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Schneller Wohnraum: Holzbau hat gute Argumente
GZ-15-2016
Freitag, den 05. August 2016 um 00:00 Uhr

Praxis-Infoveranstaltung für Kommunen, Architekten und Planer in Holzkirchen

Konkret umsetzbare Informationen und Hinweise, wie durch Holzbauten bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann, der nachhaltig und flexibel nutzbar ist, lieferte eine Info-Veranstaltung des Impuls Forst und Holz, einem Zusammenschluss der Schreiner- und Zimmererinnungen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach in Holzkirchen. Vorgestellt wurden u. a. bereits realisierte Holzbau-Projekte aus verschiedenen Perspektiven.


Wie Stefan Kramer, Abteilungsleiter Forsten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen und Vertreter des Impuls Forst und Holz, in seiner Begrüßung darlegte, biete der Holzbau die notwendige Flexibilität, ein Gebäude den wechselnden Bedürfnissen der Kommunen anzupassen und dieses beispielsweise als Flüchtlingsunterkunft und anschließend als Sozialwohnung zu nutzen. Dabei wolle der Impuls Forst und Holz keine fertigen Standardlösungen vorstellen, sondern die Möglichkeiten und Chancen, aber auch die Grenzen des Holzbaus deutlich machen. Das Grüne Zentrum Holzkirchen als Tagungsort stelle bereits ein Beispiel eines gelungenen Holzbaus dar.

Der Impuls Forst und Holz sei ein Motor der Forst- und Holzwirtschaft, so Kramer. Deren regionale Wertschöpfung werde jedoch meist unterschätzt. 100 Kubikmeter Holz sicherten einen Arbeitsplatz. Bei einem Zuwachs von ca. 10 Kubikmeter Holz je Hektar und Jahr und über 106.000 Hektar Wald in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach werde die wirtschaftliche Bedeutung mehr als deutlich.

Holz sei der „perfekte“ Rohstoff, unterstrichen die Schirmherren der Veranstaltung, die Landräte Wolfgang Rzehak (Miesbach) und Josef Niedermaier (Bad Tölz-Wolfratshausen).  Für Rzehak ist Holz ein regional nachwachsender umweltfreundlicher Rohstoff, der sehr gut zur Ökomodellregion Miesbach passt und mit dem eine hohe regionale Wertschöpfung erzielt werden kann. Landkreischef Niedermaier hatte im eigenen Bäckereibetrieb mit Holz gebaut, damit beste Erfahrungen gemacht und appellierte daher an die Kommunen aus tiefer Überzeugung: „Ich wünsche mir viele kommunale Holzbauten.“

„Schnell zu errichten, günstig zu erstellen, flexibel nutzbar und vielerorts einsetzbar“, lauteten die Vorgaben, die Maren Kohaus, Architektin an der Fakultät für Architektur (TU München), ihren Studenten für die Planung eines Holzbaus auf einem innerstädtischen Grundstück in München stellte. Außerdem musste ein Anbauen bzw. Weiterbauen möglich sein und die Nachhaltigkeit im gesamten Lebenszyklus berücksichtigt werden.

Kohaus zeigte auf, wie derart anspruchsvolle Bedingungen durch einen gut geplanten Holzbau in hervorragender Weise erfüllt werden können. Auf kleinsten Flächen kann durch intelligente Planung einerseits Privatsphäre und andererseits Raum für Austausch und Geselligkeit geschaffen werden. Eine Änderung der Nutzung und damit der Flächenzuschnitte der Wohnungen gelingt ohne Veränderungen der Gebäudehülle. Nur die Innenwände müssen den neuen Ansprüchen angepasst werden.

Wer mit Holz baut, kann Kohaus zufolge das benötigte Baumaterial um 50 % reduzieren, spart 50 % fossile Energie ein und reduziert das Treibhauspotenzial im Vergleich zu konventionellen Gebäuden um 50 bis 70 %. Eine nachhaltige Architektur berücksichtigt aber nicht nur die Errichtung, sondern auch die Instandhaltung und den Rückbau der Gebäude. Die weitgehende Vorfertigung im Zimmereibetrieb ermöglicht nicht nur eine sehr hohe Präzision, sondern reduziert vor allem auch die Bauzeit und damit die Belastung der Anwohner auf ein Minimum. Gerade im innerstädtischen Bereich werden umfangreiche Neubauten und Sanierungen dadurch erst möglich.

