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ÖPP-Projekt „Schulen Landkreis Miesbach“: Landkreis setzt auf Öffentlich-Private Partnerschaft Drucken E-Mail
Montag, 28. Mai 2012

Vor einer wahren Mammutaufgabe standen Landrat Dr. Jakob Kreidl und sein ganzer Miesbacher Kreistag; denn in kürzester Zeit müssen drei neue Schulen gebaut werden. Mit nahezu einstimmiger Mehrheit entschieden sich die verantwortlichen Gremien dafür, die komplette Errichtung und den Betrieb für die nächsten 25 Jahre als ÖPP-Projekt zu realisieren. Rund 1.800 Schüler werden ab 2013/14 in neuen Schulen lernen, der formale Grundstock dafür ist jetzt gelegt worden: Der Landkreis Miesbach erteilte der Firma SKE Facility Management GmbH den Zuschlag für den Neubau und die langfristige Bewirtschaftung von Schulgebäuden und Sporthallen in Gmund und Holzkirchen. Der Landrat unterzeichnete jüngst den Vertrag für das gemeinsame Vorhaben „Schulen Landkreis Miesbach“.


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Zufriedene Gesichter bei der Vertragsunterzeichnung: Landkreistagspräsident Dr. Jakob Kreidl, Landrat von Miesbach (3. v. l.), mit Holzkirchens Bürgermeister Josef Höß (links daneben) und SKE-Geschäftsführer Johannes Huismann (3. v. r.) inmitten der Projektbeteiligten. Red


„Mein erster Weg führte mich zum damaligen Vorstandsvorsitzenden unserer Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, Georg Bromme. Der wiederum aktivierte die ganze S-Finanzgruppe, weil’s da für jeden Bedarf passende Partner gibt“, erläuterte Kreidl, wie er letztlich seine Sorgen in den Griff bekam, die durch die umfassende Erweiterung der Schullandschaft in seinem Landkreis zu bewältigen waren. Schnell sei man bei der DKC – Deka Kommunal Consult GmbH - auf den richtigen Experten gestoßen.

Bei der europaweiten Ausschreibung hat der Landkreis von Beginn an auf die Erfahrungen und Unterstützungen der Kommunalberatungsgesellschaft DKC gesetzt. Über gut zwei Jahre waren die Berater Rainer Book und Grit Jackson regelmäßig in Miesbach, um die Anforderungen des Landkreises zu bewältigen, das ÖPP-Modell zu entwickeln und im Wettbewerb verschiedener Bieter die intensiven Verhandlungen zu strukturieren. „Herr Bromme ist nunmehr im Ruhestand. Aber mit seinem Nachfolger Dr. Martin Mihalovits arbeite ich ebenso vertrauensvoll zusammen“, versicherte Kreidl.

Fertigstellung 2013 und 2014

Den Neubauten einer Realschule (18 Klassen) nebst Dreifeldsporthalle in Gmund sowie eines Gymnasiums (31 Klassen), einer Fachoberschule (18 Klassen) und ebenfalls einer angegliederten Dreifeldsporthalle und Freisportanlagen für beide Schulformen in Holzkirchen steht nichts mehr im Wege. Nach der Fertigstellung der beiden Standorte – Gmund im Dezember 2013 und Holzkirchen im Juli 2014 – werden rund 1.800 Schülerinnen und Schüler ihr neues, schönes und funktionales „Bildungszuhause“ beziehen können. Danach schließen sich die vereinbarten Betriebsleistungen seitens der SKE mit einer Gesamtlaufzeit von 25 Jahren an.

Zahlen und Fakten zum Projekt „Schulen Landkreis Miesbach“


Das gesamte ÖPP-Projekt „Schulen Landkreis Miesbach “ umfasst eine Gesamtfläche von zirka 28.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Für Bau- und Finanzierungsleistungen sind 56,25 Millionen Euro brutto vorgesehen, davon 17,4 Millionen Euro für die Realschule in Gmund und 38,85 Millionen Euro für die FOS und das Gymnasium in Holzkirchen. Die Bewirtschaftungsleistungen mit einer Gesamtsumme von 33,1 Millionen Euro umfassen sämtliche Projekt- und Serviceleitungen, Wartung und Instandhaltung inklusive der Bauunterhaltung, Inspektionen, technische und bauliche Instandhaltungen, Hausmeisterdienste, Reinigung, Catering, Energiemanagement, die Pflege der Außenanlagen sowie entsprechende Sicherheitsdienste. Das Gesamtvolumen des Projektes „Schulen Landkreis Miesbach“ beträgt 89,35 Millionen Euro.

Landrat Kreidl rechnet mit Ersparnissen in der Höhe von etwa zehn Prozent durch die ÖPP-Vorteile. Bei der DKC gibt man sich noch optimistischer und geht gar von 15 Prozent im Vergleich zu konservativer Herstellung und Bewirtschaftung aus.

Energetische Einsparpotenziale als Priorität

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Einsatz moderner Technologien im Bereich Energie. „Der Bauherr achtet besonders auf bestmögliche energetische Ergebnisse. Auf Basis dieser Maßgabe haben wir zielgerichtet geplant und setzen die gewünschten Anforderungen entsprechend um“, betonte SKE-Geschäftsführer Johannes Huismann. Dass die angestrebten Einsparpotenziale dauerhaft sichergestellt sind, regelt ein entsprechendes Energiemanagement nebst definierten Mengengarantien, die im Rahmen der vertraglich vereinbarten Bewirtschaftungsleistungen explizit festgeschrieben sind.

