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E.ON Bayern AG: Paradigmenwechsel im Netz
GZ-08-2013
Dienstag, den 16. April 2013 um 03:00 Uhr

 

Erläuterungen im Rahmen einer Dienstbesprechung der Schulleiter der niederbayerischen Realschulen in Beilngries

Mehr als ein Jahr nach den Beschlüssen der Bundesregierung für eine grundlegende Neuorientierung der Energieversorgung, zu der sich die Energiewirtschaft bekennt, steht für alle Beteiligten fest: Die Energiewende ist kein Selbstläufer. Diskutiert wird derzeit, wie die Kosten und die Umsetzung dieses gewaltigen Systemumbaus – insbesondere der Infrastruktur und der Erzeugung – für die privaten Haushalte und die Wirtschaft in den Griff zu bekommen sind.

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Josef Schönhammer, Leiter Unternehmenskommunikation E.ON Bayern AG, Regensburg, bei seinem Vortrag. RED


Mit der Frage „Netzausbau vermeiden durch Ausbau dezentraler Erzeugung?“ beschäftigte sich Josef Schönhammer, Leiter Unternehmenskommunikation E.ON Bayern AG, Regensburg, bei seinem Vortrag im Rahmen einer Dienstbesprechung der Schulleiterinnen und Schulleiter der niederbayerischen Realschulen in Beilngries. Gleich zu Beginn stellte er klar: „Es ist eine Illusion, Netzausbaumaßnahmen durch dezentrale und fluktuierende Erzeugung umgehen zu wollen.“

Die in der Vergangenheit gängige Meinung, wonach mit genügend dezentraler Eigenversorgung keine Netze mehr benötigt werden, resultiere aus der aus Jahrzehnten gewachsenen Erfahrung, „wonach der Netzausbaubedarf geprägt ist vom Lastfluss hin zum Kunden“, machte Schönhammer deutlich. Die These vom verringerten Netzausbaubedarf sei in der Vergangenheit zumindest bis zu einem gewissen Grad richtig gewesen, weil dezentrale Einspeisungen entgegen der Haupt-Lastflussrichtung gewirkt hätten. „Das Mittel- und Niederspannungsnetz ist heute kein Verteilnetz mehr, sondern eher ein Einspeisenetz. Die Auslastung unseres Netzes ist nicht mehr nur definiert durch Verbrauch, sondern immer häufiger durch Einspeisung“, so Schönhammer.

Enormer Netzausbaubedarf

Heute schon sei eine revolutionäre Umkehr des ganzen Systems feststellbar, konstatierte der E.ON Bayern-Pressesprecher. Rückspeisungen dezentraler Erzeugungsanlagen sorgten für einen enormen Netzausbaubedarf. Jeder Zubau von Einspeiseanlagen verschärfe mittlerweile die Netzbelastung. In der Regel seien dezentrale Einspeisungen nicht verbrauchernah.

Als Beispiel nannte Schönhammer eine 400 KW-Photovoltaik-Anlage, angegliedert an einen landwirtschaftlichen Betrieb mit wenigen KW Leistungsbedarf: Hier seien Rückspeisungen mit entsprechender Netzbelastung unvermeidlich. Diese Beobachtungen gälten für ländlich geprägte Netzregionen, fügte der E.ON Bayern-Sprecher hinzu. Im Bereich der Stadtwerke herrschten freilich andere Verhältnisse.

PV-Anlagen boomen

„Dezentrale Einspeiseanlagen bei E.ON Bayern boomen“, betonte Schönhammer und wies in diesem Zusammenhang auf kontinuierlich stark zunehmende PV-Anlagenzahlen hin. 2012 seien bereits 225.000 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 4.800 Megawatt (MW) zu verzeichnen gewesen. Gemeinsam mit anderen regenerativen Einspeisungen komme man auf eine Gesamteinspeiseleistung von mehr als
6.100 MW. Diese Leistung liege in der Größenordnung der Jahreshöchst-last im gesamten Netzgebiet.

Mit knapp 2.000 Anlagen und einer installierten Gesamtleistung von über 500 MW stellen Biomasse und Biogas hier auch einen nennenswerten Anteil dar. Zwar sorgen die entsprechenden Anlagen für eine zusätzliche Netzbelastung, jedoch gehe die Einspeisung kontinuierlicher vonstatten als durch PV oder Wind. Mit 43 MW sei die KWK-Leistung am Netz dagegen vergleichsweise recht gering.

Anhand einer typischen Belastungssituation eines Umspannwerkes im niederbayerischen Landau zeigte der Unternehmenssprecher auf, dass bei gleich bleibendem Bedarf eine massive Mehrbelastung durch Einspeisungen auftritt. Im Zeitraum von 2009 bis 2011 habe man eine Zunahme um den Faktor 3 festgestellt.

Hohe Investitionen

Der Photovoltaik-Boom vor allem in Niederbayern erfordert für E.ON Bayern besondere Maßnahmen. Viele Investitionen seien von Seiten des Netzbetreibers notwendig, um diese Herausforderung zu schultern. In Zeiten hoher Einspeisung führe die Entwicklung zu einer Umkehrung der Lastflüsse im Netz. Deshalb müsse erheblich aus- bzw. umgebaut werden.

Insgesamt beliefen sich 2012 die Gesamtaufwendungen für die Netzintegration dezentraler Einspeiseanlagen bei E.ON Bayern auf rund 90 Mio. Euro. Dazu zählten u. a. der Bau des neuen Umspannwerkes Rossbach, der Einbau von 600 zusätzlichen und der Austausch von 1.200 Ortsnetztrafos sowie die Neuverlegung von 500 Kilometer 20.000-Volt-Kabel.

Planungen

In den nächsten fünf Jahren plant E.ON Bayern im Freistaat den Bau von weiteren 15 Umspannwerken, die Verlegung von 4.000 Kilometern neuer Leitungen (Mittelspannung/Niederspannung), die Errichtung von 2.500 neuen Ortsnetzstationen sowie die Aufrüstung von 5.000 Ortsnetztrafos.

Laut Schönhammer wird zukünftig eine Netzentlastung nur „physikalisch“ spürbar, wenn Speicher „netzgetrieben“ eingesetzt werden. Die Erfahrung der E.ON Bayern, wonach es einen erheblichen Netzzubaubedarf im Verteilnetz durch zunehmende dezentrale Einspeisungen gibt, werde von einer aktuellen Studie der Deutschen Energie-Agentur dena bestätigt. Damit werde auch die vielfach anzutreffende Erwartung in Politik, Medien und Öffentlichkeit relativiert, nämlich durch den Ausbau dezentraler Erzeugung den Netzausbau vermeiden zu können.

Die Umkehr der Lastflussrichtung hat diese Erwartung bzw. These ins Gegenteil verkehrt. Die Erfahrungen eines von dezentralen Einspeisungen besonders betroffenen Verteilnetzbetreibers wie E.ON Bayern und auch die Ergebnisse der aktuellen dena-Studie verdeutlichen dies. Dennoch sei mit innovativen, intelligenten technischen Ansätzen eine gewisse Chance gegeben, den zukünftigen Netzausbaubedarf zumindest etwas einzudämmen. Hilfreich dafür wäre z. B. die Einführung einer Innovationskomponente im Rahmen regulatorischer Anpassungen. DK

GZ-08-2013

 

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