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Liebe Leserinnen
und Leser,
„Deutschland – das Land der Dichter und Denker“. Nur allzu gerne verweisen Bildungspolitiker und andere sogenannte Experten auf das reiche kulturhistorische Erbe unserer Nation, wenn sie uns gleichzeitig den aktuellen Verfall unseres Bildungssystems vor Augen führen wollen. Und so entsteht der Eindruck, dass sich unser Land immer mehr aufteilt in optimal qualifizierte Hochschulabsolventen auf der einen Seite und ungebildete Schulabbrecher ohne Abschluss andererseits.
Bei Zweiflern an dieser Theorie wird gerne auf die
altbekannte PISA-Studie verwiesen. Dass die Wahrheit - wie eigentlich
immer - irgendwo dazwischen liegt, beweisen dagegen die vielen
hochqualifizierten Absolventen der Mittel-, Real- und Berufsschulen.
Gerade das duale System der Berufsausbildung bringt gebildete junge
Menschen hervor, die nicht nur über aktuelles theoretisches Wissen
verfügen, sondern auch eine fundierte praktische Ausbildung besitzen.
Theorie und Praxis vereint in der Berufsausbildung - das ist eine
Besonderheit, die genauso zu Deutschland gehört wie die eingangs
erwähnten Dichter und Denker. Und sie ist die Basis für den Erfolg
unserer Handwerks- und Industriebetriebe - egal ob Global Player,
Mittelstand oder Kleinunternehmen.
Um dieses Fundament auch für die Zukunft zu erhalten, gibt es in vielen
Regionen Anstrengungen, die Verzahnung von Ausbildung, Beruf und Studium
voranzutreiben. Auch wir im Landkreis Mühldorf stricken mit unserer
Bildungsinitiative „Lernen vor Ort“ an einem engmaschigen Netzwerk
zwischen den regionalen Hochschulen, der heimischen Wirtschaft und
Vertretern von Kammern und Innungen. Duales Studium, berufsbegleitendes
Hochschulzertifikat, Lehrmodule mit Anrechnung von Creditpoints - die
Möglichkeiten sind vielfältig, das Ziel aber immer gleich. Mit einer
wohn- und vor allem arbeitsplatznahen akademischen Weiterbildung sollen
Arbeitskräfte gezielt weiterqualifiziert werden, um die Fachkräfte für
die regionale Wirtschaft nachhaltig zu sichern. Gerade mittelständische
Betriebe werden ihre Facharbeiterstellen in Zukunft nur besetzen können,
wenn sie sich selbst engagiert in die Aus- und Fortbildung der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einbringen.
Qualifiziertes Personal sichert fortschreitende fachliche Kompetenz und
Innovationskraft in den Betrieben. Und auch die Arbeitnehmer profitieren
von der wohnortnahen Hochschulbildung, die ihnen eine bessere
Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Weiterbildung ermöglicht. Wenn ein
Familienvater oder eine -mutter nicht mehr erst einen Wohnortwechsel
oder hohe Fahrtkosten in Kauf nehmen muss, um sich auf akademischem
Niveau weiterzubilden, sinkt automatisch die Hemmschwelle, sich auf
diesen neuen Schritt einzulassen. Über zusätzliche Mitarbeitergespräche
können die Betriebe ihre Angestellten zum Schritt in die akademische
Weiterbildung zusätzlich motivieren.
Doch was können die Kommunen tun, um die Möglichkeiten des dualen
Studiums noch besser auszuschöpfen? Im Laufe unserer Bemühungen im
Landkreis Mühldorf haben wir festgestellt, dass es oft nur einen Anstoß
von außen, einen Türöffner hinein in die Hochschulen, aber auch in die
Betriebe braucht. Es reicht meist schon ein erster Austausch, um
Vorurteile und Ängste zu überwinden. Wer gemeinsam an einem Tisch sitzt
und sich austauscht, erkennt bald die Vorteile einer Zusammenarbeit.
Daneben können die Kommunen mit der Vermittlung von Räumlichkeiten oder
der Unterstützung bei Marketingmaßnahmen ganz konkrete Hilfestellungen
leisten, um die neuen Angebote nachhaltig zu verankern.
Theorie und Praxis sind keine Gegensätze, sondern zwei untrennbare
Säulen unserer Wirtschaftskraft. Es liegt an uns, diese beiden Pfeiler
in einem gewinnbringenden Gleichgewicht zu halten.
Ihr Georg Huber
(GZ-09-2012)
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