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Planungsbüro WasserWerkstatt: Naturnahe Freibäder im Blick
GZ-15-2011
Freitag, den 05. August 2011 um 03:00 Uhr

Jüngste Beispiele: Königstein und Gößweinstein

Viele Gemeinden betreiben Schwimmbäder, die 20, 30 oder mehr Jahre in Betrieb und mittlerweile renovierungsbedürftig geworden sind. Sie entsprechen auch nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Allein davon gibt es in Deutschland über 5.000. Für sie muss in den nächsten Jahren eine Lösung gefunden werden. Viele Bürgermeister träumen aber auch von einem eigenen Gemeindebad, das sich jedoch bisher aus Kostengründen nicht verwirklichen ließ.

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Idyllisch gelegen erinnert am Naturbad Gößweinstein allenfalls die Beckenform an andere Schwimmbäder.  Foto: Roland Huber


Erfahrungen des Planungsbüros für Badegewässer und Freiraumplanung GmbH „WasserWerkstatt“ in Bamberg mit Naturbädern seit 1987 zeigen, dass diese eine echte Alternative zu gechlorten Schwimmbädern darstellen können. Viele ökologische und ökonomische Gründe sprechen für naturnahe Freibäder, wie aktuell zwei neue von der WasserWerkstatt eröffnete Naturbäder im oberpfälzischen Königstein und im oberfränkischen Gößweinstein demonstrieren. Bei beiden Anlagen wurde die Instandsetzung von überaus engagierten Fördervereinen unterstützt. Zur finanziellen Bewältigung der Vorhaben trugen verschiedene EU Förderprogramme wie Leader und Sozialfonds, aber auch Spenden in großer Zahl bei.

Energieoptimierung

In einem feierlichen Rahmen wurden jüngst in Königstein die neu errichteten Sanitärräume, Kiosk, Wasserwachtsgebäude und die Becken ihrer Bestimmung übergeben. Vorangegangen waren viele Wochen harter Arbeit und Umbauaktivitäten zahlreicher Firmen und freiwilliger Helfer. Da das alte Freibad aus dem Jahr 1960 in den letzten Jahren sehr marode wurde und zahlreiche, kostenintensive Reparaturen anstanden, entschloss sich der Marktrat Königstein nach langen Diskussionen zu einem energieoptimierten Neubau. Somit konnten wichtige Fördergelder der Regierung beantragt und damit die finanzielle Belastung des Marktes gesenkt werden.

Die Chlordosierungsanlage des alten Bades war defekt und auch die Beheizung mit Gasbrenner war sehr kostenintensiv. So wurde das alte Bad noch einige Jahre durch die Mithilfe der Wasserwacht und des Fördervereins auf ehrenamtlicher Basis betrieben.

Keine Heizung nötig

Das neue Naturbad kommt nunmehr ohne Heizung aus. „Wir haben natürliche Wassertemperaturen, wie die Sonne sie hergibt“, erklärt Planer Claus Schmitt von der WasserWerkstatt Bamberg. Wie ein Nachtspeicherofen soll das System funktionieren, das 2.780 Kubikmeter Wasser ständig über den Trockenfilter der biologischen Kläranlage, dessen Oberfläche tagsüber von der Sonne erwärmt wird, beheizt. So soll das Wasser auch nachts kaum auskühlen.

Das Hauptbecken konnte bei den Umbaumaßnahmen erhalten werden. Durch den Wegfall der Chlorierung und der Heizung wird man künftig jede Menge Geld sparen können. Hinzu kommt, dass man für die natürliche Anlage keine Fachkraft für Bäderbetriebe mehr braucht. Der Betrieb wird somit wesentlich günstiger.

Bei den Umbaumaßnahmen war es dem Marktrat Königstein und Bürgermeister Hans Koch ein großes Anliegen, das Gelände mit den neu errichteten Gebäuden nicht nur vier bis fünf Monate im Jahr zu nutzen. Das Naturbad kann im Winter zum Schlittschuhfahren oder Eisstockschießen genutzt werden. Dies ist durch Ausdehnungsbereiche für das Eis möglich, was bei herkömmlichen Freibädern ausgeschlossen ist.

