Gefragt ist eine neue Balance zwischen den Generationen
Neues von Sabrina - GZ-03-07
Mittwoch, 17. Januar 2007

sabrina.jpgGestern hat mein Chef gesagt ...

„Die Jungen hier, die Alten da. Wer denkt an uns, die Sandwich-Generation?“ Mein Chef, der Bürgermeister, sah mich an, als wollte er mich auffordern, seine Komplizin in einem Aufstand der Zwischengeneration zu werden.

 


Nun mag es auf den ersten Blick nicht ganz nachvollziehbar sein, wieso mein Chef, ein arrivierter Fünfziger, mit mir, einer Frau am Ende der Mitzwanziger, eine Generation bilden soll. Doch haben wir eine Gemeinsamkeit: Wir sollen einerseits feste mitzahlen, dass mehr Kinder nachkommen, andererseits aber auch das Wohlergehen der Älteren sichern. Und zwischen diesen Anspruchslagen liegt - eingequetscht wie ein armes Würstchen zwischen den Brotscheiben eines Sandwichs - die Erwerbsbevölkerung von heute.

Die Berliner Politiker überschlagen sich in ihren Versuchen, die Geburtenfreudigkeit der Deutschen zu erkaufen. Die einen wollen die Eltern finanziell besser stellen, die anderen die Kinderbetreuung kostenlos machen, die Dritten alles zugleich - die Rechnung wird der Steuerzahler präsentiert bekommen, einschließlich der Eltern, deren Kinder schon in der Schule oder im Studium sind und ihnen die Haare vom Kopf fressen.

Auf der anderen Seite sorgen die Rentenbeitrags- und Steuerzahler dafür, dass den Senioren ein in der Sozialgeschichte Deutschlands einmalig hohes Einkommens- und Wohlstandsniveau gesichert bleibt. Weil es aber für die nachkommenden Alten (die heute Aktiven) nicht mehr reichen wird, müssen wir für die eigene Altersvorsorge auch noch in Form von zusätzlichen Sparleistungen sorgen. Weil das für viele schwer bis unmöglich ist (das ökonomische Gesetz, wonach ein Euro entweder ausgegeben oder gespart werden kann, aber beides gleichzeitig nicht geht, gilt auch für die 20 bis 60- Jährigen), macht man sich um eine grassierende Altersarmut in der Zukunft Sorgen. Also strahlt das Fernsehen zum Zwecke der Volksbildung Sendungen aus, die Hungeraufstände zerlumpter, obdach- und zahnloser Rentner im Jahre 2030 zeigen und das undurchschaubare Gestrüpp staatlicher Förderung der Altersvorsorge wird in zwölf(!)-stündigen VHS-Kursen der staunenden Mittelschicht nahegebracht. Die Moral von der Geschicht’: Jedes Stück Fleisch, das Du heute nicht verzehrst, wird Dich Morgen ernähren.

Ob ich zur Revolte der Arbeitenden aufrufe? Nein, natürlich nicht. Klar brauchen sowohl die Kinder, die Familien als auch die Alten die Solidarität der Erwerbsbevölkerung. Das ist seit Anbeginn aller Zeiten so. Aber bitte mit Augenmaß.

Für familienpolitische Programme kann man noch so viel Geld ausgeben, alles nützt nichts, wenn es keinen Bewusstseinswandel gibt. Tagesmutter müsste bei uns wie in Skandinavien ein angesehener Beruf sein, nicht nur eine aus der Not geborene Form der Selbsthilfe. Für Frauen (und Männer) gerade in Führungspositionen müsste es wie in Frankreich ein unerlässlicher Kompetenznachweis in „Mikromanagement“ sein, Kinder zu haben. Berufliche und familiäre Pflichten dürften nicht nur in Sonntagsreden gleich wichtig sein, sondern auch in der Arbeitswirklichkeit. Aber was würde gerade mein Chef sagen, wenn ich ein wichtiges Diktat liegen ließe, weil ich mein Kind von der Krippe abholen müsste?

Und die Senioren? Ich glaube, wenn man den Mut hätte, Tacheles zu reden, wären viele bereit, selber mehr für ihre Gesundheits- oder Pflegevorsorge aufzuwenden, damit ihre Kinder und Enkel finanzielle Luft bekommen.

Mein Chef, der Bürgermeister, ist auch überzeugt davon, dass eine neue Balance zwischen den Generationen hergestellt werden muss. Mit seinen zwei Jahrzehnten Altersvorsprung verweist er aber weise auf den Satz der Schriftstellerin Evelyn Waugh auf dem heutigen Kalenderblatt: „Die jungen Menschen von heute sollten gelegentlich daran denken, dass sie die alten Herrschaften von Morgen sein werden.“ (GZ-03-07)

 

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