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Aufbauend auf der Kommunaltechnik: Fendt beackert neue Felder Drucken E-Mail
Dienstag, 29. Juli 2008
Das Allgäuer Unternehmen sieht zusätzliche Chancen
im Straßenbau und in der Forstwirtschaft

fendt_936_vario
Drei Fendt 936 Vario an einer Autobahnbaustelle mit Schürfkübel und Kalkfräse.

Der Allgäuer Traktoren- und Landmaschinenhersteller Fendt, der als Technologieführer und als Trendsetter in der Branche gilt, will künftig, aufbauend auf dem bisher schon praktizierten Kommunalgeschäft, neue Geschäftsfelder beackern. Das Unternehmen aus Marktoberdorf, das seit 1997 zum US-Landmaschinen-Konzern Agco Corp. gehört, will in die außerlandwirtschaftlichen Bereiche Forstwirtschaft und vor allem Straßen- und Autobahnbau vordringen.


 
Man wolle nicht in Wettbewerb zu herkömmlichen Baumaschinen treten, sagte Hermann Merschroth, Sprecher der Fendt-Geschäftsführung und einer der Agco-Vizepräsidenten bei einer Pressekonferenz auf einer Autobahnbaustelle im tschechischen Ostrava (früher Mährisch Ost-rau), sondern verstehe sich als Alternative dazu. Gut gerüstet sieht sich Fendt für die neuen Aktivitäten mit seinen PS-starken Traktoren, die mit zeit- und kostensparenden Arbeitsgeräten kombiniert werden und deshalb als wesentlich flexibler gelten als selbstfahrende Baumaschinen, zumal die Fendt-Traktoren mit dem stufenlosen Vario-Getriebe ausgerüstet sind, was nach Fendt-Angaben den Einsatz erleichtert und übers Jahr 6 Prozent an Arbeitszeit und 8 Prozent an Kraftstoff spart.

Entwickelt über
Kommunaltechnik


Das neue Geschäftsfeld, so erläuterte Merschroth, sei über die schon seit Jahren erfolgreich betriebene Kommunaltechnik entwickelt worden und biete sehr gute Perspektiven für die Zukunft. Bei den Baustelleneinsätzen geht es zum Beispiel um Baufeldräumung, Bodenabtrag und -transport, Planierung, Bodenstabilisierung und -verdichtung, bei den Forstarbeiten, die oft mit Baufeldräumung zusammenfallen, um Holzbergung und -transport, um Stockfräsung (Herausfräsen von Baumstümpfen, ohne diese ausgraben zu müssen), um Häckseln des Abfallholzes sowie Aufbereitung und Mulchung des gerodeten Bodens.

Im Kommunalgeschäft sind vor allem zu nennen der Winter- und Sommerstraßendienst, die Mäharbeiten an Banketten, der seitliche Gehölzschnitt und die Reinigung von Straßengräben. Alle diese Arbeiten werden bewältigt mit einer Fülle von Zusatzgeräten, die entsprechend starke Traktoren benötigen. Bei Ostrava baut die tschechische Firma Milata mit einer Flotte von Fendt-Traktoren einen größeren Abschnitt einer neuen Nord-Süd-Autobahn (von Schlesien nach Österreich) durch die tschechische Republik, was neben Rodungsarbeiten umfangreiche Geländeverformungen erfordert.

Kräftige Erfolgsspur

Diese Expansionspläne sind zu sehen vor dem Hintergrund einer kräftigen Erfolgspur, auf der Fendt überdurchschnittlich vorangekommen ist und weiter vorankommen will. Im Jahre 2007 konnte der Umsatz um 20,5 % auf 1,065 Mrd. € erhöht werden. Und im laufenden Jahr rechnet Merschroth mit einem weiteren Plus von 20 %. Zum Ergebnis werden seit der Zugehörigkeit zum Agco-Konzern keine Angaben mehr gemacht. Zu erfahren war immerhin, dass Fendt mit dem Gewinn sehr zufrieden ist und keinen Grund zum Klagen sieht. Nach den Rekordzahlen für 2007 dürfte es 2008 neue Rekordzahlen geben, ließ Merschroth durchblicken.

Kerngeschäft Traktoren

Die Bedeutung der Sparte Erntemaschinen (Mähdrescher und Ballenpressen) nimmt zwar weiter zu, doch das Kerngeschäft bilden nach wie vor die Traktoren. Ihr Absatz wurde um 9,5 % auf 13.312 Stück gesteigert. In diesem Jahr werden wohl 15.450 verkauft werden, von denen nach Angaben von Vertriebschef Peter J. Paffen fast zwei Drittel in den Export gehen. Nach Stückzahlen sind die wichtigsten Abnehmerländer Frankreich (2.341) und Italien (709), nach Marktanteil liegen die Niederlande (12,9 %) und Österreich (9,9 %) vorne. Im Jahre 2.012 will Fendt 20.000 Schlepper verkaufen. Neue Märkte sieht man vor allem in den ehemaligen Ostblockstaten. Erfolge gab es aber auch zum Beispiel in Australien und Korea. Der Marktanteil bei Schleppern in Europa über alle Klassen erreichte 7,9 (Vorjahr: 6,7) %. In Deutschland wurde in der Klasse ab 51 PS mit 21,6 % Marktanteil der erste Rang (vor John Deere) zurückerobert. Die wahre Stärke von Fendt aber liegt in den oberen PS-Klassen. In der Kategorie ab 151 PS erreichte der Marktanteil 29,1 %.

Steigende Mitarbeiterzahl
und Fachkräftemangel


Durch die Expansion hat die Zahl der Mitarbeiter an den Stand-orten Marktoberdorf, Kempten und Bäumenheim von 2.790 Ende 2006 über 3.080 Ende 2007 auf 3.170 Mitte 2008 zugenommen. Große Sorgen bereiten inzwischen der Mangel an Fachkräften und die Lieferengpässe einiger Zulieferer. In Forschung und Entwicklung wurden im vergangenen Jahr 30 Mio. € gesteckt. Heuer sollen es 34 Mio. € werden. Die Investitionen in die Standorte dürften wieder 37 Mio. € erreichen.

Professionelle
Landwirtschaft


Die Zuversicht schöpft Fendt vor allem aus den sehr stark verbesserten Aussichten in der professionellen Landwirtschaft. Merschroth nannte in diesem Zusammenhang die Zunahme der Weltbevölkerung, die steigende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln und die Ausweitung der Erzeugung regenerativer Energien aus Gründen der Energieknappheit und des Klimaschutzes.

Die Muttergesellschaft Agco Corp. hat 2007 mit 22 Marken, darunter den vier Premiummarken Fendt, Massey Ferguson, Challenger und Valtra, ihren Umsatz um 25,6 % auf 6,83 Mrd. Dollar erhöht und das Betriebsergebnis auf 395 (65) Mio. Dollar gesteigert. Im ersten Quartal 2008 hat Agco mit 0,63  (Vorjahresquartel: 0,26) Dollar je Aktie das beste Ergebnis erreicht, das es jemals gab.     dhg. (GZ-14-08)
 
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