| Energieversorger investieren mehr in ihre Netze |
| Montag, 24. April 2006 | |
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VBEW-Jahrespressekonferenz: Strompreise bleiben bis Mitte 2007 stabil - „Kernkraft unverzichtbar“ In Bayern kommt es bis Mitte 2007 zu keinen Strompreiserhöhungen, die Stromversorger erhöhen ihre Investitionen in die Leitungsnetze und Deutschland hat nach wie vor, was dieAusfallzeiten betrifft, die zuverlässigsten Stromnetze. Dies waren die drei wichtigsten Nachrichten des Verbandes der bayerischen Elektrizitätswirtschaft (VBEW) in seiner Jahrespressekonferenz. Nachdem zum Jahresbeginn die Strompreise im Durchschnitt um 4 % erhöht worden sind, wird wohl bis Mitte 2007 Ruhe an der Preisfront herrschen, weil bis dahin die Strompreise noch genehmigungspflichtig sind. Ab Juli 2007 freilich dürften die 250 bayerischen Stromversorger ihre Preise aber vermutlich erhöhen, „weil sie dann wegen der stark gestiegenen Primärenergiepreise Nachholbedarf haben werden“, sagte VBEW-Geschäftsführer Christoph Prael. Moderate Erhöhungen VBEW-Vorstandsvorsitzender Herbert Dombrowsky nennt die Strompreiserhöhungen in Bayern imVergleich zu anderen Energieträgern „moderat“. Im vergangenen Jahr sind sie nach seiner Darlegung um durchschnittlich 4 Prozent gestiegen, über die letzten sieben Jahre, also seit der Öffnung des Strommarktes 1998, um 11 Prozent. Die Benzinpreise hingegen hätten um 45 Prozent zugelegt, die Gaspreise um 52 Prozent und die Heizölpreise um86 Prozent. Damit seien die Strompreise noch geringer gestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt mit 12 Prozent. Vergleiche man die reinen Erzeugerpreise, also ohne Staatsabgaben und Netzkosten, seien die Strompreise in Deutschland sogar günstiger als etwa in Großbritannien, den Niederlanden oder Frankreich. Freilich zählen die tatsächlichen Endpreise in Deutschland eher zu den höheren in Europa, denn zu den reinen Erzeugerpreisen kommen noch Netzentgelte sowie Abgaben und Steuern (Staatsanteil). Die Netzentgelte machen 35 Prozent des Endpreises aus, die Staatsabgaben sogar 40 Prozent. Erzeugungsmix Setzt man 1998, also das Jahr der Liberalisierung des Strommarktes, gleich 100, liegt der Strompreis für die Industrie heute bei 90, der für die Haushalte bei 109. Vom Gesamtverbrauch entfallen 48 Prozent auf die Industrie und je 26 Prozent auf Privathaushalte und sonstige Kunden wie etwa Verkehrsbetriebe. Die „relativ günstigen Strompreise in Bayern führt Dombrowsky nicht zuletzt auf den Erzeugungsmix zurück. Zwei Drittel des 2005 im Freistaat verbrauchten Stroms von 78.900 Kilowattstunden (KWh) wurden mit Kernenergie, „der tragenden Säule der bayerischen Energiewirtschaft“, produziert, 14,3 Prozent mit Wasserkraft, 9,1 Prozent mit Erdgas und 7,6 Prozent mit Steinkohle. 17 Prozent der gesamten Stromerzeugung in Bayern stammen somit aus erneuerbaren Energien. Auf Wasserkraft entfällt mit 87 Prozent der größte Anteil. Ein deutliches Plus auf 7,9 Prozent hat es bei Strom aus Biomasse gegeben. Die hoch subventionierte Photovoltaik brachte es auf 2,5 Prozent, die kaum ausbaufähige Windkraft auf 1,9 Prozent. Biomasse mit Potenzial Für Dombrowsky kann die Kernkraft auf absehbare Zeit nicht vom Netz genommen werden. Selbst wenn der Anteil erneuerbarer Energien deutschlandweit von derzeit 10 Prozent bis zum Jahre 2020 auf 25 Prozent ansteigen sollte, „wie es Bundesumweltminister Gabriel will“, werde es nicht gelingen, die Kernkraft zu ersetzten. Bei der Wasserkraft gilt seine Sorge der Verschlechterung der Rahmenbedingungen, etwa durch „überzogene Ökomaßnahmen“. Großes Potenzial biete hingegen die kontinuierlich zur Verfügung stehende Biomasse. Als teuerste Art der Stromerzeugung sieht der VBEW-Vorsitzende die Photovoltaik, die uns mangels Sonne oft ausfällt, aber eine hohe Netz-Infrastruktur erfordert und zu hohen Vergütungen ins Netz eingespeist werden muss. Sie bringt es gerade mal auf 0,4 Prozent des gesamten bayerischen Stromverbrauchs. „Die Fördergelder für diese unattraktive Stromquelle, von der 2005 in Bayern 19.000 Anlagen gebaut wurden, „könnten“, so Dombrowsky, „an anderer Stelle viel effektiver für den Umweltschutz eingesetzt werden. Am allerwichtigsten aber, so die VBEW-Sprecher, sei die Energieeffizienz, also die rationelle Energieverwendung. So habe die bayerische Energiewirtschaft in den letzten Jahren den Brennstoffeinsatz je KWh in