„Wir werden die Anforderungen der ‘EnEV 09’ um stattliche 30 Prozent unterschreiten. Die Optimierung des Lüftungs-Wärmebedarfs für die Schulen erfolgt durch eine zentrale mechanische Be- und Entlüftung, die für eine Wärmerückgewinnung sorgt. Gleiches gilt für die beiden Dreifeldsporthallen in dezentraler Ausführung“, erklärte der Facility-Management-Spezialist.

Realschulgebäude und Dreifeldsporthalle in Gmund

Das Entwurfskonzept für die Realschule in Gmund basiert auf den pädagogischen Zielsetzungen einer offenen Schule mit vielseitigen Blickbeziehungen sowie einer zentralen, mehrgeschossigen Aula, die als Pausenraum und für schulische Veranstaltungen genutzt wird. Beide Baukörper, Schule und Dreifachsporthalle, bilden mittels einer Überdachung optisch gelungen ein verbundenes bauliches Ensemble. Dazwischen eingebettet liegt der Pausenhof.

Städtebauliche Besonderheiten Holzkirchens berücksichtigt

Im Zentrum der Entwurfsplanungen in Holzkirchen steht die städtebauliche Vorgabe, eine beeindruckende Baumasse dergestalt zu gliedern, dass optisch ansprechende und gleichzeitig gut nutzbare Außen- und Innenräume entstehen, die ein unabhängiges Miteinander der beiden Schulen ermöglichen.

Die Besonderheit bei dieser Architektur besteht darin, dass beide Schulgebäude über zusammenschaltbare Aulen miteinander verbunden sind. Gymnasium und Sporthalle bilden quasi ein bauliches Ensemble aus Einzelgebäuden mit einer gemeinsamen Aula, dazwischen das Außenforum als verbindendes Element. Durch die Gliederung der Baumassen in Einzelbaukörper wird für das Ortsbild eine verträgliche, städtebaulich ansprechende Situation geschaffen. Die technischen Konstruktionen bei Schulgebäuden und Dreifeldsporthalle entsprechen den Gmunder Planungen.

Die knappen Mittel zur Förderung von Bildung und Ausbildung waren für den Präsidenten des Bayerischen Landkreistags, Landrat Kreidl, letztlich der Anlass, sich bei seinen Verbandskollegen umzusehen, wie diese ihre Probleme beim Schulhausbau in den Griff bekommen haben. Gebraucht wurde immer technische, kaufmännische und juristische Betreuung. Die Landräte von Ebersberg, Hof und Würzburg konnten mit ausgezeichneten Erfahrungen mit den Partnern aufwarten, für die man sich jetzt auch in Miesbach entschieden hat.

„Nur innovative Kooperationen“, so Kreidl, „stellen zielgerichtete, nachhaltige und sinnvolle Investitionen in die nachfolgenden Generationen sicher und gewährleisten die Zukunftsfähigkeit der jeweiligen Standorte.“ Denn nachweislich habe sich der Stellenwert von Bildung und Ausbildung längst zu einem zentralen Standortkriterium entwickelt. Befrage man Familien und vor allem auch Unternehmen nach relevanten Entscheidungsfaktoren bei der Auswahl ihres Standortes, nehme der Faktor „schulisches Angebot” einen oberen Tabellenplatz ein.

Den Ausführungen des Landrats schloss sich Holzkirchens Bürgermeister Josef Höß voll inhaltlich an. Seine Marktgemeinde ist einer der avisierten Schulstandorte, in denen man den Neubau dringend benötigt.

Erfahrung und Know-how für bestmögliche Ergebnisse

Rainer Book und Grit Jackson  bereiteten über zwei Jahre die Ausschreibung für den Landkreis vor, an der sich fünf Firmen beteiligten. Letztlich erhielt die SKE den Zuschlag, weil sie speziell im Bereich ÖPP-Schulprojekte über langjährige Erfahrungen verfügt.

Die öffentlichen Auftraggeber profitieren von kurzen Bauzeiten und fachübergreifenden Dienstleistungen aus einer Hand. In der Summe erwarten die kommunalen Auftraggeber von den ÖPP-Modellen mit der SKE deutliche Einsparpotenziale. „Wir freuen uns auf das Projekt ‚Schulen Landkreis Miesbach‘ – übrigens bereits unser viertes in Bayern – und ganz besonders auf die Zusammenarbeit mit dem Landkreis“, betonte SKE-Geschäftsführer Johannes Huismann.

Einbeziehung der örtlichen Wirtschaft


Zur Unternehmensphilosophie gehöre, die anstehenden Arbeiten und Aufträge nach Möglichkeit an lokale und regionale Unternehmer zu vergeben. Für die Ausschreibung wird auf eine webbasierte Portallösung zurückgegriffen, bei der sich interessierte Unternehmen registrieren lassen können.

„Kurze Reaktionszeiten und das Vorhalten von projektspezifischem Know-how vor Ort sind hier als vorrangige Ziele zu nennen. So können wir beim Projekt „Schulen Landkreis Miesbach“ die vorhandene Logistik unserer derzeitigen bayerischen ÖPP-Projekte Kirchseeon und Poing sowie Nürnberg perfekt einbinden und somit zahlreiche Synergieeffekte nutzen, ob es dabei um organisatorische Abläufe oder die bereits bestehenden Kontakte zu regionalen Firmen geht“, stellte Huismann fest. Red

GZ-11-2012

 
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