Spiellandschaft

Auch optisch wirkt das neue Bad natürlich. In der Kleinkinderspiellandschaft sprudelt eine Bachquelle, statt des Sprungturms gibt es einen Sprungfelsen. Zudem sorgt eine breite Wellenrutsche für weiteren Spaß. Die Gesamtkosten liegen bei 1,25 Millionen Euro, Träger der Maßnahme sind die Marktwerke Königstein.

Viele fleißige Hände machten auch aus dem einstigen Höhenschwimmbad Gößweinstein ein idyllisches Naturbad. Dieses wurde zu Beginn der 1960er Jahre als klassisches und konventionelles Schwimmbad gebaut. In den folgenden Jahrzehnten war es recht beliebt, so dass sogar eine Wärmehalle als angenehmer Aufenthaltsort angebaut wurde. Allerdings unterblieben als Folge schlechter gemeindlicher Finanzen notwendige größere Investitionen u. a. in die Wasseraufbereitung, so dass das Bad Mitte der 1990er Jahre schließlich geschlossen wurde. Es dümpelte als ungenutzter Freizeittempel in landschaftlich bester Lage dahin, verfiel in einen Dornröschenschlaf.

Im Jahr 2000 erinnerten sich interessierte Gemeindebürger ihres Freibades und gründeten den Förderverein Höhenschwimmbad Gößweinstein mit dem Ziel, das Bad wieder zum Leben zu erwecken. Man entschied sich für ein Naturbad ohne Chlorung mit natürlichem Wasseraustausch über eine Schilfanlage. In der „WasserWerkstatt“ fand die Marktgemeinde Gößweinstein als Bauherr und Betreiber einen verlässlichen und engagierten Partner.

Durch Mitgliedsbeiträge in Höhe von 25 Euro pro Jahr, weit mehr aber noch mit der Durchführung kultureller Veranstaltungen wurde über viele Jahre Geld generiert, so dass 2008 mit der konkreten Planung begonnen werden konnte, maßgeblich unterstützt vom Landkreis Forchheim mit einem Leader-Projekt Bäderlandschaft Fränkische Schweiz.

Wasserwiederaufbereitung

Kernstück des Naturbades ist die Wiederaufbereitung des Wassers, das an der Oberfläche abgesaugt, in einem groben Filter von Blättern und Blüten befreit wird und dann zur weiteren Reinigung in ein Kiesbett verrieselt, wo es versickert. Von dort aus fließt es einen halben Meter tiefer über Quellsteine wieder zurück ins Becken - zuerst in den kleinen, abgegrenzten Kinderbereich und von dort in das große Becken. „Innerhalb von zehn Stunden ist der komplette Inhalt einmal durchgereinigt, und das sind immerhin 790 Kubikmeter“, erläutert Fördervereinsmitglied Reinhard Bauer. Das System wirkt bei bis zu 400 Badegästen am Tag. Sollten es mehr werden, muss mit herkömmlicher Reinigung nachgeholfen werden.

Damit auf einen Bademeister verzichtet werden kann, hat das Bad nur eine Wassertiefe von ca. 1,40 Meter. Unterhalten wird es vom Förderverein mit einem Beitrag von 4 000 Euro jährlich, von der Marktgemeinde und einem „Outdoor-Event-Veranstalter“, der das rund 13.000 Quadratmeter große, terrassenförmig angelegte Gelände zur Nutzung erhalten hat und dafür dessen Betrieb und Pflege sicherstellen muss. Im Gegenzug kann er - nicht nur während der Badezeit - seine Veranstaltungen für Schulklassen oder Firmenfeste durchführen. So kann das Höhenschwimmbad zum ganzjährigen Treffpunkt für Gäste und Einheimische werden, hofft Gößweinsteins Rathauschef Georg Lang.  DK

GZ-15-2011

 

 

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