Mark Biesalski/Uhrig Kanaltechnik GmbH: Heizen und Kühlen mit Abwasser
Freitag, 27. Juli 2012

Abwasser steckt voller Energie. Im Winter kann daraus Wärme gewonnen werden, im Sommer kann man damit kühlen. Auf Basis des Fachwissens in der Kanaltechnik aus vier Jahrzehnten entwickelt, produziert und vertreibt die Uhrig Kanaltechnik GmbH mit dem „Therm-Liner” ein international eingesetztes Komplettsystem zur Rückgewinnung von Energie aus dem Abwasser.

b-14_mark_biesalski
Mark Biesalski. Red


Ein am Boden des Abwasserkanals eingebauter Wärmetauscher wird von Abwasser überströmt. Die gewonnene Energie wird zur Heizzentrale weitergeleitet und mittels Wärmepumpentechnik verwertet, wie Mark Biesalski berichtete.

Geschlossener Wärmetauscher

Das hochwertige Produkt Therm-Liner, das neben den Formen A und B nun auch als Form C und damit als geschlossener Wärmetauscher ab DN 500/DN 600 als Einschubverrohrung lieferbar ist, erfüllt alle nötigen Zulassungen für den Einbau im Kanal. Um eine hohe Entzugsleistung aus dem Kanal zu gewährleisten, wurde bei der Entwicklung des Systems eine Querschnittsgeometrie nach Art der „Trockenwetterrinnen“ gewählt. Diese Form verbesserte die Fließhydraulik im Kanal und ermöglicht eine hohe Wärmeübertragungsleistung bei geringen Abwassermengen. Eine SelfCleaning Oberfläche reduziert zusätzlich die Biofilmbildung am Wärmetauscher.

Schnelles Montagesystem


Ein schnelles Montagesystem, das die einzelnen kompakten Wärmetauscherelemente im Kanal verbindet, wird durch ein Kupplungssystem erreicht. Dieses modulare Konzept ist problemlos montierbar, demontierbar oder erweiterbar.

Der sinnvolle Einsatz von Therm-Liner zur Energiegewinnung wird am Beispiel des Brand- und Katastrophenschutzzentrums Dresden deutlich: Aufgrund der Situation, dass der Kanal mit einem sog. Räumwagen mehrmals im Jahr von groben Ablagerungen gereinigt werden muss, wurde hier von der Uhrig Kanaltechnik GmbH eine Sonderbauform auf Basis des Therm-Liner Form B entwickelt. Der Vorteil: Die zwei links und rechts im Kanal installierten Stränge mussten nur durch jeweils zwei in die Kanalwand eingelassene Steigleitungen angeschlossen werden. Dies führte zu einer zeitlichen Ersparnis bei der Installation und somit zu einer kostenreduzierten Lösung. Zudem konnte der Kanal während des Einbaus in Betrieb bleiben, da die Wasserhaltung durch eine halbseitige „Absperrung“ erfolgte.

In Pinneberg wiederum waren die Randbedingungen für die Wärmegewinnung aus Abwasser nahezu ideal. Deshalb entschloss sich der azv Südholstein-Klärwerk Hetlingen im Zuge der Sanierung eines Sammlerabschnittes diese günstigen Voraussetzungen zu nutzen, um das nahe liegende Schul- und Gemeindezentrum mit Sporthalle sowie das Feuerwehrgerätehaus mit Wärme aus dem Abwasserkanal zu versorgen.

Zeit- und Kostenersparnis

Ein weiteres Beispiel ist in Rheinland-Pfalz der Yachthafen Speyer. Dort entstand landesweit das erste Pilotprojekt bezüglich „Wärme aus dem künstlichen Flussbett“, wie es eine regionale Zeitung betitelte. Hierbei handelt es sich um die erste monovalente Anlage in Speyer, bei der die Verbindungsleitung zwischen Kanal und Heizzentrale mittels Horizontalbohrtechnik über ca. 140 Meter verlegt wurde.

Beim Objekt Pumpwerk Ochsenpferch Mannheim wurde seitens der Uhrig Kanaltechnik GmbH das Komplettsystem angeboten. Die im Abwasserkanal (DN2200) installierten Wärmetauschermodule (Therm-Liner Form A) wurden hierbei über eine ca. 40 Meter lange Verbindungsleitung (erdverlegt) mit der Heizzentrale im denkmalgeschützten Pumpwerk verbunden. Eine besondere Herausforderung war hierbei das tägliche Zeitfenster (ca. fünf bis sechs Stunden) in dem die Module im Kanal installiert werden konnten. In dieser Zeit standen die Abwasserpumpen des Pumpwerkes still, so dass der Kanal frei von Abwässern war. Trotz dieses kurzen Zeitraums gelang es, die Module binnen zwei Tage im Kanal zu installieren. DK


GZ-14-2012