Die Zeit für Planung und Realisierung ist meist knapp. Um seine Fertigungskapazität zu erhöhen und die Kommunikation zu erleichtern, ging das Bayerische Zimmererhandwerk laut Alexander Habla, Geschäftsführer der Zimmerer-Innung München, mit der Internetplattform www.schneller-wohnraum.de in die Offensive.

Die www.schneller-wohnraum.de vereinfacht zum einen die Kommunikation zwischen Gemeinden, Landkreisen und Zimmerer-Innungen, zum anderen die Kooperation zwischen den Betrieben. So widmen sich dieser Bauaufgabe nun nicht mehr nur Betriebe mit großen Hallen und großen Maschinen, sondern auch kleinere Betriebe. Idealerweise konzentrieren sich die größeren auf die Fertigung und die kleineren auf die Montage.Das steigert die Produktivität der Branche.

Die Startseite der www.schneller-wohnraum.de zeigt oben in einem blauen Balken die freien Fertigungskapazitäten für das aktuelle und das kommende Quartal: die Wohnfläche in Quadratmetern und für Montagen die sogenannten „Manntage“. Die Zahlen stammen von den über 200 teilnehmenden Betrieben und werden täglich aktualisiert. Wie sich die freien Kapazitäten auf die einzelnen Betriebe verteilen, ist nur im internen Bereich einsehbar.

„Planen Sie nicht kurzfristig, sondern langfristig“, riet Habla. Er appellierte an die Zuhörer, vorhandene Bauten zu nutzen, um diese aufzustocken oder anzubauen. Hierfür eigne sich der Holzbau aufgrund seiner hohen Flexibilität optimal.

Nach Auffassung von Alexander Gumpp, Vizepräsident des Landesinnungsverbandes des Bayerischen Zimmererhandwerks und Geschäftsführer der Gumpp & Maier GmbH, ist Wegreißen und neu bauen eine Ressourcen- und Geldverschwendung. Besser sei eine Generalsanierung für die nächsten 80 Jahre.

Am Beispiel der von seiner Firma gebauten Flüchtlingsunterkünfte in Königsbrunn präsentierte Gumpp seine Grundüberlegungen zur Bauweise:

- Keine Leuchttürme, sondern langweiliger, robuster Holzbau mit sehr hoher Standardisierung und geringem Wartungsaufwand

- Auf maximale Wohn-/Nutzfläche ausgelegte Grundrisse

- Die Gebäudehülle und die technischen Standards sind auf eine Nutzungsdauer von 80 Jahren ausgelegt und erfüllen alle aktuellen Standards

- Der Innenausbau und insbesondere die Nassräume müssen extrem robust gebaut sein, da Wohnungen für Asylsuchende ca. 3 bis 4 Mal dichter belegt sind als normale Wohnungen

- Die Planungs-, Fertigungs- und Bauprozesse müssen optimiert sein, um hohe Qualität in kürzester Bauzeit zu realisieren.

Gegen Containersiedlungen im Außenbereich sprechen Gumpp zufolge neben fehlenden Integrationsmöglichkeiten für die Bewohner auch die Kosten für zehn Jahre, die mit  3.000 Euro/m² Wohnfläche wesentlich höher seien als jene für die vorgestellten Holzbauten mit 2.000 Euro/m².

Anhand weiterer zahlreicher Beispiele demonstrierte der Unternehmer die Vielfalt des Holzbaus. Gumpp & Maier haben nicht nur Tankstellen in Holzbauweise erstellt, sondern unter anderem auch das Aktivstadthaus in Frankfurt (momentan weltgrößtes Aktivhaus), die Logistikhalle Grünbeck (Höchstädt), das ALE Tirschenreuth, die Altkatholische Kirche Augsburg sowie Legoland Günzburg und Legoland Deutschland Feriendorf 1. In nur zwölf Wochen entstanden dort 48 Häuser in Holzbauweise und das Feriendorf konnte rechtzeitig zu Saisonbeginn eröffnet werden. DK

(GZ-15/16-2016)

 

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