| Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang |
| Neues von Sabrina - GZ-01-07 | |
| Mittwoch, 17. Januar 2007 | |
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„Ich sag’s ja immer, Timing ist alles. Erfolg hat, wer den richtigen Zeitpunkt zum Handeln kennt.“ Mein Chef, der Bürgermeister, hat gerade von dem neusten Coup der Harry- Potter-Autorin Joanne K. Rowling gelesen. Die Gute befand sich bis vor ein paar Tagen in einem Aufmerksamkeitsloch. Ihr letztes Buch um den spätpubertierenden Zauberlehrling ist schon eine ganze Zeit lang auf dem Markt, an der Filmfront tut sich auch nichts und das neue Buch schreibt sich wohl nur zäh. Jedenfalls war es höchste Zeit, sich und das literarische Schaffen wieder ins Gespräch zu bringen. Was eignet sich dazu besser als das Internet, das mit Homepages, Blogs und Chat-Foren fast unbegrenzte Möglichkeiten der Verbreitung gibt? So hat sie kurzerhand den kryptischen vorläufigen Titel ihres neuen Buches in veraltetem Englisch ins Netz gestellt und schon diskutieren die Feuilletons von London bis New York was „the deathly hallows“ wohl bedeuten soll und in Deutschland befragen Revolverblätter und Honoratiorenzeitungen unisono Übersetzer und Philologen, wie man das sperrige Ding denn übersetzen könnte. Das spart die eine oder andere Werbemillion. Oder denken wir an Altkanzler Schröder. Plötzlich meldet er sich aus einem selbstgewählten Exil in Hannover oder Moskau zurück, gibt Interviews, tingelt durch die Talkshows und viele denken, er habe der Republik wieder etwas zu sagen. In Wahrheit hat er nur seine Memoiren in das Vorweihnachtsgeschäft geworfen. Nachdem sich der von einem Kritiker als „Politlangweiler“ verrissene Wälzer gut verkauft hat, ist auch Schröder wieder in der publizistischen Versenkung verschwunden. Gleiches Muster bei Günther Grass: Erst das SS-Geständnis, dann eine aufgeregte Presse-Diskussion samt Vorabdruck seines neuen Buches und sodann wird das Buch mit bestem Erfolg auf den Markt geworfen. In allen diesen Fällen war es wichtig zu wissen oder zu ahnen, wann die Zeit reif war, sich aus der Deckung zu wagen und das eigene Thema auf den Tisch zu bringen, damit es Kreise zieht und die nötige Aufmerksamkeit entfaltet. In der Politik nennt man das wohl Gespür für den richtigen Augenblick. Den hat man entweder, oder man hat ihn nicht. Hat man ihn, kann man Lawinen ins Rollen bringen und Berge versetzen. Hat man ihn nicht, dann steht man unversehens vor dem Scherbenhaufen seines politischen Wollens. Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow hat das so schön in die Worte gekleidet: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Dabei hat dieses Gespür sicherlich auch sehr viel mit dem Ohr an der Bevölkerung und der Fähigkeit zum Zuhören zu tun. Derjenige, der im richtigen Augenblick das Richtige tut, sagt oder anstößt, ist immer auch ein Katalysator, der Meinungen, Stimmungen und Strömungen aufnimmt, sie formt, lenkt und in eine Richtung kanalisiert. Schließlich braucht jede Initiative auch einen Resonanzboden, der sie aufnimmt und verstärkt, soll sie erfolgreich sein. So unbezwingbar eine Idee sein mag, deren Zeit gekommen ist, so wenig vermag auszurichten, wer an den Leuten vorbei redet und ihre Erwartungen, Bedürfnisse und Hoffnungen nicht mehr kennt. Mein Chef, der Bürgermeister, war immer ein Meister des timing. Und was, wenn ihn einmal sein untrügliches Gespür verlässt? Da tröstet er sich mit einer Weisheit von Konrad Adenauer auf dem heutigen Kalenderblatt, die der Alte von Rhöndorf denen gewidmet zu haben scheint, die fürs erste den richtigen Augenblick verpasst haben: „Man darf niemals ‚zu spät’sagen. Auch in der Politik ist es niemals zu spät. Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang“. (GZ-01-07)
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