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Jahrespressekonferenz des Sparkassenverbandes Bayern: Sparkassen stehen vor einem komplizierten Jahr Drucken E-Mail
Mittwoch, 28. März 2012


Verbandspräsident Zellner vermeidet eine Prognose / Mit 2011 zufrieden

Der Sparkassenverband Bayern, der die 72 bayerischen Sparkassen betreut und ihre Geschäftszahlen summarisch zusammenfasst, spricht für das Geschäftsjahr 2011 von einem zufrieden stellenden Ergebnis. Denn das Betriebsergebnis vor Bewertung lag mit 1,996 Milliarden Euro nahe bei dem Ergebnis des Vorjahres mit 1,958 Milliarden Euro, und der addierte Jahres-überschuss legte gar um fast 30 Prozent auf 470 Millionen Euro zu. Aber auch, wenn sich kein abrupter Einbruch bei der Konjunktur zeigt und in den ersten beiden Monaten 2012 keine Trendumkehr bei den geschäftlichen Zahlen zu bemerken war, ist der Verband, wie sein Präsident Theo Zellner in der Jahrespressekonferenz betonte, bei einer Prognose für das Gesamtjahr 2012 wegen „einiger Unwägbarkeiten und einer komplizierten Entwicklung“ äußerst vorsichtig.

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Zufriedenheit bei Sparkassenverbandspräsident Theo Zellner (r.) und seinem Stellvertreter Prof. Rudolf Faltermeier. Red


Denn zum einen werde es durch das Beihilfeverfahren der EU-Kommission in Sachen Bayerische Landesbank (BayernLB) zu weiteren nachträglichen Lastenübernahmen durch die bayerischen Sparkassen kommen, weswegen alle Ergebnisse noch „vorläufig“ sind, und zum anderen drohten die Maßnahmen nach Basel III, die – grob gesprochen – die Unterlegung von Krediten mit Eigenkapital und die Liquiditätsvorhaltung regeln, regional tätige Banken wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken erheblich gegenüber international tätigen Großbanken zu benachteiligen.

Aus der Finanzkrise, die übrigens das regional ausgerichtete Kerngeschäft der Sparkassen gestärkt habe, seien nicht die richtigen Lehren gezogen worden. Denn obwohl nach den Vorgaben der G 20 von Pittsburgh aus dem Jahre 2009 kein Finanzplatz ohne Regulierung bleiben sollte, seien die großen Banken in den USA und Europa eher größer und damit noch systemrelevanter geworden, wogegen die Sparkassen durch Basel III mit immer detaillierteren Eigenkapital- und Liquiditätsregeln überzogen würden. Das aber verteuere die Mittelstandsfinanzierung, weil Mittelstandskredite mit bis zu 30 Prozent mehr Eigenkapital unterlegt sein müssten, und mache langfristige Finanzierungen schwieriger.

Demgegenüber bleibe der gesamte Schattenbanksektor nahezu unreguliert. Jenseits von Börsen und zentralen Abwicklungsplattformen nähmen Transaktionen im grauen Markt ohne jegliche Transparenz immer mehr zu. Kapitalmarktfinanzierungen würden gegenüber Bankfinanzierungen bevorzugt. Zellner: „Unternehmenskredite haben die Finanzkrise nicht ausgelöst. Mittelständische Unternehmen waren nicht Verursacher der Krise.

Vielmehr haben sie geholfen, diese Krise zu bewältigen. Im Zusammenwirken von Unternehmertum und Bereitschaft der Sparkassen, den Aufschwung gezielt zu finanzieren, hat die bayerische Wirtschaft schneller aus der Kurz-Rezession 2009 herausgefunden. Bei den Sparkassen kann von Kreditklemme keine Rede sein.“

Gemeinsam mit dem Genossenschaftsverband Bayern hat der Sparkassenverband Bayern im vergangenen Jahr eine Initiative mit bundesweitem Aufsehen gestartet, um auf diese Ungleichgewichte hinzuweisen. Die Basel-Regelungen seien ursprünglich für international tätige Großbanken erarbeitet worden, nicht aber für in der Region tätige Institute. Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der mittelständischen Wirtschaft in Bayern fordern die Sparkassen eine Nachbesserung der aktuellen Bankenregulierung. Basel III, hinter der man im Sparkassenbereich einen Angriff aus Brüssel auf das deutsche Drei-Säulen-System im Bankenbereich aus öffentlich-rechtlichen Banken, Genossenschaftsbanken, Privat- und Großbanken vermutet, müsse risikogerecht angepasst werden. Der Mittelstand, dem sich die Sparkassen besonders verbunden fühlen, dürfe nicht die Zeche für die Finanzkrise zahlen.

Im Beihilfeverfahren hofft Zellner auf eine baldige Einigung zwischen EU, Bund, BayernLB und Sparkassenverband. Einzelheiten der weit fortgeschrittenen Gespräche wollte er nicht nennen. Aber trotz des Eigentumsverlus-tes der Sparkassen im Jahre 2009 – 44 Prozent ihrer ursprünglich hälftigen Beteiligung an der Landesbank gingen an den Freistaat – müssten die Sparkassen wohl weitere Lasten übernehmen. Schwierig ist, dass die bayerischen Sparkassen mit einer Mehrheit von 75 Prozent nach Bilanzsumme zustimmen müssen. An dieser Lösung werde gearbeitet, um zu einer gemeinsamen Bayern-Haltung zu kommen.

