Spezialeinrichtung für schwer- und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche mit psychischer Erkrankung in Würzburg
Mit einem feierlichen Festakt ist die „Klinik am Greinberg“ eröffnet worden. Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel erklärte in seiner Begrüßung, er sei sehr glücklich, „dass wir nun eine Versorgungslücke schließen können – zumindest für Nordbayern“. Die neue Klinik ist eine Spezialeinrichtung für schwer- und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche mit psychischer Erkrankung, für die bislang in Bayern keine entsprechende stationäre Einrichtung zur Verfügung stand. Die Klinik in der Trägerschaft des Bezirk Unterfranken und in Kooperation mit der Uni-Klinik befindet sich auf dem Gelände der Blindeninstitutsstiftung Würzburg.
„Die Eröffnung dieser Klinik bedeute das Ende eines langen Weges“, sagte der Bezirkstagspräsident in seiner Ansprache weiter. Im Mai 2007 habe der Krankenhausplanungsausschuss für Nordbayern einen Bedarf von 15 Betten festgestellt, und im darauffolgenden Monat habe der Bezirk mit den örtlichen Kostenträgern eine Vorvereinbarung über ein künftiges Budget abgeschlossen. Anfang 2008 sei dann im Bau- und Umweltausschuss des Bezirkstags der Grundsatzbeschluss zum Bau dieser Spezialeinrichtung gefallen. „Nach intensiven Verhandlungen mit möglichen Kooperationspartnern und nach Durchführung der notwendigen Genehmigungsverfahren konnten wir am 21. September 2010 den ersten Spatenstich begehen“, erinnerte Dotzel. Am 9. Juni des vergangenen Jahres sei dann das Richtfest gefeiert worden.
Der Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal dankte dem Bezirk Unterfranken und seinen Vertretern. Er lobte insbesondere die Architektur, die wunderbar in die Landschaft passe. Die neue Klinik am Greinberg ergänze das medizinische Angebot Würzburgs und schieße eine Lücke in der medizinischen Versorgung, sagte das Stadtoberhaupt.
Johannes Spielmann, der Vorstand der Blindeninstitutsstiftung, sprach von einem „gemeinsamen Traum vieler Würzburger Einrichtungen, Behörden und dem Bezirk“, der nun Wirklichkeit geworden sei. Er freue sich bereits auf die Nachbarschaft, betonte Spielmann. Endlich gäbe es einen adäquaten Ort, an dem schwer- und mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen mit psychischer Erkrankung geholfen werden könne, sagte Spielmann.
Direktor Hans Schöbel vom Zentrum für Körperbehinderte zitierte in seinem Grußwort aus dem Korinther-Brief: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Schöbel dankte dem Bezirk Unterfranken und insbesondere dessen Präsident Erwin Dotzel für seinen Einsatz. Die Klinik am Greinberg sei „sichtbarer Ausdruck des Willens zur Inklusion“, sagte Schöbel.
In Vertretung von Gesundheitsminister Marcel Huber betonte Ministerialdirigent Dr. Gerhard Knorr, die Behandlung psychischer Erkrankungen sei eine Aufgabe von hoher gesundheitspolitischer Bedeutung. Daher freue er sich sehr über den „Zuwachs in der Krankenhauslandschaft“, sagte Knorr. Auf das neue Versorgungsangebot für Nordbayern müsse man „nun im Süden eine stationäre Antwort finden“. Knorr erinnerte daran, dass der Freistaat für die Klinik am Greinberg 5,8 Millionen Euro bereitgestellt habe. „Die Kliniken können sich auch in Zukunft auf den Freistaat verlassen“, sagte der Ministerialdirigent, der seit 2008 im bayerischen Umwelt- und Gesundheitsministerium die Abteilung Krankenhausversorgung und Gesundheitsschutz leitet.
Besonders unterstrich Knorr, dass der Bezirk Unterfranken auch mit Blick auf das Konzept eines „green hospitals“ vorangegangen sei. Die neue Einrichtung setzt zur Energieversorgung einen Mix aus Geothermie, Solaranlagen und einem Blockheizkraftwerk für die Spitzenlastabdeckung ein.
Der verantwortliche Architekt des Gebäudes, Erwin Götz von der GKP-Architekten GmbH, erläuterte die Baumaßnahme. Das Gebäude verfüge über zwei Pflegestationen mit insgesamt 15 vollstationären Betten. Dazu gehöre zudem ein Diagnose-, Therapie-, Arztdienst- und Versorgungsbereichs. Insgesamt umfasse die Klinik eine Gesamtnutzfläche von 1.150 Quadratmetern.
Zum medizinischen Konzept der Klinik sagte Prof. Marcel Romanos, der seit dem 1. April dieses Jahres die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an der Universität Würzburg vertritt, die Spezialeinrichtung fasse zusammen, was eigentlich nicht zusammenzufassen sei. Diese Differenzierung erfordere individuelle Therapien.
„Die Klinik am Greinberg schafft die Voraussetzung dafür, dass dies gelingt“, betonte Romanos. Die neue Einrichtung des Bezirk Unterfranken bezeichnete er als einen „sicheren Hafen“, wenn alles gescheitert sei. mm
GZ-10-12
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