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Höhenschwimmbad Gößweinstein: Aus dem Dornröschenschlaf erwacht Drucken E-Mail
Donnerstag, 16. Februar 2012
Projekt der WasserWerkstatt Bamberg - Zweifache Auszeichnung

Naturbäder stellen eine echte Alternative zu gechlorten Schwimmbädern dar, wie das Planungsbüro für Badegewässer und Freiraumplanung GmbH "WasserWerkstatt" in Bamberg seit 1987 aus eigener Erfahrung weiß. Viele ökologische und ökonomische Gründe sprechen für naturnahe Freibäder, wie aktuell ein neues von der WasserWerkstatt eröffnetes Höhenschwimmbad im oberfränkischen Gößweinstein eindrucksvoll demonstriert.


Das Naturbad wurde zu Beginn der 1960er Jahre als klassisches konventionelles Schwimmbad gebaut. In den folgenden Jahrzehnten war es recht beliebt, so dass sogar eine Wärmehalle als angenehmer Aufenthaltsort angebaut wurde. Allerdings unterblieben als Folge schlechter gemeindlicher Finanzen notwendige größere Investitionen u. a. in die Wasseraufbereitung, so dass das Bad Mitte der 1990er Jahre schließlich geschlossen wurde. Es dümpelte als ungenutzter Freizeittempel in landschaftlich bester Lage dahin, verfiel in einen Dornröschenschlaf.

Verlässlicher Partner


Im Jahr 2000 erinnerten sich interessierte Gemeindebürger ihres Freibades und gründeten den Förderverein Höhenschwimmbad Gößweinstein mit dem Ziel, das Bad wieder zum Leben zu erwecken. Man entschied sich für ein Naturbad ohne Chlorung mit natürlichem Wasseraustausch über eine Schilfanlage. In der „WasserWerkstatt“ fand die Marktgemeinde Gößweinstein als Bauherr und Betreiber einen verlässlichen Partner.

Durch Mitgliedsbeiträge in Höhe von 25 Euro pro Jahr, weit mehr aber noch mit der Durchführung kultureller Veranstaltungen, wurde über viele Jahre Geld generiert, so dass 2008 mit der konkreten Planung begonnen werden konnte, maßgeblich unterstützt vom Landkreis Forchheim mit einem Leader-Projekt Bäderlandschaft Fränkische Schweiz.

Verwirklichter Traum


Im Mai vergangenen Jahres wurde der Traum vom Höhenschwimmbad schließlich Wirklichkeit. Mit einem dreitägigen Fest wurde das „Juwel“ wiedereröffnet. Dass es überhaupt dazu kam, ist in erster Linie Jürgen Kränzlein, dem Chef des Fördervereins Höhenschwimmbad Gößweinstein zu verdanken, wie der Staatssekretär im Bundesministerium des Innern Hartmut Koschyk und Gößweinsteins Bürgermeister Georg Lang beim Festakt einhellig betonten. Ohne dessen enormes Engagement gäbe es das Freibad nicht mehr.

Der Markt ist Träger

Insgesamt wurden 310.000 Euro für den Umbau benötigt. 200.000 Euro steuerte der Markt Gößweinstein bei, 45.000 Euro der Förderverein und 65.500 Euro die EU aus dem Leader-Programm sowie weitere Mittel aus dem europäischen Sozialfonds für den Einsatz von Arbeitskräften. Träger des neuen Bades bleibt der Markt Gößweinstein.

Vielfältige Nutzung

Unterhalten wird das Kleinod vom Förderverein mit einem Beitrag von 4.000 Euro jährlich, von der Marktgemeinde sowie einem „Outdoor-Event-Veranstalter“, der das rund 13.000 Quadratmeter große, terrassenförmig angelegte Gelände zur Nutzung erhalten hat und dafür dessen Betrieb und Pflege sicherstellen muss. Zum Angebot gehören Tipi-Übernachtungen, Klettern und Bogenschießen.

Wiederaufbereitung des Wassers als Kernstück

Kernstück des Naturbades ist die Wiederaufbereitung des Wassers, das an der Oberfläche abgesaugt, in einem groben Filter von Blättern und Blüten befreit wird und dann zur weiteren Reinigung in ein Kiesbett verrieselt, wo es versickert. Von dort aus fließt es einen halben Meter tiefer über Quellsteine wieder zurück ins Becken - zuerst in den kleinen, abgegrenzten Kinderbereich und von dort in das große Becken. Innerhalb von zehn Stunden ist der komplette Inhalt einmal durchgereinigt.

Da die Wassertiefe lediglich 1,35 Meter beträgt, kann auf eine Badeaufsicht verzichtet werden. Damit werden erhebliche Personalkosten eingespart.

Zweifache Auszeichnung

Für „herausragende Verdienste zur Schaffung von grünen Begegnungsstätten“ wurde der Förderverein des Höhenschwimmbades Gößweinstein vom Bayerischen Umweltministerium mit der Staatsurkunde ausgezeichnet. Außerdem erhielt der Förderverein bei dem BR-Wettbewerb „miteinander! Gesund leben!“ den Preis als beste ehrenamtliche Initiative 2011. Über 130 Initiativen aus ganz Bayern hatten sich an dem Wettbewerb, der jedes Jahr vom Radiosender Bayern 2 und der Abendschau im Bayerischen Fernsehen veranstaltet wird, beteiligt. DK

GZ-03-2012

 
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