ist, gingen zufrieden nach Hause: Sie wurden nach der Eröffnungszeremonie durch die ausgestellten „Kostbarkeiten, aufwändigen Reproduktionen, Inszenierungen und Medienstationen“ mehr als entschädigt.

Faszinierendes Zeitalter

„Die Cadolzburg aus dem Dornröschenschlaf erwecken, um eine Zeitreise in ein faszinierendes Zeitalter zu machen“, das wollte eigentlich Minister Söder selbst erledigen. Doch die Böllerschützen des Kulturvereins Deberndorf hatten schon zu dessen Begrüßung einen extra Salut vor dem Tor zum Burginnenhof geschossen: Alles war schon wach. Und auch nicht wie bei Dornröschen 100 Jahre, sondern „nur“ 72 hat es gedauert, bis aus der im II. Weltkrieg wohl durch Brandstiftung zerstörten Hohenzollern`schen das „HerrschaftsZeiten! Burgerlebnismuseum“ wurde.

Kurt Faltlhauser, Söders Vor-Vor-Vorgänger als Bayerns Finanzminister, hatte einst genau ein „Deutsches Burgenmuseum“ an dieser Stelle errichten und dafür viel Geld bereitstellen wollen. Am Ende habe Faltlhauser die Idee aber aus finanziellen Gründen aufgegeben, war nun beim Staatsakt zu hören.

Doch als Söder ins Amt kam, habe der „genau einen Tag Zeit gelassen, um ein anderes bahnbrechendes Konzept zu entwickeln“, gab Schlösserverwaltungs-Präsident Bernd Schreiber preis. Das Ergebnis der schnellen Überlegungen hatte der Minister dann 2013 öffentlich gemacht. Und vier statt wie geplant drei Jahre später ist es nun in Betrieb, das Burgerlebniszentrum.

Die Exponate zeigen „verschiedene Facetten des Lebens auf einer Herrschaftsburg“, wie es der offizielle Betreiber, Bayerns „Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, kurz Schlösserverwaltung“, formuliert. Minister Söder nennt dieses Erlebnis „einen Brückenschlag zwischen Mittelalter und Moderne“ an dieser „deutschlandweit einmaligen Stätte. Es ist aber eben kein Burgenmuseum“, stellt er klar.

Zahlreiche Facetten

„HerrschaftsZeiten“ erschlössen sich am Besten mit intelligenten Mobiltelefonen oder Tablets, raten die Betreiber den Besuchern. Passend dazu wurde „in weiten Teilen der Vor- und Kernburg kostenfreies Bayern-WLAN installiert“. Aber die meisten Gäste finden es interessanter, sich einfach durch die Stockwerke, Gänge und Kryptatreppen zu bewegen: Sie lassen sich überraschen von den vielen verschiedenen Facetten mittelalterlichen Burglebens. Es gibt im Übrigen eine Reihe Exponate, die zeigen: So weit sind damals und heute gar nicht auseinander. Bei Rüstungsteilen wie Ritter- und Polizeihelm, Leder- und Schutzweste beispielsweise.

Über die vier Etagen des Alten Schlosses verteilen sich „originale Objekte, aufwändige Reproduktionen, Inszenierungen und Medienstationen“. Und der riesige leere Raum des Neuen Schlosses lässt die Dimensionen ahnen, in denen das Leben auf der Herrschaftsburg vonstatten ging.

So verputzten die Adligen jeden Mittag fast anderthalb Pfund Fleisch. Deshalb roch es früher wohl den ganzen Tag nach Gegrilltem. Und neben dem „Ochsenkamin“, kommt der Grillduft nun wieder beim Besucher an, wenn auch künstlich erzeugt. So wie beispielsweise ein herumstehendes Schlachtross ebenfalls Ausdünstungen von sich gibt.

Schon in den ersten Tagen nach der Eröffnung ist zu spüren: Die Besucher trauen sich, selbst hinzulangen im Erlebnismuseum. Sie kämpfen mit Schwertern gegeneinander – wenn auch nur elektronisch, also ohne Verletzungsgefahr. Sie verkleiden sich für einen Ball und tanzen in roten, blauen, grünen Roben. Sie werden aber auch nachdenklich, wenn sie auf die roten Punkte in Kriegsszenen drücken und ihnen Tote, Verletzte oder sonstige schlimme Ereignisse optisch präsentiert werden. Sie tasten, fühlen, riechen, „machen“: alles Dinge, die in normalen Museen oft nicht erlaubt sind. Oder sie finden am Stammbaum heraus, wie und wo die Hohenzollern durch geschicktes Einheiraten Macht, Geld und Einfluss gewannen.

Außerdem hilft ein „Multi-Media-Guide“, der auf einer bis zu dreieinhalb Stunden dauernden Tour durch die zwei Schlösser führt. Doch vielleicht wird an der Beschilderung noch etwas verbessert, dann wäre der Guide wohl gar nicht notwendig. Ohnehin sieht man keine enttäuschten Gesichter. Stattdessen sagen die Leute auf Nachfrage „Bassd scho“, das höchste Lob, das Franken vorrätig haben.

12 2017 Cadolzburg Soeder

Wer an dem Erfolg schuld ist? Fürths Landrat Matthias Dießl griff auf die Märchensprache zurück: „Damit etwas aus dem Dornröschenschlaf erwacht, braucht es tapfere Leute, Prinzen, die es wachküssen. Der Finanzminister hat bei der Cadolzburg die Rolle des Prinzen angenommen.“

Für Bürgermeister Bernd Obst ist die Wiedereröffnung der Burg jedenfalls „ein großer Tag auch für den Markt Cadolzburg“. Der hatte wenige Wochen zuvor sein Heimatmuseum eingeweiht, das wiederum auch die Beziehungen zwischen dem Ort und der Herrschaftsburg beleuchtet. Doch dass die Cadolzburg dank der Staats-Millionen nun wieder laut Schlösserverwaltung „Weltrang“ genießen könne, sei aber nicht nur dem Finanzminister zu verdanken. „Ein herzliches Dankeschön für die Bereitstellung der Mittel“ schickte Obst deshalb an alle Abgeordneten des Landtags. Nur so habe dieses „deutsche, fränkische Wahrzeichen“ nach dem Brand 1945 endlich wieder zum Leben erweckt werden können.

wra

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