Home arrow Kommunale Praxis arrow Kommunale Jugendpolitik: Impulse für Gemeinden mit Zukunft
+ + + GZ-Twitter + + + | GZ_AKTUELL: RT @Bamberg_de: Hochwasserkatastrophe: Bamberg hilft bedrohter Welterbestätte in Pakistan http://bit.ly/aKBbMw | GZ_AKTUELL: Willkommen bei der Bayerischen Gemeindezeitung! Twittern Sie mit uns! | + + + GZ-Twitter + + +
Kommunale Jugendpolitik: Impulse für Gemeinden mit Zukunft Drucken E-Mail
Donnerstag, 24. Juni 2010
Tagung von Bayerischem Gemeindetag und Bayerischem Jugendring  
Die kinder-, jugend- und familienpolitischen Aufgaben in den Gemeinden sind derzeit so aktuell, notwendig und angefragt wie selten zuvor. Dies zeigte eine viel beachtete und stark nachgefragte Veranstaltung auf Schloss Hirschberg bei Beilngries. Erstmals führte hier der Bayerische Jugendring gemeinsam mit dem Bayerischen Gemeindetag eine Fachtagung zur Kommunalen Jugendpolitik in den Städten, Märkten und Gemeinden durch.

Die Themen Kinder, Jugendliche und deren Familien, die Veränderungen in den Betreuungsleistungen, im Schulwesen und in der Bildung oder auch die Herausforderungen der demografischen Entwicklung sind in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit nahezu aller Politik-, Verwaltungs- und Amtsbereiche (nicht nur) in den Kommunen gerückt. So werden dort auch der Jugendschutz, die Anliegen der Jugendkultur, Methoden der Partizipation und die Frage des ehrenamtlichen Engagements in der Jugendarbeit ernsthafter und kompetenter als je zuvor diskutiert.

Standortfaktor Familie

Wie der Vizepräsident des Bayerischen Gemeindetags, Bürgermeister Josef Mend, eingangs betonte, sei Familienfreundlichkeit längst zu einem wichtigen Standortfaktor für die Kommune geworden. Der Bayerische Gemeindetag empfehle in diesem Zusammenhang, die beteiligten Akteure vor Ort mit einzubinden. Es gebe bereits eine ganze Reihe von guten Beispielen wie die „Runden Familientische“ oder die „Bündnisse für Familien“. Hiervon seien schon in vielen Gemeinden positive Impulse ausgegangen.

Zunehmend Sorgen bereiteten den Gemeinden die wachsende Gewalt- und Zerstörungsbereitschaft sowie der Alkoholkonsum Jugendlicher. Mend zufolge „müssen wir uns noch stärker mit der Ursachenforschung befassen und präventiv wohl noch mehr tun als bisher“. Daher gingen jetzt auch immer mehr Gemeinden dazu über, mit eigenem Personal diese Problemlagen aufzugreifen und Hilfestellung für die Betroffenen anzubieten. Zudem existierten Kooperationsmodelle mit den Landkreisen. „Ich denke, dass hier Kommunalpolitik in den letzten Jahren sehr sensibilisiert worden ist durch zahlreiche Vorfälle in unserer Gesellschaft, die zu Betroffenheit und dann aber auch zu einem raschen Handlungsbedarf geführt haben“, so der Vizepräsident.

Kein blinder Aktionismus

Gleichwohl „brauchen wir keinen blinden Aktionismus“, fuhr Mend fort. Vielmehr sei eine sachliche Jugendarbeit vor Ort notwendig, die aufgrund der gewonnenen örtlichen Erkenntnisse heraus zunächst einmal planerisch erfasst werden müsse. Der Bayerische Gemeindetag werbe derzeit intensiv für eine sog. integrierte Sozialplanung, die möglichst alle Lebensverhältnisse umfassen sollte.

Bedarfsgerechte Betreuung

Auf der kommunalpolitischen Agenda ganz oben steht laut Mend mittlerweile der Ausbau bedarfsgerechter und qualitätsvoller Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche. Die Kommunen machten sich derzeit auf den Weg, ein bedarfsgerechtes Angebot für Betreuungsplätze unter Dreijährige zur Verfügung zu stellen. Aber auch die Bemühungen der Kommunen, für die übrigen Kinder im Vorschulalter qualitätvolle Betreuungsangebote zur Verfügung zu stellen, seien deutlich erkennbar. „Bildung von Anfang an“ laute das Motto.