Unklar ist auch noch, zu welchem Preis die Sparkassen die Bayerische Landesbausparkasse (LSB) übernehmen können, von der sich die BayernLB auf EU-Druck trennen muss. Bayern ist ohnehin das einzige Bundesland, in dem die Landesbausparkasse nicht zu 100 Prozent den Sparkassen gehört. Des Weiteren sollen die Sparkassen ihre stillen Einlagen bei der BayernLB zurückerhalten, um diese dann in Eigenkapital für die Landesbank umzuwandeln. Problem dabei: Nicht alle bayerischen Sparkassen haben stille Einlagen bei der BayernLB, wie finanzieren sie das geforderte Eigenkapital?

Bilanzsumme 175 Mrd. Euro


Im Berichtjahr legte die Bilanzsumme der 72 (Vorjahr: 73) Institute, von denen kein einziges rote Zahlen schrieb, um 2,3 Prozent auf 175 Milliarden Euro zu. Die Einlagen stiegen um 1,8 Prozent auf 135,3 Milliarden Euro, wobei besonders täglich fällige Gelder gefragt waren. Die gesamten Kredite erhöhten sich um 2,9 Prozent auf 105,3 Milliarden Euro, wobei langfristige Kredite wegen der günstigen Zinsen sehr beforzugtg waren. Mit 53,1 Milliarden Euro (+ 4,0 Prozent) waren Unternehmen und Selbständige die größten Kreditnehmer. Auf Privatpersonen entfielen 44,9 Milliarden Euro (+ 1,5 Prozent), wobei Immobilienfinanzierungen eine wichtige Rolle spielten. Öffentliche Haushalte liehen sich 5,5 Milliarden Euro (+ 1,9 Prozent).

Das Betriebsergebnis vor Bewertung stieg leicht um 1,9 Prozent auf knapp 2 Milliarden Euro. Ein Betriebsergebnis nach Bewertung wurde nicht genannt, dafür der Jahresüberschuss mit 470,0 (362,4) Millionen Euro. Zwischen das Betriebsergebnis vor Bewertung und den Jahresüberschuss müssen einige Kennziffern eingeordnet werden. Auf Kredite habe es keine Abschreibungen gegeben, auf Wertpapiere 145 Millionen Euro, sagt Vizepräsident Rudolf Faltermeier. Insgesamt betrugen die Abschreibungen einschließlich derjenigen auf die BayernLB und die Landesbank Berlin 350 Millionen Euro. An gewinnabhängigen Steuern waren 500,4 (455,3) Millionen Euro fällig. Für gemeinnützige Ziele (Stiftungsausschüttungen, Spenden, Sponsoring, Förderbeiträge) wurden 66,0 (73,9) Millionen Euro aufgewandt. Die 105 bayerischen Sparkassenstiftungen verfügen über ein Kapital von 237,7 Millionen Euro. Dividende aus ihrem Gewinn zahlt „nur eine Handvoll Sparkassen“ an ihre Gewährträger. Laut Satzung dürfen die Gewinne auch nur Maßnahmen fürs Gemeinwohl dienen, nicht aber in den Haushalt des Gewährträgers fließen. Allerdings wird zurzeit in einem Fall über eine Abweichung von dieser Regel verhandelt. Üblicherweise dienen die Gewinne der Sparkassen der Eigenkapitalbildung, weil sie sich ja kein Eigenkapital über die Börse beschaffen können. Mit einer Kernkapitalquote von 11,37 Prozent und 17,16 Prozent der aufsichtsrechtlichen Gesamtkennziffer beim Eigenkapital liegen beide Werte „weit oberhalb der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorgegebenen Mindestquote von 4 bzw. 8 Prozent. Den künftig erhöhten Anforderungen der internationalen Bankregulierung sei man gewachsen.

Führend im Freistaat

Zu dem insgesamt guten Ergebnis haben beigetragen ein leicht auf 2,31 Prozent der Durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS) gestiegener Zinsüberschuss, ein leicht gesunkener Provisionsüberschuss von 0,59 Prozent der DBS, ein fast unveränderter Verwaltungsaufwand, ein nur leicht gestiegener Personalaufwand und ein leicht rückläufiger Sachaufwand. So konnte die Aufwand-/ Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio = CIR) weiter auf 59,4 (59,8) Prozent gedrückt werden, „was besser als der bundesdeutsche Durchschnitt ist“.

Die bayerischen Sparkassen sehen sich führend im Freistaat bei der Förderung von Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen, bei der Vergabe von Handwerkskrediten und bei der Ausreichung zinsgünstiger Förderdarlehen der LfA-Förderbank Bayern. Insgesamt erreichte der Fördermittelbereich im Berichtsjahr ein Volumen von 3,3 (3,0) Milliarden Euro, eingeschlossen auch die Kooperationen mit der bundesweit tätigen Landwirtschaftlichen Rentenbank und der KfW-Bankengruppe.

Ein wichtiges Betätigungsfeld sehen die Sparkassen in der Energiewende und beim Klimaschutz. Deshalb sind sie heuer als 18. Partner durch die bayerische Staatsregierung in die Bayerische Klima-Allianz aufgenommen worden. Außerdem wollen Bayerns Sparkassen in den kommenden Monaten und Jahren gezielt bei der von der bayerischen Staatsregierung ausgerufenen Zukunftsinitiative „Aufbruch Bayern“finanzwirtschaftlichen Flankenschutz geben, wobei es unter anderem um Förderkredite und neue Konzepte der Bürgerbeteiligung an dezentralen Energieversorgungsunternehmen, um höhere Investitionen in die Infrastruktur und schnelles Internet geht. Von dieser Entwicklung werde der selbständige Mittelstand in besonderem Maße profitieren.

Faltermeier bekräftigte, dass die Präsenz vor Ort der zentrale Bestandteil des Geschäftsmodells der Sparkassen bleibe. dhg.

GZ-07-2012



 
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