den Kraftwerken halbiert und die Übertragungsverluste sogar um zwei Drittel gesenkt. Beim Verbraucher sei der Gedanke angekommen, denn der Verbrauchszuwachs habe im vergangenen Jahr nur noch 0,7 Prozent betragen. Erhebliche Probleme sieht die Branche durch die anstehende Regulierung durch die Bundesnetzagentur und die Landesregulierungsbehörden auf sich zukommen, insbesondere durch die komplette Entflechtung von Vertrieb und Netz. Versorger mit mehr als 100.000 Kunden müssen ihren Vertrieb von Mitte 2007 an in gesonderte Gesellschaften ausgliedern, kleine Versorger müssen innerhalb des Unternehmens entflechten. Die Regulierung der Netzentgelte soll den Verbrauchern mehr Transparenz bringen. Großkunden erhalten bereits seit der Liberalisierung zwei Rechnungen, nämlich eine vom Stromlieferanten für die bezogenen Kilowattstunden, und eine vom Netzbetreiber für die Netzentgelte. Bei Privatkunden ist der Anteil der Netzentgelte im Strompreis enthalten, wird aber gesondert ausgewiesen. Umstellungskosten Die Entflechtung werde die Strukturen der bayerischen Elektrizitätswirtschaft entscheidend verändern und als Gegenteil zu dem, was der Gesetzgeber wollte, auch zusätzliche Kosten produzieren. In Bayern sei mit Umstellungskosten von einmalig 150 Mio. Euro zu rechnen. Hinzu kämen laufende Kostensteigerungen von jährlich 40 Mio. Euro, weil viele Synergien verloren gingen.Andererseits sei nicht damit zu rechnen, dass durch die Entflechtung der Netze und die Regulierung der Netzentgelte erhebliche Preissenkungspotenziale gegeben seien. Eine Senkung der Netzentgelte um 5 Prozent bedeute eine Senkung der Strompreise um lediglich 1,5 Prozent. Dombrowsky schließt nicht völlig aus, dass es in Brüssel Bestrebungen geben könnte, sämtliche Netze in einem Gemeinschaftsunternehmen zu erfassen, an dem dann die einzelnen Stromversorger entsprechend dem Wert ihrer eingebrachten Netze beteiligt würden.Aber konkret sei in dieser Richtung noch nichts. Zu viel Bürokratie Über die Kostenproblematik hinaus klagt die Branche über viel zusätzliche Bürokratie, die auf sie zukommt, z. B. in Form von „unendlichen Berichts- und Dokumentationspflichten für Daten, die wir bisher nie gebraucht haben“. Allein für die Abwicklung der Stromlieferung für einen Kunden müssten pro Jahr 40.000 Daten zwischen Stromlieferant und Netzbetreiber ausgetauscht werden. Im vergangenen Jahr haben die bayerischen Stromversorger etwa 310Mio. Euro in die Netzinfrastruktur investiert. Das waren 37 Prozent mehr als 2004. Und in diesem Jahr sollen die Netzinvestitionen noch mal steigen. Zwar seien wegen solch hoher Investitionen die Netzkosten in Deutschland höher als in den Nachbarländern, aber andererseits habe Deutschland auch das zuverlässigste Netz mit den geringsten Ausfallzeiten. Trotz des Schneechaos voriges Jahr imMünsterland kommt Deutschland auf durchschnittlich 23 Minuten Ausfallzeit. ZumVergleich: Italien bringt es auf eineinhalb Stunden, Irland auf über drei Stunden und Norwegen auf fast vier Stunden Stromausfall im Jahr. Das engmaschige bayerische Stromnetz trage auch dadurch zur Versorgungssicherheit bei, dass die Versorgung meistens in Form einer Ringlösung erfolgt. Wenn eine Leitung ausfällt, kann Strom von der anderen Seite eingespeist werden. Preisbildung im Visier Was die Zukunft der Strompreise angeht, wollte sich der VBEW-Chef nicht festlegen. Bei der Preisbildung komme es auf drei wesentliche Einflüsse an: die Preise für fossile Energierohstoffe, vor allem Erdgas und Steinkohle, die Entwicklung der Kraftwerkskapazitäten als Saldo von Neubauten und Stilllegungen und auf marktpsychologische Faktoren, wie sie von den Aktienbörsen her bekannt sind. Alle drei Faktoren wiesen zurzeit nach oben. So seien die Großhandelspreise für Strom, wie sie am Spotmarkt der Leipziger Strombörse EEX durch 133 Teilnehmer aus 17 Ländern festgestellt werden, im vergangenen Jahr von 33 auf 50 Euro je Megawattstunde gestiegen. In Leipzig werden bereits 12 Prozent des Stromverbrauchs gehandelt. Auch aus diesem Grund gehen die Stromversorger zunehmend zur Eigenproduktion über. So bauen die Unternehmen N-ERGIE und E.ON in Irsching ein Gas- und Dampfkraftwerk mit einer Leistung von 800 Megawatt (MW) und N-ERGIE mit anderen Unternehmen in Mittelbach ein Erdgas-Kraftwerk mit 800 MW Leistung. Außerdem entsteht in Irsching eine Forschungsanlagemit einer Leistung von 530MW. dhg. (GZ-08-06) |