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Zum Jahrestag der Bücherverbrennung: Kommunen setzten bundesweit markante Zeichen
GZ-12-06
Donnerstag, den 22. Juni 2006 um 11:47 Uhr
Um gegen eine wachsende Fremdenfeindlichkeit, neonazistische Strömungen und das erneute Aufkeimen antisemitischer Haltungen in Deutschland ein Zeichen zu setzen, wurden am 10. Mai, dem Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nazis, heuer zum zweiten Mal bundesweit Texte aus den damals verbrannten Büchern vorgelesen. Der Initiator - das Paul-Klinger- Künstlersozialwerk e. V. „Künstler helfen Künstlern“ mit ihrem Präsidenten Gerhard Schmitt-Thiel - zeigte sich einmal mehr sehr zufrieden mit der enormen Offenheit für das Projekt.

„Unsere Aktion kann nur eines von hoffentlich vielen Zeichen sein, aber je größer jedes Zeichen ist, umso mehr Wirkung kann von ihm ausgehen“, betont Schmitt-Thiel. Bayerische Kommunen beteiligten sich in großer Zahl und ließen Gedanken von Lion Feuchtwanger über Else Lasker-Schüler bis hin zu Kurt Tucholsky lebendig werden.

Stadt Freyung

An Schulen, Universitäten etc., in Theatern, Opern etc., auf öffentlichen Plätzen, vor oder in Rathäusern, in Bibliotheken, Museen, Buchhandlungen, Restaurants etc., also überall wo sich Menschen zusammenfinden, wurden Texte jener Autoren vorgelesen, deren Werke in der NS-Zeit verboten und verbrannt wurden. In der Stadt Freyung beispielsweise rezitierten Mitarbeiter einer Buchhandlung sowie Schüler des Gymnasiums vor einem Holzfeuer vor dem Kurhaus eine halbe Stunde lang kurze Stücke aus den Werken betroffener Autoren. Zudem stellte die Stadtbücherei im Eingangsbereich des Kurhauses eine Auswahl dieser Bücher aus.

Arnbruck und Penzberg

Die Gemeinde Arnbruck präsentierte in der Bücherei während der Öffnungszeiten eine Ausstellung von Büchern der betroffenen Autoren sowie von Werken über die Bücherverbrennung. Penzberg wiederum erinnerte an den geschichtsträchtigen Tag mit einer „Lesepause“ an den Schulen, in der aus einigen der damals verbrannten Bücher vorgetragen wurde. Am Abend dann wurde im Stadtmuseum eine Lesung mit Autor Claus Steigenberger veranstaltet. Vorgelesen wurden Texte von Oskar Maria Graf - u. a. „Verbrennt mich!“ - sowie von Lion Feuchtwanger, Annette Kolb und Bertolt Brecht. In der Gemeinde Poppenhausen wurde im Sitzungssaal des Rathauses aus den Werken von Ringelnatz und Kästner gelesen. Träger der Veranstaltung war die dortige Volksschule. In drei ausgesuchten Klassen der Hauptschule Zwiesel las Rektor Edmund Stern aus Werken von Erich Kästner, Oskar Maria Graf und Ernst Toller.

Augsburg und Bad Tölz

In Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Stadt Augsburg und dem Haus der Bayerischen Geschichte fand im Theaterkeller des Peutinger Gymnasiums Augsburg eine Ausstellung zur Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 statt. Zudem wurden ausgewählte Texte „verbrannter“ Autoren durch Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums „dargeboten“. Prof. Dr. Mathias Mayer vom Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg hielt einen Vortrag über den Schriftsteller und Revolutionär Ernst Toller. Für die musikalische Umrahmung sorgten der Kammerchor und das Instrumentalensemble des Peutinger-Gymnasiums. In Bad Tölz lasen unter dem Motto „Verbranntes Wort? Freies Wort!“ die Schauspieler Elke und Stephan Orlac Texte von Baum, Brecht, Feuchtwanger, Fleißer, Hasek, Kästner, Kaus, Keun, Lasker- Schüler, Luxemburg, Th. Mann, Sachs, Tucholsky und Werfel.

Bayreuth

Im Rahmen ihrer Bildungsarbeit in der Städtischen Wilhelm- Leuschner-Gedenkstätte lud die Wilhelm-Leuschner-Stiftung in Bayreuth zu einer Gedenkveranstaltung ein. Studenten des Studiengangs „Literaturwissenschaft: berufsbezogen“ an der Universität Bayreuth trugen gemeinsam mit ihrem Dozenten Dr. Joachim Schultz ausgewählte Texte der „verbrannten Dichter“ vor. Tondokumente mit Erich Kästner zu seinem Erleben der Bücherverbrennung am Abend des 10. Mai 1933 vor der Berliner Universität leiteten den Abend ein. Ebenso war eine Ausstellung des Bayreuther Plakatmuseums über Autoren, deren Bücher damals verbrannt wurden, in der Bildungswerkstatt zu sehen. Die Lesung aus Werken von Claire und Ivan Goll, Else Lasker-Schüler, Gertrud Kolmar, Erich Mühsam, Irmgard Keun und Klabund erinnerte an viele, heute inzwischen unbekannte Literaten der Weimarer Republik. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden die historischen Fakten erörtert. Es wurde dazu ermuntert, für Toleranz und Menschenrechte einzutreten sowie wachsam zu sein für die Verteidigung der demokratischen Freiheitsrechte, damit solch eine Terrorherrschaft nie wieder möglich wird.

