| Sparkassen blieben von Turbulenzen verschont |
| Montag, 31. März 2008 | |
|
Deutlich steigende Einlagen / Kommunen können von Stiftungsmanagement profitieren
München. Von den seit Monaten andauernden Turbulenzen an den Finanzmärkten bleiben die bayerischen Sparkassen weitgehend verschont. Bei der Jahrespressekonferenz in München erklärte Verbandspräsident Siegfried Naser, die sogenannte Subprime-Krise sei bei den 75 Geldinstituten nicht wahrnehmbar. Der Grund sei, dass die Sparkassen nicht selber in die von Kursstürzen und Ausfällen betroffenen Kreditderivate investiert haben. Indirekt sind sie jedoch über die Bayerische Landesbank betroffen, die zur Hälfte dem Sparkassenverband gehört. Naser betonte, der Sparkassenverband stehe ohne Wenn und Aber zur Bayern LB, die bilanzielle Lasten von knapp zwei Milliarden Euro verkraften muss. „Wir aber haben seit 35 Jahren (Gründungsjahr 1972) keinen Euro mit der Bank verloren, den wir einbezahlt haben.“
Wie Naser weiter ausführte, erhöhte sich die zusammengefasste Bilanzsumme der 75 bayerischen Sparkassen im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent auf 160 Milliarden Euro. Deutliche Geschäftsausweitungen gab es dabei im Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbständigen. Beim Kreditgeschäft zeigte sich ein expansives Firmenkunden-Neugeschäft, das auch die Kreditbestände in diesem Bereich nach oben führte. Allerdings wurde gleichzeitig eine rückläufige Kredit-Bestandsentwicklung bei Privatpersonen festgestellt, so dass der Kreditbestand an Kunden insgesamt um 0,5 Prozent auf 94,42 Milliarden Euro gesunken ist. Förderkreditgeschäft Beim Förderkreditgeschäft ergaben sich in den letzten drei Jahren beachtliche Steigerungen von 7,5 auf 9,8 Prozent der Gesamtkreditsumme ausgereichter Neukredite. Die bayerischen Sparkassen und die Bayern LB vermittelten gemeinsam im Jahr 2007 nahezu zwei Milliarden Euro an neuen zinsverbilligten Förderkrediten der LfA Förderbank, der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Die Kundeneinlagen nahmen insgesamt um 3,8 Prozent auf 123,5 Milliarden Euro zu. Die Sparkassen entwickeln dabei Produkte, die bei der Bevölkerung gut ankommen. Der Zinsüberschuss fiel aufgrund des hohen Wettbewerbs und des Wegfalls der Erträge aus der Fristentransformation auf 2,16 Prozent. Vor allem der Wettbewerb drückte die sogenannte Zinsspanne merklich, deshalb ging das Betriebsergebnis aller bayerischen Sparkassen zusammen um sieben Prozent auf 1,46 Milliarden Euro zurück. Wegen einer niedrigeren Risikovorsorge für ausgegebene Kredite und einer tieferen Steuerquote legte der Überschuss allerdings um knapp 50 Prozent auf 443 Millionen Euro zu. Um das operative Geschäft profitabler zu machen, wollen die Sparkassen ihre Betriebskosten weiter verringern. Dazu gehören die Zentralisierung der Datenverarbeitung und der Abbau von Personal. Allein im vergangenen Jahr sank die Belegschaft bayernweit um 567 auf 47 197 Mitarbeiter. Man verzichtete dabei auf Kündigungen und besetzte statt dessen frei werdende Stellen nicht neu. 75 selbständige Sparkassen Im vergangenen Jahr gab es zwei Sparkassenfusionen, den Zusammenschluss der städtischen Sparkasse Schweinfurt mit der Kreissparkasse Schweinfurt sowie die Fusion der Sparkassen Straubing-Bogen und Dingolfing-Landau zur neuen Sparkasse Niederbayern-Mitte. Damit gibt es derzeit 75 selbständige Sparkassen in Bayern mit einer durchschnittlichen Bilanzsumme von 2,13 Milliarden Euro. Vizepräsident Rudolf Faltermeier betonte, dass die Sparkassen grundsätzlich keine ordnungsgemäß bedienten Kredite an Finanzinvestoren verkaufen. Ihnen liege daran, die Kunden über die gesamte Vertragslaufzeit eines Kredits zu begleiten. Bei Zahlungsschwierigkeiten bemühe man sich, mit den Kunden gemeinsam Lösungen zu finden. Bei hoffnungslosen Fällen müssten sich auch Sparkassen Maßnahmen wie die Verwertung von Sicherheiten vorbehalten. Stiftungsgedanke
Mit der Beratung und Betreuung von Stiftern und Stiftungen bietet sich nach Faltermeier den Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe eine hervorragende Chance, den nachhaltigen Nutzen des Stiftungsgedankens in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Die seit Jahresanfang 2007 geltenden Besonders die Kommunen könnten künftig verstärkt davon profitieren. Vor kurzem hätten sich erstmals acht stiftungsaktive Sparkassen zu einem Erfahrungsaustausch getroffen, um zu erörtern, wie sie Stifter und Stiftungen noch intensiver unterstützen können.
Sparkassen sind, so Faltermeier, wichtige strukturpolitische Einrichtungen in der Region. Derzeit fänden Gespräche mit dem Bayerischen Gemeindetag zur Wirtschaftsbelebung des ländlichen Raumes statt. Die rund 50 installierten Kommunalkundenbetreuer der bayerischen Sparkassen würden für und mit den Kommunen geeignete Ansätze zur Verbesserung des Standorts und der Wirtschaftsentwick1ung erarbeiten. Die Baufinanzierung ist weiterhin ein wesentliches Ankerprodukt der Sparkassen im Privatkundengeschäft. Weil in diesem Geschäftsfeld ein besonders intensiver Wettbewerb herrscht, ist es nach Faltermeier wichtig, als Qualitätsanbieter in der Fläche hohe Beratungsqualität mit attraktiven Konditionen zu kombinieren. Sparkassen könnten dem Kunden rund um das Thema Immobilie alles aus einer Hand bieten. E. Scholl (GZ-6-08) |