Was den Ausbau der Mittel- und Ganztagsschulen in Bayern anbelangt, so wünschte sich der Gemeindetagsvertreter, „dass sich Freistaat und Gemeinden gemeinsam ihrer Verantwortung bewusst sind“. Der Staat sei zuständig für Bildungsinhalte und Bildungsqualität, Gemeinden stellten den Rahmen zur Verfügung, um einen optimalen Unterricht durchführen zu können. Mend: „Es darf nur nicht passieren, dass wir aufgrund leerer Haushaltskassen auf beiden Ebenen uns den ‚Schwarzen Peter’ hin und her schieben und letztendlich die Bildungsqualität darunter leidet und damit auch die Kinder nicht optimal gefördert werden können.“

Ganztagsschulen


Ganztagsschulen, gleich ob mit gebundenen und offenen Angeboten, böten die Chance, Kinder und Jugendliche individuell besser zu fördern – „und zwar die Begabten wie die Schwächeren“. Ganztagsangebote mit entsprechender Bildungsqualität verbesserten die Chancen für den Nachwuchs. Sie seien zudem ein wichtiger Beitrag für eine bessere Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die Einbeziehung der Jugendhilfe in die Ganztagsangebote sei für den Einzelfall richtig. Der Freistaat dürfe sich damit aber bei der Schulsozialarbeit nicht aus der Verantwortung stehlen. „Hier fehlt mir immer noch ein deutliches Signal“, machte Mend deutlich.

Die Präsidentin des Bayerischen Jugendrings, Martina Kobriger, meinte: „Jugendliche befinden sich in der Entwicklung, sie bilden sich durch Erziehung, Erfahrung, Aneignung und Gestaltung ihres Lebensumfeldes. Sie brauchen Gelegenheiten, Anlässe und Freiräume, um Identitäts- und Lebensentwürfe entwickeln sowie Möglichkeiten und Grenzen ausloten zu können. Für unsere Gemeinden gilt es, die dafür notwendigen Möglichkeiten und öffentliche Unterstützung und Förderung bereitzustellen.“

Profilierte Kommunale Jugendarbeit

Eine profilierte kommunale Jugendpolitik, die sich der Anliegen und Sichtweisen junger Menschen annimmt und diese im politischen und öffentlichen Raum vertritt und verteidigt, sei heute notwendiger denn je. Gerade in einer im raschen Wandel befindlichen Gesellschaft, die einerseits eine unüberschaubare Vielzahl von Möglichkeiten und Gelegenheiten biete, andererseits Risiken für das Aufwachsen mit sich bringe, sei kommunale Jugendpolitik gefragt.

Kobriger zufolge muss eine profilierte kommunale Jugendpolitik auch geeignete Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche vor Ort beinhalten, „sind die aktiven und engagierten Jugendlichen von heute doch die Verantwortungsträger von morgen, auf die ein zivilgesellschaftliches Zusammenleben und die demokratischen Strukturen unserer Gesellschaft angewiesen sind“.

Die meisten Jugendlichen bewältigten die heute an sie gestellten Anforderungen, sie fänden ihren Weg, übernähmen Verantwortung für sich und andere und engagierten sich in vielfältiger Weise. Diese - angesichts schwieriger werdender Rahmenbedingungen - nicht selbstverständliche Tatsache anzuerkennen und zu unterstützen, sei weiterhin eine der wichtigsten Aufgaben von Jugendpolitik - auch in den Kommunen.

Soziale Ungleichheit

Gleichzeitig dürfe sie nicht die Augen davor verschließen, „dass bei wachsender sozialer Ungleichheit und Armut gerade junge Menschen unter fehlender Förderung zu leiden haben, was unzureichende soziale Integration und Teilhabechancen von Mäd-chen und Jungen zur Folge haben kann“, stellte Kobriger fest. Auch hier sei ein besonderes Augenmerk auf die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu richten. Deshalb sei es eine weitere wichtige Aufgabe aktueller Jugendpolitik, zu einem Ausgleich solcher Benachteiligungen beizutragen und gleichzeitig die große „unauffällige Masse“ von Kindern und Jugendlichen nicht aus dem Blick zu verlieren. „Diesen Spagat zu schaffen wird eine der großen Zukunftsaufgaben einer erfolgreichen Kinder- und Jugendpolitik sein“, prognostizierte die Präsidentin.

Sinnvolle Anregungen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung erhielten in Form von Grundsatzreferaten und im Rahmen von Workshops nicht nur sinnvolle Anregungen und wichtige Informationen für die Ausgestaltung ihrer gemeindlichen Kinder-, Jugend- und Familienpolitik. Das Abschlussreferat von Philliph Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung in Hamburg gab erhoffte Antworten auf die vielfach gestellte jugendsoziologische Grundfrage: „Wie ticken eigentlich heute unsere Jugendlichen?“  

DK (GZ-12-10)
 
 

GZ - Kolumne

Heinrich Lenz: heinrich_lenz

Die Mayday-Rufe nehmen zu
>>

GZ-Sonderbeilagen PDF-Downloads:

Genossenschaftsverbandstag 2010
Die GZ-Beilage als Download >>

Unternehmerkonferenz 2010 der bayerischen Sparkassen in Nürnberg
Die GZ-Dokumentation als Download >>


Energie für Bayern
Die Vorträge sowie die GZ-Dokumentationen als Download >>

10 Jahre DSL!
4-seitiger GZ Sonderdruck, Download >>




spacer.png, 0 kB
spacer.png, 0 kB