Biessenhofen und Erding

In der Grund- und Hauptschule Biessenhofen las Schauspieler und Sprecher Olaf Krätke Texte von Brecht („An die Nachgeborenen“), Kästner („Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank“, „Hunger ist heilbar“, „Die Entwicklung der Menschheit“) und Tucholsky („An das Publikum“, „Der Graben“). In der Landkreisbibliothek im Gymnasium Erding trugen Klaus Schiermann und Manfred Trautmann, Schauspieler bzw. Autor und Theaterregisseur, unter anderem Werke von Hasenclever, Werfel, Kästner, Tucholsky und Polgar vor.

Füssen und Kronach

In Füssen fand bereits am 8. Mai im Rahmen der monatlichen „LeseZeit“ im Colloquium des Museums eine Lesung mit Martin Harbauer statt. Der Dozent für Stimme, Sprechen und Textinterpretation an der Bayerischen Theaterakademie in München las aus „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque. Die Kronacher Synagoge war Schauplatz einer Lesung aus Werken „verbrannter Dichter“ mit Kreiskulturreferentin Gisela Lang, Armin Grötzner, Ingo Cesaro, Odette Eisenträger- Sarter und Gisela Gülpen.

Neu-Ulm und Niederding

Schauspieler der Akademie für darstellende Kunst, Ulm, trugen in der Stadtbücherei Neu-Ulm unter anderem Texte von Tucholsky, H. Mann und Kästner vor. Im Bürgerhaus Niederding fand bereits am 9. Mai die Kulturveranstaltung der Gemeinde Oberding statt. Die Schauspieler Bernd Dechamps, Natalie Seitz, Robert Kilian und Eva-Maria Reichert lasen Texte von Tucholsky, Werfel, Mühsam, Kästner, Seghers, Ringelnatz, Kafka, Brecht, Remarque und Lasker-Schüler.

Schondorf und Unterföhring

In Schondorf am Ammersee fand in der Rathauspassage eine offene Veranstaltung unter Mitwirkung der Bürger statt. Veranstalter waren 1. Bürgermeister Gerd Hoffmann sowie Susanne Sticker, Leiterin der Gemeindebücherei. Im Rahmen eines umfangreichen Medientisches präsentierte die Gemeindebücherei Unterföhring mehrere „Bücher aus dem Feuer“. Die Gemeinde- und Pfarrbücherei Unterthingau wiederum lud die zwei neunten Klassen der örtlichen Hauptschule mit ihren Lehrern ein und präsentierte Bücher der verfemten Autoren. Gelesen wurde „Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?“ von Erich Kästner; zudem wurde über den Wert der Demokratie diskutiert.

Waldsassen und Gröbenzell

In Waldsassen begann Kabarettist Dieter Hildebrandt seinen Abend mit einer Erinnerung an den 10. Mai 1933 und las ein Stück eines der betroffenen Dichter. Gröbenzell wiederum veranstaltete eine Lesung, in der Erster Bürgermeister Dieter Rubenbauer, der ehemalige geschäftsleitende Beamte der Gemeinde Rudolf Ulrich, die Kulturreferentin und Gemeinderätin Brigitte Böttger, der Gröbenzeller Schauspieler Wolf Euba und eine Mitarbeiterin der Bücherei, Marga Janssen, aus den Werken damals betroffener Autoren rezitierten.

München

In München waren die Bayerische Staatsbibliothek und der Königsplatz (ganztägig) zentrale Schauplätze der diesjährigen Bücherlesung. Unter den Vortragenden in der Staatsbibliothek fanden sich klingende Namen aus Politik, Kultur und Medienwelt wie die Schauspieler Sunnyi Melles und Horst Jüssen, zudem die AZ-Herausgeberin Anneliese Friedmann und tz-Chefredakteur Karl Schermann sowie Finanzminister Prof. Kurt Faltlhauser. Zu den mehr als 100 Vortragenden am Königsplatz zählten u. a. Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel, OB Christian Ude, SPD-Fraktionschef Franz Maget sowie die Schauspielerin Suzanne von Borsody. In der Mohr Villa schließlich fanden zwei Lesungen statt: Schüler der Hauptschule Freimann lasen am Nachmittag Szenen aus Kästners Buch „Die Konferenz der Tiere“, während abends u. a. Paula Bettina Mader zur Klezmer- Musik der Gruppe „Raduga“ aus Werken von Oskar-Maria Graf las. DK (GZ-12-06)

 

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