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104. Deutscher Bibliothekartag in Nürnberg: Ein Buch ist ein Buch
GZ-11-2015
Mittwoch, den 10. Juni 2015 um 16:11 Uhr

Über die neuesten Trends und Entwicklungen in der Bibliotheks- und Informationslandschaft tauschten sich beim 104. Deutschen Bibliothekartag in Nürnberg, Europas größtem bibliothekarischen Kongress, über 3.800 nationale und internationale Experten aus. An vier Tagen standen insbesondere die Herausforderungen einer zunehmend digitalen Gesellschaft im Mittelpunkt der Tagung. Mit dem Aufruf „Ein Buch ist ein Buch“ wendeten sich die Veranstalter - Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB) und der Verein Deutscher Bibliothekare (VDB) - an die Politik und forderten ein Ende der Benachteiligung digitaler Medien und Techniken.


Als die zentrale Fortbildungsveranstaltung für alle Beschäftigten in kommunalen wie wissenschaftlichen Bibliotheken und verwandten Einrichtungen widmete sich der Bibliothekartag den steten Veränderungen der Wissens- und Informationswelt. Dabei rückten sowohl neue technische Herausforderungen als auch veränderte politische Rahmenbedingungen der bibliothekarischen Arbeit in den Fokus. Neben „Neuen Entwicklungen im Urheberrecht“ und der Frage nach der „Sonntagsöffnung in öffentlichen Bibliotheken“ waren u.a. die Themen „Open Access“, „E-Learning“ sowie „Bibliotheken auf dem Weg in die Cloud?“,  „Digitale Leseförderung“, „Makerspaces“ und „Interkulturelle Bibliotheksarbeit“ Teil des Tagungsprogramms.

Unterhaltungsprogramm

Parallel zum Kongress informierten im Rahmen der begleitenden Fachausstellung auch in diesem Jahr wieder gut 150 Firmen über innovative bibliotheksrelevante Produkte. Ergänzend zum Fachprogramm bot der Deutsche Bibliothekartag für die Teilnehmenden ein umfangreiches Rahmenprogramm aus Stadt- und Bibliotheksführungen sowie Unterhaltungsprogramme zur Eröffnung und zum Abschluss der Tagung.

Wie Dr. Klaus-Rainer Brintzinger, VDB-Vorsitzender und Direktor der Münchner Universitätsbibliothek, in seiner Eröffnungsrede betonte, seien Bibliothekare als Informationsspezialisten gut für den digitalen Wandel aufgestellt.

In Lehrveranstaltungen, Online-Tutorials oder Chatdiensten sorgen auch die öffentlichen Bibliotheken mit zielgruppengerechten Angeboten für digitale Teilhabe. Darüber hinaus erwerben Bibliotheken zunehmend elektronische Medien: So haben in Deutschland wissenschaftliche Bibliotheken mehr als 5 Millionen eBooks und über 4 Millionen digitale Zeitschriften-Abonnements in ihrem Bestand, Stadt- und Gemeindebibliotheken kommen auf mehr als 1,25 Millionen Exemplare. Die digitalen Angebote der Bibliotheken werden auch durch eigene Digitalisierung erweitert. Allein das zentrale Verzeichnis digitalisierter Drucke enthält mehr als 1,25 Millionen Titel. Dazu kommen nochmals weit über eine Million Werke, die im Rahmen einzelner Projekte von Bibliotheken digitalisiert wurden. „Diese Beispiele zeigen, dass Bibliotheken schon lange im Internetzeitalter angekommen sind.“

Regeländerungen notwendig

Allerdings sähen sie sich bei ihrer Weiterentwicklung vielfach rechtlichen und politischen Hindernissen gegenüber, erläuterte Brintzinger. Die aktuell geltenden Regeln entsprächen nicht den Anforderungen der digitalen Welt. Mit Blick auf die Digitale Agenda der Bundesregierung, in der freier Zugang zum und freie Entfaltung im Internet gefordert wird, sei besonders unverständlich, dass gerade elektronische Medien durch bestehende gesetzliche Regelungen eklatant benachteiligt werden: „Während der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 % nur auf gedruckte Publikationen erhoben wird, ist für eBooks, elektronische Zeitschriften und Datenbankprodukte der volle Umsatzsteuersatz von 19 % fällig. Bibliothekare, Buchhändler und Verleger fordern seit langem, auch auf elektronische Medien den ermäßigten Umsatzsteuersatz anzuwenden, wie dies in einigen anderen europäischen Ländern bereits der Fall ist.“

Problematik eBooks

Die hinderlichen gesetzlichen Regelungen wirken sich nach den Worten des VDB-Vorsitzenden auch auf die Ausleihe von E-Books aus. So hätten Bibliotheken auf der Basis des geltenden Urheberrechts keinen Anspruch auf Erwerb und Verleih elektronischer Medien, weil ihnen die Verlage den Bezug der entsprechenden eBooks verweigern. Der Kölner Professor Tom Becker, Vorstandsmitglied des Berufsver-bandes Information Bibliothek (BIB), erwartet von der Politik „ein Bekenntnis, dass Bibliotheken grundsätzlich das Recht zuerkannt wird, eBooks zu erwerben und zu verleihen“. Es gehe nicht an, dass Verlage weiterhin ganze Segmente ihrer elektronischen Bestände einer öffentlichen und somit auch leicht zugänglichen Nutzung entziehen.

Frank Simon-Ritz, Vorsitzender des Deutschen Bibliotheksverbands, machte darauf aufmerksam, „dass wir überall steigende Besucherzahlen verzeichnen“. Die Bücherei werde als inspirierender Arbeitsort gesehen, der darüber hinaus noch sehr kommunikativ sei. Zudem sei sie einer der wenigen Orte ohne Konsumzwang.

Hohe Ausleihzahlen

Die deutschlandweit knapp 10.200 Bibliotheken - davon befinden sich ca 3.800 in Trägerschaft der Kommunen und Landkreise – zählen laut dbv jeden Werktag 700.000 Besucher. Nach wie vor seien die Ausleihzahlen hoch – jedes Jahr würden knapp 470 Millionen Medien ausgeliehen. Zwar würden heute weniger Bücher und CDs nachgefragt, doch sei das Interesse an elektronischen Medien „geradezu explodiert“, hob Simon-Ritz hervor.

Die noch nicht erfolgte Sonntagsöffnung in öffentlichen Bibliotheken hält der Verbandsvorsitzende indes für unzeitgemäß. Der größte Berufsverband BIB habe sich mit extrem knapper Mehrheit für die Sonntagsöffnung ausgesprochen. Pilotprojekte seien sehr erfolgreich verlaufen, zudem hänge an der Sonntagsöffnung der Bestand der Arbeitsplätze.

Ein „echtes Problem“ für Bibliotheken stellt laut Simon-Ritz der Sparzwang der Kommunen dar. Einsparungen, Etatkürzungen und Personalabbau seien an der Tagesordnung. Vor diesem Hintergrund ein attraktives Angebot aufrechtzuerhalten, stelle eine weitere Herausforderung für die Bibliothekare dar. DK

(GZ-11-2015)

 

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