Winterdienst: Sole bis minus fünf Grad
Donnerstag, 15. Dezember 2011

Bayerische Bauverwaltung startet Pilotprojekt im Landkreis Würzburg

Mit ausgefuchster Technik rückt das Staatliche Bauamt Würzburg dem nächsten Winter auf den Leib. Spezielle Düsen an der neuen Kombi-Streumaschine bringen künftig eine fertig gemixte Wasser-Salz-Lösung auf die Fahrbahn – was laut Baudirektor Dr. Michael Fuchs die Umwelt schont und erhebliche Mengen Salz und damit Kosten einspart. Die Bayerische Bauverwaltung will die aus dem Schwarzwald stammende Technik in diesem Winter im Kreis Würzburg als erster Kommune ausprobieren.

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2.200 Liter kann jeder Tank fassen.    
Bild: Pat Christ


Fahrer des neuen Wagens müssen nur ein paar Knöpfe am Bedienpult betätigen, und schon streut die neue Maschine gemäß den jeweiligen Witterungsverhältnissen und Straßengegebenheiten die „Sole“ genannte Salzlösung präzise auf die Fahrbahn. „Die Technik funktioniert bis Minus fünf Grad“, erläuterte Fuchs bei der Präsentation der 200.000 Euro teuren Neuanschaffung. Die Investition lohnt sich nach Einschätzung des Baudirektors durch den um voraussichtlich 25 Prozent geringeren Salzverbrauch. Durchschnittlich werden bei einer Solesprühung drei Gramm Salz auf einen Quadratmeter Straße benötigt. Bei der bisher üblichen Streumethode sind acht Gramm Salz nötig.

Erstmals kann mit der neuen Technik Sole direkt auf die Fahrbahn ausgebracht werden. Bislang wurde das Salz kurz vor dem Streuvorgang auf dem sogenannten Streuteller des Winterdienstfahrzeugs befeuchtet. Viel Salz gelange durch Windlflug dabei nicht auf die Straße, sondern landete im Straßengraben – wo es im Frühjahr zu Überdüngungen führte. Auch das neue Fahrzeug hat einen Streuteller hat, denn ist es kälter als fünf Grad Minus sowie bei Schnee und Eis, sollte keine Sole mehr versprüht werden. Dann ist die herkömmliche Feuchtsalztechnik, auf die umgeschaltet werden kann, im Vorteil. Bei den milden Wintern in Würzburg wird jedoch mit wenigen Umschaltvorgängen gerechnet.

Ein Rechner an Bord des Fahrzeugs sorgt dafür, dass die Kombi-Streumaschine in Millisekunden elastisch auf verschiedene Situationen auf Bundes-, Staats- und Kreisstraßen sowie auf Autobahnen reagiert. Auch bei hohen Fahrgeschwindigkeiten, in Kurven, beim Bremsen oder Beschleunigen wird gleichmäßig gestreut. Dass während des Streuvorgangs bis zu 80 Kilometer in der Stunde gefahren werden kann, liegt an den windstabilen Düsen an den Fahrzeugseiten, die, je nach Straßenbreite, zugeschaltet werden können. Auch die Streudichte wird gemäß der Witterungsverhältnisse reguliert. Bei überfrierender Nässe zum Beispiel wird eine geringere Sprühdichte benötigt.

Hauptanliegen jedes Winterdienstes ist es, folgenschwere Unfälle durch Glatteis auf der Fahrbahn zu verhindern. Dies wird nach Überzeugung von Würzburgs Landrat Eberhard Nuß durch die neuen Kombi-Streumaschinen ebenfalls besser gelingen. „Gerade für den ländlichen Raum ist es außerordentlich wichtig, dass Streufahrzeuge schnell auch in weit außerhalb gelegene Ortschaften kommen“, erläutert er. Das neue Fahrzeug soll nicht zuletzt zur Prävention gefährlicher Straßenzustände eingesetzt werden: Bereits ein bis zwei Stunden, bevor es laut Wettervorhersage glatt zu werden droht, werden künftig die noch trockenen Straßen mit Sole besprüht. Pat Christ


GZ-23-2011