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Bayerische Krankenhausgesellschaft: Wunsch nach Stabilität |
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Mittwoch, 13. Januar 2010 |
Nach einer fünf Jahre dauernden und erfolgreichen Einführung eines neuen Finanzierungssystems mit sogenannten Fallpauschalen brauchen die Kliniken nach Ansicht der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) jetzt Kontinuität und eine verlässliche Planbarkeit der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Dennoch sehen die Vertreter der bayerischen Krankenhäuser, die der BKG-Mitgliederversammlung in München beiwohnten, noch ausreichend Korrekturbedarf für die schwarz-gelbe Koalition in Berlin.
Wie der Vorsitzende der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Forchheims OB Franz Stumpf, bemerkte, sei es in der Einführungsphase des neuen Vergütungssystems bei vielen Kliniken zu erheblichen Erlös-einbußen gekommen. Trotzdem habe man den Weg der Konvergenz fortgesetzt und gleichzeitig habe der stationäre Sektor in Deutschland ein inzwischen weltweit beachtetes Entgeltsystem entwickelt. Stumpf: „Was die Krankenhäuser in den letzten Jahren geleistet haben, ist ein beispielloser Kraftakt und eine Erfolgsgeschichte, die internationale Anerkennung findet.“
Erfolgsgeschichte
Daran könnte sich der vertragsärztliche Bereich ein Beispiel nehmen, fuhr Stumpf fort. Statt eine schrittweise Entwicklung vorzuziehen, habe man dort geglaubt, das Honorarsystem von einem Jahr aufs andere umkrempeln zu können. Anders als im stationären Bereich sei dies mit einer kräftigen Erhöhung des Vergütungsvolumens verbunden gewesen. Dennoch seien auch hier Verwerfungen aufgetreten: „Hier verlegte man sich jedoch auf lautstarken Protest, verunglimpfte die Politik und wird von ihr nun fürsorglich behandelt und bekommt die Reform der Reform versprochen.“
Der BKG-Vorsitzende plädierte dafür, das Morbiditätsrisiko wieder von den Krankenhäusern zu nehmen. Es sei „völlig inakzeptabel und ordnungspolitisch regelwidrig“, wenn die Kliniken für die steigende Morbidität einer alternden Gesellschaft finanziell haften müssten Die Regelung, dass steigende Behandlungsschweregrade sich negativ auf den Landesbasisfallwert auswirken, müsse schnellstmöglich revidiert werden.
Dem Fachkräftemangel entgegenwirken
Neben dem ständigen Bemühen um die größtmögliche Wirtschaftlichkeit sieht Stumpf „in den vor uns liegenden Jahren“ zwei zentrale Aufgaben: zum einen dem Fachkräftemangel, besonders im ärztlichen Dienst, entgegenzuwirken und zum anderen die beiden Sektoren ambulant und stationär besser zu vernetzen. Im Vordergrund müsse dabei die Erhöhung der Studienkapazitäten stehen. Stumpf zufolge „war es ein falsches Signal, dass im Jahr 2002 im Zuge der Reform der Approbationsordnung die Studienkapazitäten reduziert wurden“. Erschwerend komme hinzu, dass die Zahl der Aussteiger, also jener, die sich während des Studiums umorientieren, ansteigt. Somit sei auch das Auswahlverfahren für das Medizinstudium zu überprüfen. Die Zuständigkeit, hier einzugreifen, liege weitgehend bei den Ländern. Erste Signale, hier aktiv zu werden, hätten die Krankenhäuser erhalten. Bleibe zu hoffen, „dass dem nun rasch ein entschlossenes Handeln folgt“.
Ärztemangel droht
Schon allein wegen des drohenden Mangels an ärztlichem Personal sei es unverzichtbar, die strikte Trennung von ambulantem und stationärem Bereich aufzubrechen und die personellen Ressourcen und das Know-how beider Sektoren zu bündeln, um eine adäquate Patientenversorgung weiterhin zu gewährleisten, stellte der Vorsitzende fest. Übergreifende, integrierte Behandlungsabläufe, gebündeltes Wissen, kurze Wege, ein besserer Informationsfluss - all dies bedeute Qualitätssteigerung und liege eindeutig im Patienteninteresse.
Absage an Preiswettbewerb
Eine klare Absage erteilte Stumpf den Ideen um einen Preiswettbewerb mit Rabattverträgen zwischen Klinken und Krankenkassen. „Wenn der neue Gesundheitsminister Rösler die alten Ideen seiner Vorgängerin Ulla Schmidt wieder ausgräbt, um damit vielleicht sogar noch Einsparungen realisieren zu können, stehen Qualität und Planungssicherheit der gesamten stationären Gesundheitsversorgung auf dem Spiel.“
Besonders an Bayerns Gesundheitsminister Dr. Markus Söder erging die Forderung Stumpfs nach ausreichenden Investitionsmitteln für die Kliniken im Freistaat: „Wir wissen um die schwierigen Rahmenbedingungen in der Wirtschaftskrise, aber die Kliniken als größter Bereich in der Wachstumsbranche Gesundheitswesen können nur Motor für den medizinischen Fortschritt sein und eine ausreichende und qualitative stationäre Versorgung mit höchster Qualität nur dann sichern, wenn ihnen wieder mehr Investitionsmittel zur Verfügung gestellt werden.“
Neben Stumpf wies auch der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Siegfried Hasenbein, am Rande der Mitgliederversammlung auf den drohenden Fachkräftemangel im Gesundheitswesen hin. Den Kliniken gehe es bei der Bündelung personeller Ressourcen um eine Ergänzung und ein sinnvolles Miteinander.
MVZ als Optimum
Die derzeit geplanten politischen Vorstellungen um die sogenannten Medizinischen Versorgungszentren zum Beispiel stünden dazu allerdings im Widerspruch. Diese neuartige Organisationsform beinhalte in optimaler Form die fachübergreifende Behandlung auf kurzem Weg. Sie biete die Chance, dass Ärzte optimal ambulant und stationär zusammenarbeiten können.
Darüber hinaus komme sie den Wünschen vieler gerade junger Ärzte nach einem Anstellungsverhältnis entgegen, weil sie das Investitionsrisiko einer eigenständigen Niederlassung scheuten, regelmäßige Arbeitszeiten bevorzugten und dies gerade den weiblichen Ärzten bedeutend besser ins eigene Familien- und Lebenskonzept passe.
„Mit den geplanten Einschränkungen beim Betrieb von Medizinischen Versorgungszentren würde man viele positive Ansätze, die im Interesse von jungen Ärzten und Patienten liegen, gefährden. Das wäre ein Schritt in die falsche Richtung“ meinte Hasenbein.
KI (GZ-1/2-10)
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